Energiewende
Warum sich der Kauf einer Solarstromanlage kaum mehr lohnt

Das Öko-Institut schlägt Alarm. Ändert Berlin die Förderregeln nicht umgehend, werden Mitte des Jahres selbst Solarstromanlagen zum Eigenverbrauch unwirtschaftlich. Der notwendige massive Photovoltaik-Ausbau gerät in Gefahr.

Verschenkter Platz Förderregeln behindern Solarstrom-Ausbau Foto: P-association auf Pixabay

Die Experten, auch der künftigen Ampelkoalition, sind sich einig: Will Deutschland seine Klimaziele erreichen, müssen Photovoltaik (PV) und Windkraft bis 2030 als Ersatz für abgeschaltete Atom- und Kohlemeiler mindestens doppelt so viel Strom erzeugen als heute.

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Vergütung für Solarstromanlagen sinkt schneller als die Kosten

Doch die derzeitig gültigen Förderrichtlinien des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) torpedieren den notwendige Kapazitätszuwachs, statt ihn zu beschleunigen, warnt die Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamts.

Solarstromanlagen, die ihre Erträge komplett in die Verteilnetze einspeisen, sind wegen der geringen Vergütung schon jetzt nicht mehr rentabel, analysieren die Experten. Anlagen, bei denen die Betreiber einen Teil der Kilowattstunden (kWh) selbst verbrauchen, statt sie teuer beim Stromanbieter einzukaufen, fallen Mitte des nächsten Jahres unter die Wirtschaftlichkeitsschwelle. Sofern sich die Regeln nicht ändern.

Kapazität auf den Dächern wird verschenkt

Grund für die Entwicklung sei, dass die EEG-Vergütung seit geraumer Zeit um jährlich durchschnittlich 15 Prozent sinke – die Kosten für die Anschaffung eines Dachkraftwerks jedoch lediglich um zwei Prozent. Um einen finanziellen Anreiz für den Bau von Solaranlagen ohne Eigenverbrauchsmöglichkeit zu schaffen, müsste der Vergütungssatz um etwa fünf Cent pro Kilowattstunde angehoben werden, fordern die Fachleute.

Die gegenwärtige Regelung führe überdies dazu, dass Käufer die Größe der Anlage auf den Eigenverbrauch hin optimierten, kritisieren sie weiter. Tendenziell trage das dazu bei, dass der Platz auf den Dächern nicht komplett ausgenutzt werde. Die Käufer griffen zu kleineren Anlagen mit im Verhältnis höheren Kosten. Kapazität wird so verschenkt.

Freiwilliger Beitrag zur Klimarettung

Neben dem Aufschlag für Volleinspeise-Anlagen geben die Öko-Institut-Experten der Politik eine weitere Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Die EEG-Vergütungssätze sollten erst sinken, wenn der jährliche Zubau die 1000-Megawatt-Marke überschreite. Derzeit greift die Degression schon bei 400 MW. Würden zu wenig neue Solarzellen installiert, müssten die Vergütung sogar angehoben werden können.

An Hausbesitzer und Solar-Installateure appelliert das Institut, das vorhandene Dachpotential auszuschöpfen und dafür eventuell eine etwas geringere Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage in Kauf zu nehmen. Quasi als freiwilliger Beitrag zur Energiewende und Klimarettung.

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