E-Fuels
E-Fuels: Porsche baut Pilotanlage in Chile

Als Ergänzung zur E-Mobilität setzt die VW-Tochter auf synthetische Kraftstoffe, E-Fuels genannt. Mit Siemens Energy errichtet Porsche jetzt in Patagonien eine erste Anlage – und prüft zugleich Standorte für eine Batteriezellen-Produktion.

„Haru Oni“-Wasserstoff-Projekt in Punta Arenas (Animation) Produktionskapazität von 550 Millionen Liter E-Fuels angepeilt
Foto: Siemens Energy

Getreu dem Motto: „Auf zwei Beinen steht es sich besser“ setzt der Stuttgarter Sportwagen- und SUV-Bauer nicht allein auf elektrische Antriebe. Zu gerne würde er weiter seine Verbrennungsmotoren im Geschäft halten. Nur dass diese statt schmutzigen Diesel weitgehend klimanneutrale synthetische Kraftstoffe in ihren Zylindern zünden.

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Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner verspricht Großes: „Mit E-Fuels lassen sich zukünftig bis zu 90 Prozent der fossilen CO2-Emissionen im Verbrenner reduzieren.“

Klimaschützer uneins über die Sinnhaftigkeit von Methanol

Doch zu welchem Preis? Eine Studie der Berliner Denkfabrik Agora kommt zu dem Schluss, dass bei der Herstellung der E-Fuels 87 Prozent des eingesetzten Stroms durch Umwandlungsverluste verloren gehen. Dagegen steige der Wirkungsgrad auf 69 Prozent, wenn grüner Strom direkt in die Akkus von E-Autos fließt.

Steiner lassen solche Bedenken kalt. Und findet für diese Haltung prominente Unterstützung vom langjährigen Ko-Präsidenten des Club of Rome, Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er sieht im zu Methanol veredelten Wasserstoff die Chance, Milliarden Verbrennungsmotoren auf der Welt in relativ kurzer Zeit auf weitgehende Klimaneutralität umzurüsten. „Leider kommt Methanol in der deutschen Diskussion über Klima und Verkehr kaum vor“, kritisiert der Chemiker.

Sauberer Sprit für den legendären Sportwagen 911

Porsche macht ernst. Nördlich von Punta Arenas im chilenischen Patagonien wollen die Schwaben mit Siemens und anderern Partnern vornehmlich aus der Mineralölindustrie nachweisen, dass synthetische Kraftstoffe sehr wohl eine Zukunft haben.

Nachdem der erste Spatenstich getan ist, soll die Anlage „Haru Oni“, so der Projektname, schon im nächsten Jahr die ersten 130 000 Liter destillieren. Bis 2026 soll die Kapazität auf jährlich 550 Millionen LIter anwachsen. Zunächst wollen die Schwaben das Zündgemisch für den seit 1963 gebauten legendären Sportwagen 911 reservieren.

Chile will zum weltweit preisgünstigsten Wasserstoffproduzenten aufsteigen

Technisch gesehen zerlegt die Siemens-Anlage Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile Wasser- und Sauerstoff. Die Energie für den Spaltprozess liefern örtliche Windräder. Mit aus der Luft herausgefiltertem CO2 wird der Wasserstoff in flüssiges Methanol verwandelt, dem Basisstoff für E-Fuels.

Die Wahl des Standorts fiel nicht zufällig auf Chile. Die Regierung in Santiago hat das ehrgeizige Ziel ausgegeben, das Land bis 2030 mit einer Elektrolyseur-Kapazität von 25 000 Megawatt zum weltweit führenden und preisgünstigsten Wasserstoffproduzenten und dessen Derivaten zu machen.

Fabrik für Hochleistungs-Batteriezellen in Planung

Parallel zu seiner Wasserstoff-Offensive treibt Porsche seine Batterie-Roadmap voran. Derzeit prüfen die Manager mehrere Standorte im baden-württembergischen Stammland auf ihre Eignung für eine Hochleistungs-Batteriezellen-Fabrik. Neben Tübingen sind Gärtringen im Landkreis Böblingen und ein Ort nahe Heilbronn in der engeren Auswahl. Das Werk soll eine Kapazität von 100 Megawattstunden im Jahr erreichen.

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