Klimakrise
Risiko-Index: Klimakrise gefährdet das Leben einer Milliarde Kinder

Fluten, Wirbelstürme, Luftverschmutzung, Krankheiten – die Auswirkungen der Klimakrise bedrohen fast jedes zweite Kind auf der Welt „extrem stark“, warnt das UN-Kinderhilfswerk Unicef. Am heftigsten betroffen sind junge Menschen in Afrika.

Durch Zyklon Eloise überflutetes Dorf in Mosambik 400 Millionen Kinder betroffen Foto: UNICEF

Die Klimakrise verdüstert die Zukunft aller 2,2 Milliarden Kinder und Jugendlichen im Alter bis zu 18 Jahren, die derzeit unseren Planeten bevölkern. Doch beeinträchtigen Erderhitzung und zunehmende Extremwetterereignisse ihr Leben höchst ungleich. Das zeigt der aktuelle Risiko-Index von Unicef und der Umweltorganisation Fridays for Future.

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Kampf ums nackte Überleben

In den reichen Ländern mildern staatliche Unterstützungssysteme und eine gut ausgebaute Infrastruktur die Folgen. In den armen Ländern jedoch schneiden Überschwemmungen, Dürren, Brände und Hurrikans die jungen Menschen nicht nur von Bildung und Gesundheitsvorsorge ab. Sie kämpfen vielfach ums nackte Überleben.

Betroffen ist rund eine Milliarde, am heftigsten in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, Nigeria, Guinea, Guinea-Bissau, aber auch in Pakistan, Afghanistan und Indien. Insgesamt 33 Länder identifiziert der Report als extrem risikoreich. Sie leiden am stärksten unter den Auswirkungen des Klimawandels, obwohl sie nur neuen Prozent zu den globalen CO2-Emissionen beitragen.

Kinder zahlen den höchsten Preis

„Der Klimawandel ist zutiefst ungerecht,“ urteilt Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Obwohl Kinder für den Anstieg der globalen Temperaturen nicht verantwortlich sind, werden sie den höchsten Preis zahlen.“

Die hiesigen Jugendlichen kommen bei allen Sorgen vergleichsweise gut weg. Deutschland ist zwar der elfgrößte Klimasünder weltweit und reißt dieses Jahre erneut deutlich die Latte bei der angepeilten CO2-Reduktion. Im Risiko-Index liegt das Land aber nur auf Rang 142 von 163 untersuchten Nationen.

Die Studie listet die größten Gefährdungen auf:

  • eine extreme Luftverschmutzung schädigt die Gesundheit von einer Milliarde Kinder,
  • 920 Millionen Kinder haben unzureichend oder keinen Zugang zu sauberem Wasser,
  • 820 Millionen Kinder leiden unter Hitzewellen,
  • 600 Millionen erkranken an Krankheiten wie Malaria, deren Ausbreitung der Klimawandel begünstigt,
  • 400 Millionen Kinder sind von Wirbelstürmen
  • und 570 Millionen von Überschwemmungen an Küsten und Flüssen bedroht.

Schlimmer noch: Mit 850 Millionen Kindern lebt jedes dritte in einem Gebiet, in dem es gleich vier dieser Gefahren ausgesetzt ist. Der Befund wiegt um so schwerer, weil Kinder generell mehr Nahrung und Wasser je Kilogramm Körpergewicht brauchen als Erwachsene, Sie seien weniger in der Lage, extremes Wetter zu überleben, und anfälliger für Temperaturschwankungen und Krankheiten, schreiben die Autoren des Reports.

Unicef leitet aus all dem eine klare Forderung ab: Die Welt, vor allem die wohlhabenden Nationen, müssten mehr in Dienstleistungen investieren, die besonders schutzbedürftigen Kindern zugute kommen, etwa in den Bereichen Wasser, Sanitär und Bildung. Und natürlich endlich entschieden die Klimakrise bekämpfen.

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