Warnruf
Deutsche Energie-Agentur fordert Politiker zu mehr Klimawende auf

Ein „Weiter so“ geht nicht. Das ist die Zentralaussage des neu vorgestellten Notfallplans der Agentur. Die Leitstudie zeigt, wie Deutschland bis 2045 klimaneutral werden kann. Die Aufgaben sind machbar. Aber die Herausforderungen sind gewaltig.

Braunkohleabbau im Rheinland Der Umbau zur Klimaneutralität ist machbar, aber schwierig (Foto: www.ceus-design.de)

An der Erstellung haben über zehn wissenschaftliche Institute und mehr als 75 Wirtschaftsvertreter anderthalb Jahre gearbeitet. Die Studie der Deutsche Energie-Agentur (Dena) identifizierte 84 Aufgabenfelder. Jedes davon sei bis 2045 machbar, betonte Dena-Chef Andreas Kuhlmann. Man müsse sich allerdings beeilen: „Die konkreten (…) Jahresziele für die unmittelbar vor uns liegenden Jahre werden allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht erreicht. Zuviel ist liegen geblieben in den vergangenen Jahren. Dessen sollte sich die neue Bundesregierung unbedingt bewusst sein.“ Den Sondierungsteams für die künftige Regierungskoalition empfahl Kuhlmann laut Handelsblatt: „Schnell fertigwerden, schnell mitmischen.“

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Vier Säulen

für Klimaneutralität machten die Dena-Forscher aus. In der

  • Energieversorgung müssten sich die Strommengen aus nachhaltigen Quellen bis 2030 verdoppeln. Kohle werde dann kaum mehr eine Rolle spielen. Die Erdgaserzeugung nähme aber stark zu. Es komme jedoch darauf an, dass die Gaskraftwerke wasserstofffähig oder umrüstbar seien. Die
  • Industrie müsse vor allem in der Stahlproduktion sich von der Kohle durch neue wasserstoffbasierte Techniken unabhängig machen. Darüber hinaus müsse aber jedes Unternehmen eine transparente Treibhausgasbilanz über die gesamte Wertschöpfungskette erstellen. Wichtig sei die angemessene C02-Bepreisung. Der Umbau führe zwangläufig zu einer erheblichen Erhöhung des Strombedarfs. Die größten Treibhausgas-Einsparungen müsste allerdings der
  • Verkehr leisten. Schon bis 2030 müsse der Ausstoß um rund 48 Prozent sinken. Die stärkste Minderung sollte im Individual­verkehr erfolgen, gefolgt vom Lkw-Verkehr. Dabei wird im Personenverkehr ein Hochlauf der Elektro­mobilität auf 9,1 Millionen vollelektrische Fahrzeuge bis 2030 als notwendig erachtet. Wasserstoff wird nach Dena-Einschätzung dabei kaum eine Rolle spielen. Im
  • Gebäudebereich müssen die CO2-Emissionen allein bis 2030 um 44 Prozent sinken. Der Großteil der Minderungen kommt der Dena zufolge dabei aus Sanierungen an Gebäudehüllen und technischen Anlagen. Der Einsatz von Wärmepumpen und der Ausbau der Anschlüsse an Wärmenetze sollte massiv vorangetrieben werden. Auch der Einsatz von klimaneutralen Brennstoffen muss sich schon bis 2030 mehr als verdreifachen, von heute 9 auf dann 32 Terawattstunden (TWh). Bis 2045 muss dann eine weitere Vervierfachung auf 120 TWh folgen.
*TGH = Treibhausgas

‘Weiter so‘ sei keine Option, sagte Kuhlmann bei der Vorstellung des Berichtes. „Energiewende und Klimapolitik müssen besser organisiert, das historische Klein-Klein der vergangenen Jahre überwunden werden. Es bedarf einer grundlegenden Veränderung der Herangehensweise an diese Jahrhundertaufgabe.“ Isolierte Maßnahmen reichten nicht mehr aus. Die einzelnen Schritte müssten verknüpft werden. Dabei spiele der CO2-Preis mit einer stärkeren Lenkungswirkung eine zentrale Rolle.

Mehr: Dena-Leitstudie