Atomkraft
Polen plant sechs AKW 450 km von Berlin entfernt

Die nationalkonservative Regierung Polens will in der Nähe von Danzig sechs Atomkraftwerke errichten. Bei einer Havarie könnte die Strahlung Berlin erreichen. Die Bundesregierung druckst herum.

Schlesisches Museum im polnischen Kattowitz: Symbol für erfordlichen Ausstieg aus der Kohle (Foto: si_kor / pixabay)

45 Prozent der Polinnen und Polen sind gegen Atomkraft, nur 39 Prozent dafür. Trotzdem will die nationalistischkonservative Regierung das Landes bis 2043 in der Nähe von Danzig sechs Atommeiler errichten. Das geht aus einem Strategiepapier der Regierung hervor. Die Meiler wären 450 Kilometer von Berlin entfernt. Bei einem Unfall wäre Deutschland unter Berücksichtigung aller Wind- und Wetterverhältnisse mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent betroffen, so ein Gutachten im Auftrag der Grünen. „Im schlimmsten Fall wären 1,8 Millionen Deutsche einer Strahlung ausgesetzt, bei der evakuiert wird“, so Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

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Umweltveträglichkeitsprüfung veraltet

Die deutsche Bundesregierung hat zwar im März eine Stellungnahme mit vielen offenen Fragen nach Warschau geschickt. Darin fordert sie die Einbindung in die Planung, weil potenziell erhebliche negative grenzüberschreitende Umweltauswirkungen auf Deutschland nicht ausgeschlossen werden könnten, heißt es darin. Auch sei die Umweltverträglichkeitsprüfung für die AKW-Standorte aus dem Jahr 2010 veraltet.

Rücksicht auf deutsch-polnische Beziehungen

Allerdings herrscht seit der Depesche offiziell Schweigen über den Fortgang der Angelegenheit. „Mit Rücksicht auf die bilaterale Zusammenarbeit“ wolle man keine Einzelheiten zur Kommunikation mit der polnischen Regierung nennen, so eine Sprecherin der Bundesregierung.

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