Besser Ladesäulen aufstellen
Sachverständige gegen E-Auto-Prämie

Kaufprämien für E-Autos retten das Klima nicht und sollten wegfallen, meint die Wirtschaftsweise Veronika Grimm. Wirken würde stattdessen eine Verdopplung des CO2-Preises im Verkehr und bei der Wärmeerzeugung – von 25 auf 50 Euro je Tonne.

Wirtschaftsweise Grimm “Die EEG-Umlage streichen” Foto: Sachverständigenrat

Nach Auffassung der Volkswirtin, die an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg lehrt, muss die CO2-Bepreisung “das Leitinstrument beim Klimaschutz werden”. Das fordert sie in einem Interview mit dem Redakionsnetzwerk Deutschland. Würde zugleich die Stromsteuer gesenkt und die Umlage nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) ersatzlos gestrichen, würde das die Anreize, klimaneutral zu wirtschaften, massiv steigern. “Die Elektrifizierung im Verkehr, beim Heizen oder von Industrieanlagen wäre deutlich attraktiver”, urteilt Grimm.

Entlastung bei den Stromtarifen

Überdies fordert sie die EU auf, auch in den Bereichen Verkehr und Wärme schnellstmöglich einen echten Handel mit Verschmutzungs-Zertifikaten zu etablieren, wie er etwa beim Strom schon existiert.

Wird eine warme Wohnung und das eigene Auto für Einkommensschwächere damit unbezahlbar? Nein, sagt die Ökonomin. Kämen die Entlastungen bei den Stromtarifen, behielte eine vierköpfige Familie 300 bis 400 Euro im Jahr mehr in ihrer Haushaltskasse. Da seien die acht Eurocent verschmerzbar, die die vorgeschlagene Verdopplung des CO2-Preises auf 50 Euro je Tonne den Liter Sprit voraussichtlich verteuern würden.

Kritik an der Pendlerpauschale

“Man könnte eine Energiepreisreform so ausgestalten, dass sich netto eine Entlastung für untere und mittlere Einkommensgruppen ergibt”, stützt Grimm einen Vorschlag der Grünen in den Ampel-Verhandlungen.

Wenig hält die Wirtschaftsweise hingegen von der Pendlerpauschale unabhängig vom Einkommen. Sie verschaffe auch Großverdienern steuerliche Vorteile, belohne indes umweltschädliches Verhalten. Erst kürzlich präsentierte das Umweltbundesamt eine lange Liste umweltschädlicher staatlicher Subventionen. Eine Summe von 65,4 Milliarden Euro entdeckte die Behörde.

E-Prämie begünstigt nicht nur deutsche Autobauer

“Prämien für E-Autos braucht es ebenfalls nicht”, bekräftigt Grimm ihre schon im Frühjahr geäußerte Position. Zum einen würden sie nur dazu führen, dass Autokäufer ohnehin vorgesehene Anschaffungen vorzögen. Zum anderen profitierten davon “längst nicht nur deutsche Autobauer”.

Viel wirksamer sei es, argumentiert die Professorin, in den zügigen Aufbau einer bundesweiten Lade-Infrastruktur zu investieren. Das dünne Netz schreckt nach Umfragen potentielle Interessenten ab. Stromtankstellen an jeder Ecke würden “den Hochlauf der E-Mobilität besser beschleunigen”, ist sich Grimm sicher.

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