Regenwald
Deutsche Bahn zerstört mexikanischen Regenwald

Ohne Rücksicht auf ökologische Verluste treibt Mexikos linker Präsident Andrés Manuel López Obrador den Bau einer 1500 Kilometer langen Bahnstrecke mitten durch einen wertvollen Regenwald voran. Mit an Bord: die Deutsche Bahn.

Maya-Ruinen von Palenque
Maya-Ruinen von Palenque Brutale Schneise durch den tropischen Regenwald Foto: k_tzito auf Pixabay

Sie gelten als grüne Lunge und gigantischer Kohlenstoff-Speicher – die letzten Urwälder auf unserem Planeten. Doch großflächige Brandrodung – ganz besonders im brasilianischen Amazonasgebiet – beraubt die Regenwälder zunehmend dieser für die Menschheit überlebenswichtigen Funktion. Statt das Klima zu schützen, tragen sie vielmehr inzwischen selbst zur Erderhitzung bei.

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Kahlschlag für Touristenströme

Auch auf der mexikanischen Halbinsel Yukatán streckt sich ein großräumiger, weitgehend noch intakter Tieflanddschungel hin. Doch jetzt will Präsident Obrador dem Ökoreservat für ein Prestigeobjekt tiefe Wunden zufügen. Arbeiter sollen breite Schneisen für die Bahntrasse ins Gehölz schlagen, über die Touristen in noch größeren Scharen als bisher, dann bequem per Zug, von den Karibikstränden Yukatáns zu den Maya-Stätten an der Grenze zu Guatemala reisen können. 600 Hektar Regenwald fielen dem Kahlschlag zum Opfer, er würde teils uralte Siedlungen verdrängen.

Arbeitsplätze kontra Klimarettung

Naturschutz halten Obrador wie sein brasilianischer Amtkollegen Jair Bolsonaro ganz offenbar für vernachlässigbar. Stattdessen versprechen sie wie üblich eine Wirtschaftsblüte, Fortschritt und Jobs – da muss die Umwelt eben zurückstehen. Den Mexikanern stellt Obrador 80 000 Arbeitsplätze in Aussicht. Zudem würden Güterzüge die Versorgung der örtlichen Bevölkerung verbessern.

Der TÜV Rheinland, die deutsche KfW IPEX-Bank und die Deutsche Bahn zeigten sich zum Start interessiert, am 5,4-Milliarden-Euro-Projekt des Tren Maya mit zu verdienen. Im großen Stil zum Zug gekommen ist die Bahn-Tochter DB Engineering & Consulting, die für 8,6 Millionen Euro den künftigen Betriebsablauf plant.

Hässlicher Fleck im grünen Image

Kritiker fragen, wie das Engagement zum grünen Image passt, mit dem sich das Staatsunternehmen gerne schmückt. Die Zerstörung der Regenwalds, wettern sie, sei das genaue Gegenteil und gefährde den Bestand bedrohter Tierarten: Pumas, Jaguare, Iguanas, Fledermäuse. Zudem verletzte der Kahlschlag die Rechte der dort lebenden Ureinwohner und untergrabe deren Lebensgrundlage.

Entsprechende Anfragen der TAZ und der Linken-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Schreiber weichen Bahn und Eigentümer in Gestalt des Bundesverkehrsministerium aus. Bei aller Kritik berge das Projekt auch Chancen für die Entwicklung der Region, heißt es lapidar.

Aktivisten erhalten Todesdrohungen

Seit sich vor allem unter der indigenen Bevölkerung und bei Natürschützern immer massiverer Protest gegen den Maya-Zug formiert, reagiert Präsident Obrador zunehmend aggressiv auf ihre Einwände. Er unterstellt ihnen, von ausländischen Mächten gekauft zu sein. „Sie verkleiden sich für Geld als Umweltschützer oder Menschenrechtler“, behauptet der Staatschef und schleudert Demonstranten beim Baustart entgegen: „Egal ob es regnet, blitzt oder donnert, der Maya-Zug wird gebaut.“ Vor Gericht haben die Indigena-Gemeinden immerhin erste Baustopps erstreiten können.

Besonders heftig leisten die Bewohner der Kleinstadt Xpujil Widerstand – und bringen damit ihr Leben in Gefahr. Aktivisten berichten von Todesdrohungen durch zugewanderte Holzfäller und Arbeiter in Gummiplantagen, die sich vom Maya-Zug zumindest eine vorübergehende Beschäftigung erhoffen. Eines ihrer Hassobjekte ist Romel Gonzales, Mitbegründer des Widerstandbündnisses CRIPX. „Ich war körperlichen Attacken und Schikanen ausgesetzt.“ Einschüchtern, versichert er, ließe er sich davon nicht.

Protest nach Europa getragen

Inzwischen trugen Widerständler der zapatistische Delegation „Escuadrón 421“ den Protest gegen den Tren Maya nach Europa. Nach 60tägiger Überfahrt von Mexiko legte ihr Segelschiff Ende Juni in einem kleinen galizischen Hafen an, in dem einst Christoph Columbus die Entdeckung Amerikas verkündete.

Unerwartete Schützenhilfe könnte ihnen demnächst der Internationale Gerichtshof in Den Haag leisten. Die Umweltinitiative Stop Ecocide will jedenfalls erreichen, dass die Richter künftig auch über schwere Verbrechen gegen die Natur urteilen – Juristen sprechen vom Ökozid. Der Kahlschlag im mexikanischen Regenwald hat das Gewicht, ein erster Fall zu werden.

Mehr: TAZ Aljazeera

Von Dieter Dürand