Luxus
Superreiche und Politiker flogen in 400 Privatjets nach Glasgow zur Klimakonferenz

Die Milliardäre dieser Welt und ihre miese CO2-Bilanz standen in Glasgow im Zentrum der Kritik. Das hielt sie und zahlreiche Politiker nicht ab, zu Hunderten per Privatjets zur COP26 anzureisen und dadurch den Klimawandel zu befördern.

Privatjets Allein in Glasgow soviel Ausstoß wie die jährlichen Emissionen von 1 600 Briten (Vali Greceanu/Pixabay)

Amazon-Gründer Jeff Bezos kam mit seiner 65-Millionen-Dollar-teuren Gulfstream. Auch Prinz Albert von Monaco soll im exklusiven Flieger gekommen sein – ebenso der britische Kronprinz Charles oder der Premierminster des Vereinigten Königreichs Boris Johnson. Laut der schottischen Tagezeitung Daily Record bliesen die insgesamt 400 Privatmaschinen, die zur GOP26 anflogen, 13 000 Tonnen CO2 in die Luft. Das entspricht der jährlichen Durchschnittsemission von 1 600 Schotten.

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Zu den Privatjets und Regierungsmaschinen gehörte Deutschlands Konrad Adenauer, Frankreichs Cotam 001, die kanadische Air Force VIP, die japanische Air Force One oder die Maschine gleichen Namens für US-Präsident Joe Biden. Matt Finch, politischer Sprecher der Umwelt-Initiative Transport and Environment sagte dazu der Daily Record: “Der durchschnittliche Privatjet – und ich spreche nicht von der Airforce One – stößt während einer Stunde Flug zwei Tonnen CO2 aus. Man kann es nicht genug betonen, wie schlimm Privatflüge für die Umwelt sind.” Finch nannte es Heuchelei, im Privatflugzeug in Glasgow anzureisen und gleichzeitig zum Kampf gegen den Klimawandel aufzurufen.

Luxury carbon in der Kritik

Ein Privatjet stößt im Schnitt zehnmal so viel Kohlendioxid pro Reisender aus wie ein ein normales Verkehrsflugzeug und 150-mal so viel wie ein Personenzug. Der Ausstoß von sogenanntem Luxury carbon war auf der Konferenz immer wieder Gegenstand heftiger Kritik. Oxfam hatte eine Untersuchung vorgestellt, nach der das reichste Prozent der Weltbevölkerung zum Jahr 2030 im Schnitt 70-mal mehr CO2 emittiert wie die ärmere Hälfte der Menschheit (Greenspotting berichtete). Dabei handelt es sich bei dem Topp-Prozent nicht um Milliardäre oder Multimillionäre. Mit einem hochgerechneten Durchschnittseinkommen von 172 000 Dollar repräsentiert diese Gruppe in den entwickelten Ländern den oberen Mittelstand.

Der Kohlenstoff-Fußabdruck der weltweiten Geldelite ist dagegen nach einer Studie von 2018 der amerikanischen Sozialforscher Richard Wilk und Beatriz Barros bis zu 34 000-mal größer als der Durchschnittsausstoß der ärmeren Menschheitshälfte. Die Ärmeren dieser Welt emittieren pro Jahr und Kopf nur etwa eine Tonne CO2. Spitzenreiter im Carbon-Ranking der Forscher waren der britisch-russische Milliardär Roman Abramowitsch mit fast 34 000 Tonnen CO2 pro Jahr, gefolgt von dem Filmproduzenten David Geffen mit über 18 000 Tonnen.

Jachten und Raumflüge

Milliardäre wie der ehemalige Google-Manager Eric Schmidt, Tesla-Gründer Elon Musk oder der ehemalige Bürgermeister von New York Michael Bloomberg hatten dagegen nur vergleichsweise kleine Fußabdrücke von rund 1 800 bis 3 100 Tonnen Kohlenstoff. Der Grund für nachgeordnete Platzierung in der Toppliste der Umweltsünder: Schmidt, Musk und Bloomberg gönnten sich zum Zeitpunkt der Untersuchung weder große Jachten noch Raumflüge.

Auch der vielgescholtene Bezos gehörte seinerzeit zu den ökologisch bescheidenen Milliardären. Das könnte sich inzwischen geändert haben, nicht nur wegen des Raumflugs im vergangenen Sommer. Der Amazon-Gründer soll sich Anfang des Jahres eine 500-Millionen-Dollar-Jacht zugelegt haben. Es sich handelt sich allerdings um eine Segeljacht. Sehr klimabewusst!

Mehr: Amazon Watchblog