UN-Agenturen
Agrarförderungen schaden Kleinbauern und der Umwelt

Gleich drei Organisationen der UN haben ein vernichtendes Urteil über die weltweiten Agrarhilfen gefällt. Der gemeinsame Bericht erschien punktgenau vor dem morgen startenden Gipfel der Vereinten Nationen über Ernährungssysteme. Seine Botschaft: Jahr für Jahr werden Milliarden Dollar nicht nur verschwendet – die Subventionen sind auch noch schädlich.

Reisbauer auf Bali Förderungen benachteiligen Kleinlandwirte (kolibri5/Pixabay)

Nach Berechnungen der UN-Agenturen summieren sich die Agrarpakete weltweit auf 540 Milliarden Dollar (457 Milliarden Euro) jährlich. Das entspricht etwa 15 Prozent des Umsatzes der globalen Landwirtschaftsbranche. Bis zum Jahre 2030 könnten sich, so die Einschätzung der drei Organisationen, die Zuschüsse sogar noch verdreifachen. Schlimmer noch: 87 Prozent der Beihilfen haben, so der Bericht, schädliche Auswirkungen. Sie benachteiligen Kleinbauern, fördern umweltschädliche Anbaumethoden oder begünstigen Monokulturen zu Lasten einer nachhaltigen Lebensmittelvielfalt.

Als Beispiel führen die Autoren den Senegal an. Dank der Subventionen waren im Jahre 2008 etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in dem westafrikanischen Land Erdnusskulturen vorbehalten. Dieser weitgehende Verzicht auf Anbau von Feldfrüchten zur Selbsternährung führte in den Jahren 2007 und 2008 zu Hungerunruhen. Erst dann lenkte die Regierung ein und startete ein Programm für den Reisanbau. Allerdings hatte die Monokultur die Böden schon geschädigt. Agrarexperten versuchen nun, durch Fruchtvielfalt die Bodenqualität wieder anzuheben.

Unlautere Konkurrenz und Benachteiligung der Kleinbauern

Der Bericht mit dem Titel “Eine Chance im Wert von mehreren Milliarden Dollar” wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganistation (FAO), dem Umweltprogramm (UNEP) und dem Entwicklungsprogramm (UNDP) der Vereinten Nationen gemeinsam herausgegeben. Im Vorwort stellt der Generaldirektor der FAO, Qu Dongyu, klar, die Untersuchung sei “eine Warnung an die Regierungen, ihre Programme für Agrarhilfen zu reformieren”.

Vor allem in Ländern mit mittlerem Pro-Kopf-Produkt seien Preisverzerrungen immer häufiger die Folge der Subventionen, heißt es in dem Bericht. In armen Regionen hingegen werde die Landwirtschaft oft systematisch benachteiligt, um niedrige Preise für die Verbraucher zu sichern. Und in den meisten Ländern werden jene Lebensmittel am stärksten bezuschusst, deren Herstellung die meisten Ressourcen benötigt: Milch, Fleisch, Reis und Zucker. Allein die Milch- und die Fleischerzeugung stünden für 14,5 Prozent der Treibhausgase weltweit.

Änderungen kaum möglich, weil zu viele Nutznießer

Prägend für die Subventionen sei die Ausrichtung an nur zwei Kategorien: Einkommen und Produktivität. Hier müssten nach Meinung der Autoren weitere Indikatoren wie Klima, Nachhaltigkeit, biologische Vielfalt oder Entwicklung einbezogen werden. Die Agenturen sind keineswegs für die Abschaffung der Agrarhilfen: “Die schrittweise Abschaffung der schädlichsten Subventionen Unterstützung ist wesentlich. Sie wird aber keine Früchte tragen, wenn diese Mittel nicht umgelenkt werden zur Bereitstellung von öffentlichen Gütern und Dienstleistungen für die Landwirtschaft.”

Die Autoren glauben allerdings nicht, dass ihre Vorschläge befolgt werden. Es gäbe zu viele Nutznießer, die an einer Beibehaltung des Status quo interessiert seien. Der Bericht nennt als Beispiel die Neuerungen in der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union, die ab 2023 in Kraft treten. Weiterhin würden die Beihilfen pro Hektar vergeben und nicht auf der Basis von Leistungen für die Umwelt.

Mehr: Le Monde