Gesundheit
Auch geringe Luftverschmutzung verkürzt das Leben

Dass Feinstaub gefährlich ist, war bekannt. Doch welche Schäden richtet Feinstaub in geringen Mengen, unterhalb der Grenzwerte, an? Europäische Forscher haben die Daten von rund 325 000 Personen ausgewertet. Die Ergebnisse sind beunruhigend.

Feinstaubquelle Verkehr Auch in kleinen Dosen gefährlich (Rudolpho Duba /pixelio.de)

Die Wissenschaftler haben erstmals einen deutlichen Zusammenhang zwischen vorzeitiger Sterblichkeit und geringer Feinstaubbelastung herstellen können. Dazu haben sie die Daten von acht sogenannten Kohorten, also vergleichbaren Bevölkerungsgruppen, aus sieben europäischen Ländern ausgewertet. Die Probanden lebten zumeist auf den Lande in feinstaubärmeren Gebieten und gaben in Befragungen detaillierte Angaben zu ihrem Lebensstil. Das Projekt Effects of Low-Level Air Pollution: A Study in Europe (ELAPSE) stand unter der Leitung der Universität Utrecht.

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„Die meisten Studien zum Zusammenhang zwischen Feinstaub- und Stickoxidbelastung und erhöhter Sterblichkeit fanden in Städten mit relativ hohen Schadstoffkonzentrationen statt. Deshalb gab es bislang keine aussagekräftigen Erhebungen bei Personen, die nur niedrigen Konzentrationen ausgesetzt waren. In unserer Studie konnten wir nun zeigen, dass auch Feinstaubbelastungen unterhalb der gültigen Grenzwerte mit erhöhter Mortalität einhergehen“, erklärt Gudrun Weinmayr vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, die zur Auswertung der Studie wesentlich beigetragen hat.

Anstieg des Sterberisikos um fast ein Drittel

Kernthema der Untersuchung war die Auswertung von kleinsten Partikeln in der Luft am Wohnort der Probanden. Die Forscher untersuchten die Belastung mit Feinstaub, Stickstoffdioxid, Ozon und Rußpartikeln. Bei den rund 325 000 Erwachsenen, die über durchschnittlich 19,5 Jahren beobachtet wurden, konnte ein Anstieg des Sterberisikos von immerhin 13 Prozent beobachtet werden. Diese Steigerung ging mit einer Erhöhung um 5 Millionstel Gramm pro Kubikmeter Feinstaub mit einem Durchmesser kleiner als 2,5 tausendstel Millimeter einher. Nimmt man nur die Personen, die an Orten mit Konzentrationen von weniger als 12 Millionstel Gramm pro Kubikmeter, dem US-Grenzwert, leben, betrug der Anstieg sogar 30 Prozent.

Im Klartext bedeutet das: Jede Belastung mit Feinstaub ist mit einem erkennbar höheren Sterblichkeitsrisiko verbunden. Auch für Stickstoffdioxid und Rußpartikel gab es einen Anstieg des Sterberisikos – selbst bei geringen Konzentrationen. „Luftverschmutzung trägt – wie aus früheren Studien bereits bekannt – ursächlich zu vielen chronischen Erkrankungen bei, was maßgeblich zur erhöhten Sterblichkeit führt. Selbst bei niedrigen Verschmutzungswerten unterhalb der geltenden Grenz- und Richtwerte ist Luftverschmutzung noch gefährlich“, fasst Gudrun Weinmayr die Ergebnisse zusammen.

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