Elektroschrott
Apple mosert an Kabelsalat-Vorstoß der EU-Kommission herum

Die Europäische Kommission will Ladegeräte für Smartphones vereinheitlichen. Die Verbraucher in Europa sollen dadurch 250 Millionen Euro jährlich einsparen. Fast ein Zehntel des Schrotts an Ladekabeln und Netzgräten könnte durch die Initiative vermieden werden. Apple, einer der wenigen Konzerne mit eigener Steckernorm, findet die Initiative gar nicht gut.

USB-C-Anschluss Es soll nur einen geben (tomekwalecki/Pixabay)

Wer kennt das nicht? Das Ladekabel ist zu Hause geblieben. Dem Handy geht der Saft aus. Doch Kollegen oder Freunde können nicht aushelfen, weil ihre Kabel nicht passen. Die EU-Kommission will dem ein Ende bereiten. In Zukunft soll es nur noch einen geben. Kopfhörer, Mobiltelefone, Tablets, Lautsprecher und ähnliche Elektronikgeräte sollen nur noch mit Ladekabeln zu laden sein, die über einen USB-C-Anschluss (siehe Bild) verfügen. Zusätzlich will Brüssel den erzwungenen Miterwerb von Netzteilen beim Handy-Neukauf unterbinden. In der EU werden jährlich rund 420 Millionen Mobilgeräte verkauft. Die Kommission geht davon aus, das ungenutzte und entsorgte Ladeeinrichtungen jährlich für 11 000 Tonnen Elektroschrott verantwortlich sind.

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Der Vorstoß ist nicht die erste Initiative der EU auf diesem Feld. Im Jahr 2009 sorgte die Kommission per Erlass dafür, dass die Bürger nur noch mit drei Normsteckern statt wie bis dahin mit 30 verschiedenen Anschlüssen zu kämpfen hatten. Das Geschrei der Konzerne war seinerzeit groß. Die Dankbarkeit der Verbraucher ebenso. Dennoch verfügt auch heute noch jeder EU-Bürger über drei Ladeeinrichtungen.

Kampf gegen Elektroschrott Konzerne und Verbände stellen sich quer (Grafik: Anna Cavazzini)

Wie 2009 hatte die EU viel zu lange auf Freiwilligkeit gesetzt. Die Grüne EU-Abgeordnete Anna Cavazzini sagte dazu der Stuttgarter Zeitung: „Endlich setzt sich die Kommission gegen Apple und Co durch. Auf die Freiwilligkeit der Hersteller zu setzen, hat sich nicht bewährt.“ Apple hingegen kritisiert die geplante Regelung als innovationsfeindlich. Die Abfallmenge würde sogar steigen, behauptet der kalifornische Technikgigant, wenn die vorhandenen Ladegeräte nicht mehr verkauft werden dürften. Wohlweislich verschweigt Apple dabei, dass dieser Effekt nur kurzfristig auftreten dürfte und das auch nur, wenn sich die Hersteller trotz hinreichender Vorlaufzeit nicht auf Umstellung vorbereiten.

Apple ist sauer

Apple ist einer der wenigen Konzerne, die über eine eigene Steckernorm verfügen. Fast alle sonstigen Anbieter nutzen heute den USB-C-Anschluss oder sind dabei, sich auf diese – vor kurzem eingeführte – Norm umzustellen. Dennoch stellt sich Apple als ökologischer Leuchtturm dar: „Einige der innovativsten Ideen bei Apple zielen darauf ab, Produkte aus recycelten und erneuerbaren Materialien herzustellen. Wir teilen das Engagement der Europäischen Kommission für den Umweltschutz und sind bereits für alle unsere Unternehmensemissionen weltweit klimaneutral, und bis 2030 wird jedes einzelne Apple-Gerät und dessen Nutzung klimaneutral sein.“ Apple war – so muss erwähnt werden – einer der ersten Hersteller, der Handys ohne beigefügte Netzteile anbot.

Auch der Verband der deutschen IT-Branche Bitkom bemäkelte die Initiative. Ebenso wie Apple befürchtet Bitkom eine zusätzliche Welle an Elektroschrott bei der Umstellung. Zusätzlich wies der Verband darauf hin, dass viele Elektronikgeräte bereits drahtlos geladen würden. Mit der Festlegung auf eine Norm würden überdies Neuerungen erschwert. Bei seiner kritischen Replik sparte Bitkom-Chef Bernhard Rohleder die eigene Branche jedoch nicht aus. Die Hersteller seien in der Pflicht, den Energieverbrauch der Geräte zu senken und ihre Haltbarkeit zu erhöhen.

Mehr: Stuttgarter Zeitung