Billigfleisch
Billigfleisch: Greenpeace verleiht Edeka die „Goldene Kotzwurst 2021“

Die Umweltorganisation straft Deutschlands umsatzstärkste Lebensmittelkette mit dem Negativpreis ab. Grund: Der Konzern weigert sich zu verkünden, wann er darauf verzichtet, Billigfleisch aus besonders wenig artgerechter Haltung zu verkaufen.

Protestaktion gegen Billigfleisch von Greenpeace-Aktivisten vor dem Berliner Kanzleramt
Greenpeace-Protest gegen Billigfleisch vor dem Kanzleramt Industrielle Tierhaltung verschärft die Klimakrise
Foto: Chris Grodotzki/Greenpeace

Rewe, Penny und jüngst auch Aldi – sie alle haben inzwischen versprochen, spätestens Ende 2030 Billigfleisch aus ihrem Sortiment zu nehmen. Stattdessen wollen sie möglichst nur noch Steaks und Filets von Schweinen und Rindern in ihren Kühltheken anbieten, die vor dem Schlachten einigermaßen artgerecht in den Haltungsstufen 3 und 4 gelebt haben.

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Fleischkonsum treibt die Erderwärmung

Einzig Edeka gibt sich stur. Greenpeace-Aktivisten überreichten dem Konzern für sein Nichtstun jetzt vor seiner Hamburger Zentrale symbolisch den Pokal „für besondere Unverdienste beim Klima- und Tierschutz“. Die Influencerin Marie von den Benken bringt die Kritik auf den Punkt: „Edeka hat überwiegend Billigfleisch im Angebot, für das Tiere leiden müssen. Ich fordere Edeka auf, anderen Supermarktketten zu folgen und endlich Verantwortung für Tiere und Umwelt zu übernehmen.“

Die Ökotruppe geißelt die industrielle Massentierhaltung zugleich als wesentlichen Treiber der Erderwärmung – und findet für diese Position prominente Unterstützung durch den langjährigen Ko-Präsidenten des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker: „Rund vier Fünftel der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen stammen aus der Tierhaltung, das sind 100 Megatonnen CO2-Äquivalent pro Jahr, rechnet er im exklusiven Greenspotting-Interview vor.

Zerstörerisch für Mensch, Tier und Umwelt

Edekas Zögerlichkeit könnte damit zusammenhängen, vermutet Greenpeace Agrarexpertin Stephanie Töwe, dass die Hanseaten sieben eigene Fleischwerke betreiben. „Wer Umweltschutz ernst nimmt, produziert keine Lebensmittel, die derart zerstörerisch für Mensch, Tier und Umwelt sind wie Fleisch aus der industriellen Massenproduktion”, attackiert sie das Unternehmen und sieht ein System in der Hinhaltetaktik. Schon bei Einführung der freiwilligen Kennzeichnung der Haltungsform sei die Lebensmittelkette das Schlusslicht gewesen und habe diese in vielen Märkten immer noch nicht vollständig umgesetzt, kritisiert Töwe.

Die Lust auf Fleisch schwindet

Womöglich verspielt Edeka mit seiner Abwehrhaltung Vertrauen bei den Verbrauchern. Im vergangenen Jahr schwand bei den Deutschen erstmals die Lust auf Wurst und Schnitzel. Und gerade bei Fleisch und Geflügel greifen die Bundesbürger eine Umfrage zufolge bewusst vermehrt zu Bioware. Vielleicht sollte das Edeka-Management noch einmal in sich gehen.

Mehr: RP Greenpeace

Von Dieter Dürand