Treibhausgase
Chinas Aluminiumhütten setzen gefährliche Treibhausgase frei

Seit wenigen Jahren steigt auf bisher mysteriöse Weise die Konzentration der hochpotenten Treibhausgase Tetrafluormethan und Hexafluorethan in der Atmosphäre. Nun haben Forscher die Quelle entdeckt: Chinas Aluminiumindustrie.

Produktion von Aluminium-Rundbarren
Frisch produzierte Aluminium-Rundbarren Bei der Schmelze entstehen extrem klimaschädliche Treibhausgase
Foto: rualuminas/Pixabay

Die beiden Gase heizen die Erde 1000-fach stärker auf als Kohlendioxid (CO2). Weil Tetrafluormethan und Hexafluorethan aber nur in geringen Spuren in der Lufthülle unseres Planeten vorkamen, schenkte ihnen die Forschung trotz ihrer toxischen Klimawirkung lange Zeit wenig Beachtung. Das änderte sich erst, als die Wissenschaftler 2015 erstmals eine beunruhigend zunehmende Konzentration maßen.

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Auch Halbleiter- und Displayfabriken sündigen

Ihr Ursprung war bis jetzt unbekannt. Jetzt ist sich ein Team um den Geowissenschaftler Jooil Kim von der Universität Kalifornien in San Diego sicher, die Hauptquelle anhand von Luftproben und Wetteraufzeichungen aufgespürt zu haben: die chinesische Aluminiumindustrie, wo die Gase als Beiprodukt bei der Herstellung in die Atmosphäre gelangen. Das Reich der Mitte hat seine Alu-Produktion seit einiger Jahren stark hochgefahren.

Kleinere Sünder sind der Studie zufolge japanische und südkoreanische Halbleiter- und Displayfabriken. Die Effektivität ihrer Reinigungssysteme, um die Treibhausgase zurück zu halten, werde offenbar „überschätzt“, vermutet Kim.

Unterschätzter Klimakiller Methan

In der öffentlichen Diskussion über das Fortschreiten der Erderhitzung dreht sich zumeist alles ums CO2 als Maßstab. Auch wenn sein Ausstoß neue Rekordwerte ansteuert, nehmen Klimaforscher verstärkt andere, noch weit schädlichere Treibhausgase in den Blick, um deren Anteil genau zu erfassen.

Ein lange unterschätzter Treiber ist das Methan. Es verschwindet zwar weit schneller als CO2 wieder aus der Atmosphäre, wirkt dafür aber rund 80-mal so stark. Auch Methan sammelt sich derzeit in wachsender Menge an und tummelt sich inzwischen in zweieinhalbfacher Konzentration als vor der Industrialisierung in der Erdhülle. Experten schätzen, dass es bis zu einem Fünftel zum Temperaturanstieg beiträgt.

Hunderte löchrige Erdgasleitungen

Bisher galten Rinderhaltung, Reisanbau, ganz allgemein die Landwirtschaft als Hauptquellen. Jetzt zeigen Messungen der europäischen Weltraumagentur ESA, dass aus löchrigen Erdgasleitungen, vor allem in Russland, riesige Mengen des Klimakillers entweichen. Laut der Welt-Energieagentur IEA wäre es mit überschaubarem Aufwand möglich, den Großteil der Hunderten Lecks zu schließen und die Emissionen so um 70 Prozent zu drücken.

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