Kampf gegen Plastikflut
dm nimmt Shampooflaschen zurück

In einem Pilotprojekt sammelt die Drogeriekette Shampooflaschen und andere Kunststoffbehältnisse. Sie will daraus Material für neue Verpackungen gewinnen.

Sammelbehälter für Kunststoffflaschen
Sammelbehälter für Plastikflaschen Rohstoff für neue Verpackungen Bild: dm/Nora Lammers

Das dm-Management hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Schon in vier Jahren sollen 90 Prozent der Plastikverpackungen seiner Produkte – außer bei Lebensmitteln – zu mindestens der Hälfte aus aufbereitetem Altkunststoff bestehen. Er wird im Fachjargon Rezyklat genannt. Um zu testen, ob ein eigenes Sammelsystem hilft, an genügend und möglichst sortenreine Mengen zu kommen, stellt der Händler in 150 Läden rund um München und seinem Firmensitz Karlsruhe Einwerfboxen für die Kunden auf. Vorerst für ein Jahr.

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Pfand gibt es nicht

Die umsatzstärkste deutsche Drogeriekette geht mit der Initiative einen etwas anderen Weg als zum Beispiel Aldi und LIdl. Die Discounter streben zwar ebenfalls höhere Recyclinganteile in ihren Folien, Hüllen und Saftkartons an, planen aber bisher keine eigenen Rücknahmesysteme. Stattdessen kooperieren sie mit Recyclingunternehmen, die das Plastik vom Grünen Punkt kaufen.

Die Karlsruher wollen herausfinden, ob es Einkaufskosten spart und die Qualität der Rezyklate steigt, wenn sie den Aufbereitern den Müll selbst bereit stellen. Und zudem testen sie, in welchem Umfang die Kunden die Flaschen zurücktragen, obwohl der Anreiz eines Pfands fehlt.

Mikroplastik verseucht Böden und Ozeane

Für Kerstin Erbe, in der Geschäftsführung fürs Produktmanagement zuständig, ist das Pilotprojekt Teil der Bestrebung, beim Verpackungsmaterial eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Drei Ziele hat sie im Blick: „Wir möchten so wenig Material wie nötig, so viel Recyclingmaterial wie möglich und zudem maximal recyclingfähige Verpackungen einsetzen.“

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, die Plastikflut einzudämmen, ist unstrittig. Für Deutschland ermittelten Umweltforscher erst kürzlich, dass hiesige Äcker und Weiden bereits stärker mit Kunststoffen verseucht sind als sämtliche Ozeane. Unrückholbar. In den Weltmeeren selbst schwimmen nach Schätzungen inzwischen 250 000 Tonnen Plastikmüll – mindestens.

Verbot von Trinkhalmen und To-Go-Bechern

Kein Zipfel unseres Planeten ist noch jungfräulich. Selbst im ewigen Eis des höchsten Bergs der Welt, dem Mount Everest, findet sich Mikroplastik. Der massenhafte Verkauf von Billigmode aus Synthetikfasern trägt kräftig zur weltweiten Verbreitung bei. Mit dem Anfang Juli in Kraft getretenen Verbot vieler Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme und To-Go-Becher will die EU-Kommission der Verpestung der Umwelt nun zumindest ein wenig entgegen steuern.

Wie nachhaltig solche Aktionen wie auch der Vorstoß von dm wirklich sind, wird durchaus kritisch bewertet. Etwa von Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Zwar halbierten Verpackungen aus 100prozentigem Rezyklat die CO2-Belastung. Doch um den Rohstoff herzustellen, müssten jede Menge Wasser, Energie und Chemie eingesetzt werden. Hinzu kämen Materialverluste, gibt er zu bedenken. „Rezyklat verringert die Umweltbelastung, macht aber eine dickwandige Plastikflasche nicht ökologisch.“ Die bessere Alternative seien wiederverwendbare Nachfüllbeutel.

Showprodukte mit Greenwashing-Effekt

Und ganz uneigennützig handle die Drogeriekette ohnehin nicht. Fischer: „Die Kunden schenken ihr einen Wertstoff, den sie sonst teuer einkaufen müsste.“

Unter dem Strich fällt die Umweltorganisation ein harsches Gesamturteil über Einweg-Plastikflaschen aus 100prozentigem Rezyklat. Sie seien Showprodukte, die einen geschlossenen Materialkreislauf nur vortäuschen würden. Greenwashing eben.

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Von Dieter Dürand