Flutkatastrophe
Studie: Klimawandel Schuld an Flutkatastrophe

Hätte sich die Flutkatastrophe an Ahr, Erft und Maas auch ohne die Erderhitzung ereignen können? Nicht in diesem Ausmaß, sagen Klimaforscher und prophezeien für Westeuropa eine Häufung extremer Starkregen und Hochwasser.

Überschwemmte Straßen in der Kölner Innenstadt
Überspülte Straßen in der Kölner Innenstadt Nirgendwo gibt es Sicherheit vor neuen Flutkatastrophen
Foto: Stefan Bernsmann/Pixabay

Nach Auswertung aller verfügbaren Regendaten für Westeuropa in ihren Klimamodellen haben Wissenschaftler des Londoner Imperial Colleges um den Klimawissenschaftler Ralf Toumi keinen Zweifel mehr: Ohne den Anstieg der durchschnittliche Erdtemperatur um 1,2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit wären in den Katastrophengebieten dies und jenseits der Grenze zu Belgien niemals solche bis dahin unvorstellbaren Regenmengen in so kurzer Zeit vom Himmel gestürzt.

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Nirgendwo ist es mehr sicher

93 Liter pro Quadratmeter kamen mancherorts zusammen. Das Wasser ließ Bäche und Flüsse in kürzester Zeit zu reißenden Fluten anschwellen, die Autos, Häuser und Menschen mitrissen. Am Ende betrauerten Angehörige in Belgien und Deutschland mindestens 220 Tote. Allein der Versicherungskonzern Allianz kalkuliert, dass er Flutschäden von mehr als einer halben Milliarde Euro ausgleichen muss. Die Schäden für Umwelt und Landwirtschaft wie Bodenerosion und Vergiftung sind noch gar nicht absehrbar.

„Nirgendwo ist es mehr sicher“, sagt Toumi und warnt davor, mit Extremwetterereignissen „weiter zu würfeln“. Vermeintlich sichere Gegenden wie Westeuropa würden zu Hochrisikogebieten.

Globaler Trend zu verheerenden Wetterkapriolen

Toumi gehört zur schnell wachsenden Gruppe von Experten, die wissenschaftlich fundiert analysieren, wie stark der Klimawandel zu Wasserknappheit, Dürren, Hitzewellen, Stürmen, Überschwemmungen oder Landflucht beiträgt. Attributions-Forschung nennt sich das neue Fachgebiet.

Der Trend zur verheerenden Wetterkapriolen zeigt sich weltweit. Inzwischen gibt es rund um den Globus ein Viertel mehr von starken Überschwemmungen bedrohter Risikogebiete. Fast 300 Millionen Menschen mussten sich in jüngster Vergangenheit vor Wassermassen in Sicherheit bringen.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit steigt um den Faktor 1,2 bis neun

Der Klimawandel verstärkt die Regenintensität solcher Unwetter um fast ein Fünftel, fanden Toumi und seine Kollegen heraus. Hauptgrund ist, dass warme Luftmassen viel mehr Feuchtigkeit speichern können. Wasserhöllen wie die an Erft und Ahr könnten jeden Fleck in Westeuropa jetzt einmal alle 400 Jahre treffen, warnt Toumi. Die Eintrittswahrscheinlichkeit habe sich um den Faktor 1,2 bis neun erhöht.

Die Londoner Forscher stehen nicht allein mit ihrem Schreckensszenario. Gerade hat auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Studie erarbeitet, die weniger großräumigen Dauerregen zwischen Nordsee und Bodensee vorhersagt, dafür mehr lokal begrenzte extreme Starkregenereignisse. Tenor: Wenn es regnet, dann massiv.

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