Energie
Ausbau der Windkraft an Land geht nach Pause wieder voran

Der Zubau von Windrädern hat in diesem Jahr stärker als erwartet zugelegt. In den ersten neun Monaten des Jahres gingen 341 Anlagen mit insgesamt 1,4 Gigawatt ans Netz. Das ist verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ein Plus von über 50 Prozent. Reicht das?

Windanlage im Rheinland Es geht wieder aufwärts mit der Windkraft (Foto: www.ceus-design.de)

Jedoch war der Ausbau in Deutschland während der Vorjahren stark zurück gegangen. Der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, hofft für dieses Jahr die Marke von zwei Gigawatt zu erreichen. Zum Vergleich: In den Jahren 2014 bis 2017 lag der Zubau an Land im Durchschnitt bei über vier Gigawatt.

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Immerhin ging in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr Kapazität ans Netz als im gesamten Vorjahr. Doch selbst wenn die Zielmarke von zwei Gigawatt erreicht werden sollte, läge der Wert weit unter den Vorgaben für die Energiewende in Deutschland. Einer Berechnung des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge müssten in Deutschland bis 2030 etwa 105 Gigawatt an an Land installiert sein, wenn das Klimaziel eingehalten werden soll. Bislang sind jedoch erst 55 Gigawatt installierte Leistung verbaut. Um in den kommenden acht Jahren das Ziel zu erreichen, wäre ein jährlicher Zubau von vier bis sieben Gigawatt erforderlich.

Ausbau der Windenergie 2011- 2020
Infografik “Ausbau der Windenergie 2011- 2020” von STROM-REPORT.de

Vor allem die mangelnde Ausweisung von Bauflächen gefährdet laut Albers den Ausbau. Es sei unerlässlich, dass “die neue Bundesregierung hier eine klare Prämisse setzt. Zwei Prozent in jedem Bundesland muss zur Pflicht werden”. Wenn nicht, könne es zu Stromengpässen im den kommenden Jahren kommen. Das gelte vor allem für den Süden Deutschlands. Schön für Albers: Die Zwei-Prozent-Forderung entspricht den im Sondierungspapier genannten Zielen der Ampel-Koalitionäre.

Bayern hinkt hinterher

Schwierig ist die Ausbausituation in den Südstaaten. Während in Brandenburg 76, in Niedersachsen 71, in Nordrhein-Westfalen 50 und in Schleswig-Holstein 41 Windkraftanlagen errichtet wurden, entstanden im flächenmäßig größten Bundesland Bayern nur acht neue Anlagen. Grund für den schleppenden Ausbau ist die sogenannte 10H-Regel. Danach müssen die Windräder mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von der nächsten bewohnten Haus entfernt sein. Diese Regelung hatte der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer im Jahr 2014 nach Protesten von Windkraftgegnern durchgesetzt.

Miese Stimmung in Bremerhaven

Noch schlechter als an Land sieht es auf dem Meer aus. Im laufenden Jahr wird zum ersten Mal seit zehn Jahren kein einziges Windrad in deutschen Seegebieten aufgestellt. 2014 hatte die Bundesregierung die Ausbauziele für Windenergie auf See herunter geschraubt. Die Politiker befürchteten, ein zügiger Ausbau würde zu viel kosten und die Strompreise hochtreiben. Inzwischen wurden die Vorgaben wieder nach oben geschoben. Bis 2030 sollen laut Klimaschutzprogramm der Bundesregierung 20 Gigawatt erreicht werden. Zehn Jahre später soll die Leistung sogar doppelt so hoch sein.

Doch hat das Hin und Her der Politik für Verunsicherung in der Offshore-Branche gesorgt. Große Firmen haben ihre Aktivitäten ins Ausland verlegt. Kleinere, regional verankerte Betriebe mussten allerdings teils Insolvenz anmelden oder kochen heute auf kleiner Flamme. Allein in Bremerhaven, einer Stadt mit extrem hoher Arbeitslosigkeit, gingen 3500 Jobs bei Offshore-Zulieferern verloren.

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