Grüne Anleihe
Grüne Anleihe: Aufschwung plus Klimarettung?

Im Oktober gibt die Europäische Kommission die erst grüne EU-Anleihe aus. Mit dem Geld sollen die Mitgliedsstaaten nach der Corona-Krise die Konjunktur ankurbeln und zugleich Klimaprojekte finanzieren. Kritiker sind skeptisch.

Aufforstung in einem Wald Grüne Anleihen sollen 250 Milliarden Euro bringen Foto: MonikaP auf Pixabay

Am 21. Oktober dieses Jahres soll es laut EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn soweit sein: Dann will die Kommission Investoren die ersten grünen Anleihen (Green Bonds) zum Kauf anbieten. Sie sind Teil des wirtschaftlichen Wiederaufbauprogramms für Europa nach der Covid-Krise (NextGeneration EU) und sollen bis 2026 rund 250 Milliarden Euro in die Haushaltskassen der Mitgliedsstaaten spülen.

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Grüner Wasserstoff und Wärmedämmung

Das Geld dürfe nur in Projekte zur Klimarettung fließen, versichert Hahn, zum Beispiel grünen Wasserstoff, Elektromobilität, Wärmedämmung, Windräder, Bio-Anbau und Aufforstung. „Wir werden das streng kontrollieren.“

Der Markt für grüne Papier, auf dem Anleger ihre Mittel bewusst nach ökologischen und sozialen Standards anlegen, boomt. Mehr als 200 Milliarden US-Dollar flossen dieses Jahr schon in solche Werte. Bundesfinanzminister Olaf Scholz gab im September vergangenen Jahres ein erstes eigenes grünes Wertpapier mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Euro aus. Es war gleich fünffach überzeichnet.

EU will weltgrößter Emittent für Green Bonds werden

Auch bei der grünen EU-Anleihe sei das Interesse groß, berichtet Christian Knopf vom Fondsanbieter Union Investment. „Die Anleger stehen bereit.“ Hahns ehrgeiziges Ziel ist es, die EU zum weltgrößten Emittenten solcher Papiere zu machen.

Aber können sich Investoren wirklich darauf verlassen, Gutes fürs Klima zu tun?

Nur etwas für Leute mit viel Geld in der Tasche

Jörg Weber, der für das Online-Magazin „Ecoreporter“ über nachhaltige Geldanlagen schreibt, äußerst im Deutschlandfunk Zweifel – und fordert mehr Klarheit. „Was genau zum Beispiel an Klimaeffekt dahinter stecken muss, welche Abgase erlaubt sind oder welche nicht, das ist alles noch nicht von der EU bindend vorgeschrieben.“

Und Weber sieht noch ein Problem. Kleinanleger kommen bei Green Bonds nicht zum Zuge. „Das ist nur etwas für Leute mit viel Geld in der Tasche. Meistens muss man eine halbe Million oder eine Million Euro mitbringen, um da überhaupt einsteigen zu können.“

Mehr: Financial Times