Stadtentwicklung
Initiative schwört auf grüne Stadtentwicklung

Ressourcenschonung, Recycling, Müllvermeidung, CO2-armer öffentlicher Verkehr, saubere Energien – Metropolen des globalen Südens gehen eigene Wege in der Stadtentwicklung, um ihren ökologischen Fußabdruck drastisch zu senken.

Indonesische Hauptstadt Jakarta Grüne Infrastruktur gegen Umweltverschmutzung Foto: iqbal nuril anwar auf Pixabay

Die Zahl spricht eine unmissverständliche Sprache: 70 Prozent der jährlichen Klimabelastung mit neuen Treibhausgasen geht auf das Konto der Städte rund um den Erdball. Dort leben mittlerweile drei von fünf Erdenbürger. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Die urbanen Zentren müssen ihren CO2-Ausstoß drastisch senken. Sonst wir es nichts mit dem Erhalt der Menschheit.

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Auf die Südhalbkugel kommt es an

Bisher investiert vor allem der reiche Norden in den grünen Umbau seiner urbanen Zentren. Doch seine Pläne allein können es nicht richten. Denn 90 Prozent des Zustroms an Menschen in die Metropolen geschieht in Asien und Afrika. Dort sind die Neuankömmlich aber schon froh, wenn sie überhaupt eine Behausung finden. Wie gut sie gedämmt ist, spielt keine Rolle. Und statt Elektroautos und sauberen Straßenbahnen transportieren stinkende Uralt-Kleinbusse die Bewohner zu ihren Zielen.

Somit ist klar: Das Wohlergehen des Klimas hängt davon ab, dass die Städte auf der Südhalbkugel die Trendwende mitmachen.

Hoffen auf einen Schneeballeffekt

Die Verantwortlichen für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, kurz UNEP, wollen mit der jetzt gestarteten Initiative „Urban Shift“ den Wandel forcieren, unterstützt von der Weltbank. In 23 Ländern – von Brasilien über Indien, Indonesien und Costa Rica bis nach Marokko und Ruanda – wird das Programm ausgerollt. Welche Summen fließen werden, ist noch unklar.

Ziel: 130 Millionen Tonnen Treibhausgase weniger

Die Ambitionen sind hingegen groß, wie Aniruddha Dasgupta formuliert, Präsident des ebenfalls involvierten Welt Ressourcen Instituts: „Wir suchen sofort eine Gesamtlösung für die Probleme. Nicht erst für den Verkehr, dann die Infrastruktur und schließlich die Energieversorgung.“ Und diese Lösungen sollen weitere Städte zu eigenen Anstrengungen anspornen, betont UNEP-Direktor Inger Andersen und so einen Schneeballeffekt auslösen.

Das Ziel: Urban Shift soll dem Globus jährlich die Belastung mit weiteren 130 Millionen Tonnen Treibhausgasen ersparen. Zudem eine Million Hektar Land der Natur zurück geben und das Leben von 58 Millionen Menschen in den 23 Städten verbessern.

Vom Schmutzfink zum Klimaretter

Dass dies keine Hirngespinste sind und die Metropolen sich tatsächlich vom Schmutzfinken zum Klimaretter häuten können, zeigt ein jüngster Report eines internationalen Zusammenschlusses von Forschern zur Entwicklung nachhaltiger Stadtstrukturen. Die grüne Ertüchtigung würde überdies Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen, stellen die Experten in Aussicht.

Die Macher von Urban Shift setzen bei Planung und Realisierung der „Green Cities“ stark auf den Einsatz moderner Computer- und Informationssysteme. Kommt es so, ist es gut möglich, dass sich hiesige Stadtentwickler in Jakarta oder Rio de Janeiro schon bald etwas abschauen können.

Digitales Desaster in Deutschland erschwert grüne Transformation

Denn zwischen Nordsee und Alpen tritt die Digitalisierung der Kommunen immer noch ziemlich auf der Stelle. Zu diesem trüben Fazit kommt eine gerade veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens Haselhorst Associates Consulting aus dem bayrischen Starnberg. Selbst die zehn Bestplazierten – an der Spitze München, Hamburg und Köln -, erreichen nicht einmal die Hälfte der möglichen Punktzahl beim Digitalisierungsgrad (siehe Tabelle unten).

Beschämende Bilanz Deutschland tritt bei der Digitalisierung auf der Stelle
Quelle: Haselhorst Associates Consulting

Ein niederschmetternder Befund – auch im Sinne der Nachhaltigkeit, findet Haselhorst-Partner Jürgen Germies. Nur eine ausgearbeitete Gesamtstrategie für den Erfolg der digitale Transformation ermögliche es, alle relevanten Bereiche einer Stadt effizient miteinander zu verknüpfen, sagt der Berater. „Und die in Summe gesetzten Klimaziele tatsächlich zu erreichen.“ Mutige Vorreiter? Fehlanzeige.

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Von Dieter Dürand