Zukunftsängste
Klimakrise: Zukunftsängste plagen die globale Jugend

Wenige Tage vor dem globalen Klimastreik enthüllt eine weltweite Studie: Fast 60 Prozent der 16- bis 25-Jährigen leiden unter massiven Zukunftsängsten wegen der Erderhitzung. Sie werfen der Politik und den Älteren Verrat und Untätigkeit vor.

Klimastreik gegen Erderhitzung Die Jugend fühlt sich betrogen Foto: Pixabay

Für den 23. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl, rufen Umweltaktivisten wie Fridays for Future rund um den Globus zum Klimastreik auf. Die Organisatoren rechnen vor allem mit der Unterstützung junger Menschen, denen ein zerstörter Planet jede Zukunft rauben würde. Tatsächlich schlägt der Temperaturanstieg einer Mehrheit der Jugend gewaltig aufs Gemüt, wie eine Umfrage der federführenden Universität im englischen Bath für das Kampagnennetzwerk Avaaz zeigt.

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Die Gefühle der Jüngeren nicht pathologisieren

Die Ängste sind erschreckend. 56 Prozent der Befragten sehen „die Welt dem Untergang geweiht“. Fast die Hälfte meint, die Klimakrise beeinträchtige heute schon ihr tägliches Leben.

Übertriebene Sorgen einer empfindsamen Jugend? Die Studienautorin Caroline Hickman weist eine solche Interpretation zurück. „Statt die Gefühle der jungen Menschen zu pathologisieren, sollten die Regierungen die Erkenntnisse der Wissenschaft endlich ernst nehmen“, fordert sie. Denn die Befürchtungen seien berechtigt.

Statt zu handeln spielen Regierungen auf Zeit

So veröffentlichte Unicef, das Kinderhilfswerk der UN, jüngst eine Studie, der zufolge Fluten, Stürme, Hunger und Krankheiten das Leben einer Milliarde Kinder gefährden. Eine Gruppe internationaler Forschender nennt im Fachmagazin „The Lancet“ weitere sich verschärfende Risiken. Beispiel Hitze: Sie lässt die Ernten und Wasservorräte weltweit schrumpfen, zerstört wertvolle Naturräume, befördert Allergien und die Ausbreitung tropischer Krankheiten wie Malaria.

Doch statt entschieden gegenzusteuern, spielen die Regierungen auf Zeit, die wir aber nicht mehr haben. Weshalb der Weltklimarat kaum noch Chancen sieht, die Erderwärmung auf die im Pariser Klimaschutzabkommen als gerade noch als erträglich definierte Marke von1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Selbst zwei Prozent seien kaum mehr einzuhalten.

Vier von zehn Jugendlichen wollen keine Kinder in die Welt setzen

Die Unfähigkeit der Politik zum Handeln verstärke die „Ökoängste“ noch, sagt Hickman. „Die Jugend fühlt sich von der Politik aufgegeben und betrogen.“ Zugleich betont die Forscherin, die Studie würde nicht nur Gefühle ermitteln, sondern auch konkret, was die Jüngeren denken. „Vier von zehn Befragten zögern, Kinder in die Welt zu setzen.“ Der Geburtenstreik zeige, wie tief die Verzweiflung sitze.

Auch viele Jüngere frönen dem Massenkonsum

Doch die Jugendlichen sind nicht nur Opfer untätiger Politiker und der älteren Generationen. Sondern sie treiben den Klimawandel an vielen Stellen durch ihr Verhalten selbst voran. Darauf weist Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, im am Freitag auf Greenspotting erscheindenden großen Interview zur Bundestagswahl hin.

„Leider gibt es neben den Problembewussten einen großen Kreis derjenigen, die weiter kritiklos dem Massenkonsum frönen“, kritisiert er. Als ein Beispiel nennt er den ungehemmten Kauf billiger Wegwerf-Mode. Die Jugendlichen müssten verstehen, fordert er sie auf, dass sie auch eine eigene Verantwortung tragen.

Mehr: BBC

Von Dieter Dürand