UN-Klimakonferenz Glasgow
Ticker Weltklimagipfel: Enttäuschung, Kampf mit Tränen – und Hoffnung nach verwässertem Schlusstext

Am Samstagabend endete die Klimakonferenz. Das Schlussdokument wird extrem unterschiedlich bewertet: Es reicht von “Bla, Bla, Bla” (Greta Thunberg) über “Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen” (UN-Generalsekretär Antonio Guterres) bis zu “Meilenstein” (Bundesumweltministerin Svenja Schulze). Hier die wichtigsten Beschlüsse, Streitpunkte und Meinungen der Tage von Glasgow zum Nachlesen in unserem Ticker.

Die Uhr läuft ab Es droht ein katastrophaler Anstieg der Erdtemperatur um 2,7 Grad Celsius

— Enttäuschung, Kampf mit Tränen – und Hoffnung nach verwässertem Schlusstext

Zuletzt gab es (beinahe) Tränen. Alok Sharma, britischer COP26-Präsident bat um Verzeihung als einige Staaten sich über die Verwässerungen des Schlusstextes beklagten. “Ich bitte um Entschuldigung für die Art und Weise, wie das gelaufen ist. Es tut mir leid.” Es sei ungemein wichtig, dass wir dieses Paket schützen, sagte er noch. Dann versagte ihm die Stimme. Um ihm Peinlichkeiten zu ersparen, spendeten die Delegierten in diesem Moment laut Beifall.

Sharma war in den Stunden zuvor zwischen der amerikanischen, europäischen, chinesischen und der indischen Delegation mehrfach hin und her geeilt und hatte versucht, den verwässerten Schlusstext verbindlicher zu fassen. Es ging dabei um die fossilen Brennstoffe, vor allem um Kohle. Begriffe wie “phase out” waren durch “phase down” ersetzt worden. Und statt der Forderung, die Förderung von Kohle generell zu stoppen, war nur die Rede von ineffizienter Förderung, die vermindert werden sollte. Zuletzt musste die Mehrheit der Länder die seichten Formulierungen akzeptieren.

Die Friday-for-Future-Aktivistin Greta Thunberg kennzeichnete das Abkommen auf Twitter als “Blah, blah, blah”. EU-Kommissar Frans Timmermanns bewertet das Papier hingegen trotz der Einschränkungen als “historisch”. Er sei zwar enttäuscht, aber es gäbe immerhin eine Forderung zum Kohlausstieg. Das sei ein Startsignal. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze sagte, die Konferenz habe eine deutliche Beschleunigung für den Klimaschutz bewirkt.

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— Noch kein Schlussdokument wegen des Widerstandes der Fossilstaaten

Einige Delegierte weigern sich das Dokument zu unterzeichnen. Sie wollen nicht, dass Öl, Kohle und Gas als Auslaufmodell definiert werden – entweder, weil ihre Länder am Verkauf der fossilen Energieträger verdienen oder weil die Länder als Verbraucher und Verbrenner mögliche Nachteile eines schnellen Umstieg fürchten. Vor allem Indien, China, Süd-Afrika und der Iran sträuben sich.

Kerry appelliert

Jetzt soll ein zweistündiges Plenum Klärung herbei führen. Die Konferenz sollte schon am Freitag zu Ende gehen. Der US-Klimabeauftragte John Kerry hatte am frühen Samstagabend noch einmal an alle Teilnehmer appelliert. Das Papier sei “ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung”.

US-Beauftragter in Sachen Klima John Kerry mit Enkelin (Foto: United Nations Photo/Flickr/CC BY-NC-ND 2.0)

Es gehe letztlich um Leben und Tod. Nicht jeder Mensch stehe wie die Delegierten in seinem Leben einmal vor der Frage, über Leben und Tod zu entscheiden. Werde das Schlussdokument verabschiedet, könnten die Delegierten ihren Kindern und Enkelkindern sagen, sie hätten im Kampf gegen den Klimawandel “ihren Job erledigt”.

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— Keine Einigkeit über Abschlussdokument

Die Glasgower Klimakonferenz wurde nicht wie geplant am Freitagabend abgeschossen. Streitpunkte waren die Subventionen für den Abbau und die Verbrennung von Kohle und die Entschädigungen für die ärmeren Nationen. Hinter den neuen verwässerten Formulierungen sollen Ölförderländer aus dem mittelern Osten, Russland und China stehen.

Hunderte von Delegierten besetzten gegen Abend kurzzeitig die Bühne. Danach verließen sie die Konferenzhallen und schlossen sich gewerkschaftlich orientierten Protestlern und Umweltaktivisten an, die durch die Straßen zogen und “power to the people” sangen. COP26-Vorsitzender Alok Sharma hofft, dass das Abschlusspapier trotz der Uneinigkeit am Sonnabend verabschiedet werden kann.

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— Textentwurf zum Kohleausstieg verwässert

Der neue Textentwurf zur Abschlusserklärung des Klimagipfels rückt von der ursprünglich deutlichen Forderung, nach der die Staaten den “Ausstieg aus der Kohle und aus Förderungen fossiler Energieträger beschleunigen” ab. Statt dessen heißt es in der jüngsten Fassung, dass der Ausbau sauberer Energien voran getrieben und die Abschaltung von Kohlekraftwerken beschleunigt werden soll. Nur unwirksame Unterstützungen für fossile Energieträger sollen beendet werden.

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— Schottland kritisiert Geiz

Nicola Sturgeon, Erste Ministerin (First Minister) von Schottland hat die reichen Länder des Nordens aufgefordert, in der Frage der Klima-Entschädigungen armer Länder umzudenken. Als einziges Land der Welt habe Schottland echte Entschädigungen zugesagt, sagte die schottische Regierungschefin. Schottland will die bisher zugesagten Summen noch erhöhen. Sturgeon betonte, dass es sich nicht um Almosen handele. Die reichen Länder sollten endlich ihre (Klima-)schulden bei den besonders betroffenen Staaten abzahlen.

Mit der Ankündigung setzt Sturgeon auch ein Zeichen für die Unabhängigkeit Schottlands. Das Land im Norden der britischen Hauptinsel nimmt nicht als eigenständiger Staat teil, sondern nur als Teil des Vereinigten Königreiches.

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— Abschied vom Verbrennungsmotor – und schon wieder bremst Deutschland

24 Staaten, sechs große Auto-Hersteller sowie einige Städte und Investoren wollen “darauf hinarbeiten, dass alle Verkäufe von neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind”. Das ist der neueste Beschluss der aktuellen Klimakonferenz im schottischen Glasgow. Die Autokonzerne sollen anstreben, spätestens 2035 in führenden Märkten nur noch emissionsfreie Autos und Vans zu verkaufen. Zu den beteiligten Unternehmen gehören der britischen Mitteilung zufolge Mercedes, Ford und General Motors – allerdings nicht Deutschland. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte am Mittwoch in Glasgow, Deutschland werde die Erklärung zu Null-Emissions-Autos “heute nicht unterzeichnen”. Das sei das Ergebnis der regierungsinternen Prüfung. In der Bundesregierung bestehe zwar Konsens, dass bis 2035 nur noch Null-Emissionsfahrzeuge zugelassen werden sollen. “Allerdings besteht nach wie vor keine Einigkeit zu einem Randaspekt der Erklärung, nämlich der Frage, ob aus erneuerbaren Energien gewonnene e-Fuels in Verbrennungsmotoren Teil der Lösung sein können.”

Fernbleiben Deutschlands wäre “megapeinlich”

Hinter der Absage steht der noch amtierende Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). “Der fossile Verbrenner wird 2035 auslaufen. Die Verbrennertechnologie wird aber weiterhin gebraucht”, sagte Scheuer vor Journalisten. “Wir wollen sie mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral machen und die Vorteile der Technologie erhalten”, so Scheuer. Die noch amtierende SPD-Umweltministerium Svenja Schulz hingegen findet den Verweis auf die sogenenannten e-Fuels in Pkw mit Blick auf Verfügbarkeit und Effizienz “genau wie die Unterzeichnerstaaten nicht für zielführend”. Greenpeace-Deutschland-Chef kritisiert die Nicht-Unterzeichnung durch Deutschland scharf. “Es wäre megapeinlich, wenn Deutschland nicht dabei wäre”, so der Unmweltschützer, der auf eine Beteiligung Deutschlands unter der neuen Bundesrergierung setzt. “Andreas Scheuer ist zum Glück jetzt Geschichte.”

Mehr: web.de

— Deutschland will nun doch keine fossilen Energien mehr finanzieren

Lange zögerte Deutschland mitzumachen, selbst nachdem China entschieden hatte, keine Kohleprojekte im Ausland mehr zu finanzieren. Nun schließt sich die noch amtierende Bundesregierung doch noch der Initiative für den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland bis Ende 2022 an. Das erklärte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth am Dienstag bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow. Zuvor hatten sich die Regierungen der USA und etwa 20 weiterer Länder bereit erklärt, sich bis Ende kommenden Jahres aus der Finanzierung von Kohle-, Erdöl- und Erdgasprojekten im Ausland zurückzuziehen.

Mehr: Stuttgarter Zeitung

— Frauen und Mädchen leiden am meisten

Unter dem Klimawandel leiden Frauen und Mädchen am meisten. “Es sind Frauen, Mädchen und jene, die ohnehin am meisten ausgegrenzt werden, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sein werden”, so die britische Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan auf der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow . Die Gründe dafür sehen die Vereinten Nationen darin, dass Frauen in den ärmsten Bevölkerungsgruppen der Welt in der Mehrheit sind und oft von kleinen landwirtschaftlichen Betrieben leben.

Mehr: ZDF

— Öl- und Gaslobbyisten nutzen Glasgow als Forum

Klimaschützer kritisieren die enorme Zahl an Lobbyisten für fossile Energieträger auf der UN-Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow. Der Organisation Global Witness zufolge sind laut einer Liste der Vereinten Nationen bei der Konferenz 503 Lobbyisten der Öl- und Gasindustrie akkreditiert, das ist mehr als die 479 Mitglieder, die Brasilien als Land mit der größten Delegation nach Großbritannien geschickt hat. Gleichzeitig hätten sich viele Gruppen aus Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind, über mangelnden Zugang zu der Konferenz beklagt, so Murray Worthy von Global Witness. Die Anwesenheit Hunderter Lobbyisten werde “die Skepsis von Klimaschutzaktivisten nur noch erhöhen”.

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— Mehr Wald in England

Großbritannien will seine Anstrengungen zur Bewaldung verdreifachen. Das Vereinigte Königreich verfügt vergleichsweise über einen geringen Forstbestand. Nur 13 Prozent des Landes sind bewaldet. In Deutschland sind es 32 Prozent, in Frankreich 31 Prozent, in Spanien gar 57 Prozent. Die Briten haben zwar gewaltige Fortschritte bei der Waldanpflanzung gemacht. Vor hundert Jahren lag der Waldanteil bei nur fünf Prozent. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg gab es ambitionierte Bewaldungsprogramme.

Schottland war dabei besonders erfolgreich und hat heute mit 17 Prozent in Großbritannien den höchsten Anteil. In England liegt er nur bei zehn Prozent. Doch ist die geplante Anpflanzung von Bäumen seit Ende der Achtziger Jahre stetig zurück gegangen – im Durchschnitt auf etwa ein Drittel des damaligen Höchststandes.

Schottische Highlands Kein Wald, nirgends (Ricklef Dmoch/Pixelio.de)

Jetzt, so sehen es die Pläne der britischen Regierung vor, sollen die damaligen Aufforstungsquoten wieder erreicht werden. In den Spitzenjahren 1988 und 1989 wurden jährlich 30 000 Hektar Wald angepflanzt. Bis neun Zehnteln davon entfielen allerdings auf Schottland, das über große, gering besiedelte Gebiete verfügt.

Seit jeher behindern jedoch die Interessen der Jäger die Aufforstung. Vor allem Hirsche und Rehe knabbern die Jungbäume an. Um die Aufforstung nicht zu gefährden, müsste der Bestand von Rehen und Hirschen kräftig vermindert werden. Viel mehr als ein Reh oder ein Hirsch pro Quadratkilometer tun dem Wald nicht gut. Doch liegt die tatsächliche Hirschdichte – zum Beispiel in Schottland – zwischen vier und 64 Tieren.

Da Wälder und Moore als ideale CO2-Senke gelten, steht die Regierung von Boris Johnson, dessen konservative Partei traditionell dem ländlichen Jäger- und Bauernmilieu verbunden ist, unter massivem Druck der in Glasgow versammelten Aktivisten sowie der urbanen und klimabewussten Öffentlichkeit seines Landes.

Mehr: BBC

— Marsch der Hunderttausend

Am Sonnabend marschierten nach Angaben der Veranstalter hunderttausend Demonstranten durch die Glasgower Innenstadt und forderten mehr Klimagerechtigkeit sowie konsequentes Klimahandeln. Greta Thunberg, die am Vortag auf einer Jugend-Demo gesprochen hatte, nahm zwar an der Kundgebung teil. Sie überließ das Wort aber bewusst anderen. Zur Eröffnung sprachen Vertreter indigener Völker.

Danach hielt Vanessa Nakate die Hauptrede. Die ugandische Aktivistin rief die Bürger der Welt zum Handeln auf: “Politiker haben selten den Mut zur Führung. Es braucht Bürger, Leute wie ihr oder ich, die sich erheben und Handeln einfordern. Und wenn das genügend Menschen machen, dann werden sich unsere Politiker bewegen.”

Hauptrednerin Vanessa Nakate “Politiker haben selten Mut zur Führung” (Foto: Paul Wamala Ssegujja/CC BY-SA 4.0)

Die Polizei nahm 21 Mitglieder der Wissenschaftler-Initiative Scientist Rebellion fest. Die Wissenschaftler hatten sich an der King-George-V-Brücke im Zentrum Glasgows festgekettet. Polizisten sperrten daraufhin die Bücke für die Dauer der Kundgebung. Eine weitere Person wurde festgenommen, als die Polizei sich veranlasst sah, eine Gruppe von sozialistischen Protestierern im Anschluss an die Aktion der Wissenschaftler einzukesseln.

Insgesamt verlief die Demonstration aber friedlich und fröhlich. Vielerorts nahm die Kundgebung karnevaleske Züge an. Trommelgruppen gaben dem Aufmarsch ein karibisches Flair. Die farbigen Transparente, die wehenden Fahnen und die hellen Regenjacken kontrastierten zum Grau des schottischen Regentages. Erst zum späten Nachmittag kam überraschend die Sonne durch. Etliche Protestierer nahmen das zum Anlass für Tänze und Gesänge.

Der verantwortliche Polizeibeamte Gary Ritchie bedankte sich am späten Abend bei den Marschierern: “Glasgow war heute Gastgeber eines öffentlichen Protestes von einer Größenordnung, die weder die (hiesige) Polizei noch die Bürger je erlebt haben. Ich freue mich, dass der Tag weitgehend ohne Vorkommnisse verlaufen ist.”

Mehr: BBC

— “Wie ein Clown” – Kritik an Boris Johnson

Der Stil des britischen Premierministers auf der Glasgower Klimakonferenz ist bei in- und ausländischen Beobachtern auf breites Unverständnis gestoßen. Es sei ihn nicht gelungen, seinen Hang zum Possenreißen im Griff zu halten. Der gesamte Auftritt sei dem ernsten Anlass nicht angemessen gewesen.

Die Labour Party kritisierte, seine Rede als Gastgeber vor dem Plenum sei wohl im letzten Moment zusammen gestückelt worden. Vielen Zuhörern, so der britische linksliberale Guardian, seien die typischen Johnson-Witzchen unpassend vorgekommen. Schon der Einstieg mit der Schilderung einer James-Bond-Szene sei auf eisiges Schweigen gestoßen. Immer wieder sei es zu peinlicher Stille gekommen, weil der Premier Pausen für Lacher vorgesehen hatte. Das Problem: Es gab keine Lacher.

Die spanische größte spanische Tageszeitung El Pais bemerkte, er habe es nicht geschafft, “zurückhaltend optimistisch” zu erscheinen, weil er auf seine übertriebenen Redefiguren nicht verzichten konnte. Noch vernichtender fiel die Kritik des Pariser Polit-Magazins Le Point aus. Johnsons Mimik habe oft an einen Vater erinnert, der vor den Kindern seinen Lieblingswitz zum Besten gibt.

Boris Johnson Unüberwindlicher Hang zum Witzeln (succo/Pixabay)

Der niederländische, grüne Europaabgeordnete Bas Eickhout kritisierte den clownesken Stil und die provinzielle Ausrichtung der Rede. Einige Jokes seien nur für das einheimische Publikum verständlich gewesen. Auch die demonstrative Wandlung vom einst prominenten Sympathisanten der Klimaskeptiker zum heute verantwortungsbewussten Klimapolitiker wurde in Glasgow von vielen Teilnehmern hinterfragt.

Mehr: The Guardian

— Dreistündige Demo in Glasgow mit Fridays for Future

Heute ist der Tag der Jugend auf der COP26. Fridays for Future und andre Organisationen wollen mit tausenden Jungaktivisten in Glasgow konkrete Maßnahmen fordern. Die Demonstration wird von der schottischen Landesgruppe von Fridays for Future organisiert. Mit dabei sind bekannte Klimakämpferinnen wie Greta Thunberg aus Schweden, Venessa Nakate aus Uganda oder Mitzi Joelle Tan.

Die philippinische Aktivistin sagte: “Auf diesem Klimagipfel sehen wir wieder einmal Politiker, die große Worte schwingen und große Versprechen machen, aber wir brauchen drastische Senkungen der Kohlendioxid-Emissionen.” Nötig seien ebenso Entschädigungen aus dem Norden, damit der Süden die notwendigen Schritte zur Anpassung unternehmen und klimabedingte Schäden beseitigen könne. Darüber hinaus müsse man der Fossilbranche ein Ende setzen.

Fridays-for-Future-Transparent Freundlicher Empfang demonstrierender Kinder und Jugendlicher durch die Polizei (Gerd Altmann/Pixabay)

Thunberg hatte am Vortag die Konferenz als ein Greenwashing-Festival des Nordens bezeichnet. Umweltgruppen betonten während der vergangenen Tage mehrfach, dass Regierungen – vor allem jene von wohlhabenden Ländern mit besonders hohen klimaschädlichen Emissionen – ihre Umweltversprechungen gewohnheitsmäßig nicht einhielten. So sagte die kenianische Aktivistin Elisabeth Wathuti auf einem Glasgower Plenum: “Am Montag (…) habe ich die Politiker aufgefordert, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Bislang ist das nicht passiert.”

Unterdes hat die schottische Erste Ministerin Schottlands, Nicola Sturgeon als eine der GOP26-Gastgeberinnen, die Jugendlichen begrüßt. Man habe in Schottland zwar einiges gegen den Klimawandel unternommen. Jedoch hätten die Apelle von Kindern und jungen Menschen verdeutlicht, dass die Regierung noch mehr tun müsse.

Die örtliche Polizei teilte mit, dass sie die Zahl der zur Demonstration abgestellten Beamten reduziert habe, weil sie keine größeren Störungen erwarte. Es handele sich bei den Demonstranten schließlich um Kinder und Jugendliche, die den Mut hätten, ihre Stimme zu erheben. “Es wird ein freundlicher Empfang seitens der Polizisten geben”, sagte Assistant Chief Constable Gary Ritchie der BBC.

Mehr: The Times of India

— Glasgower Klimaverspechen führen zu 1,8 Grad Erwärmung

Würden alle klimarelevanten Ankündigungen, die auf der COP26 gemacht wurden, gänzlich umgesetzt, wäre das Ergebnis ein Anstieg der Erderwärmung um 1,8 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Dies erklärte der Chef der Internationalen Energieagentur Fatih Birol in einer Twitter-Botschaft.

Fatih Birol Ein Schritt nach vorn, aber wir brauchen mehr

Ziel der Weltklimakonferenz in Glasgow ist es jedoch, das in Pariser Klimaabkommen 2015 definierte Ziel von 1,5 Grad weitmöglichst einzuhalten. Kurz vor Beginn der COP26 hatten die Vereinten Nationen davor gewarnt, dass die bis dahin verfolgte Klimapolitik zu einer Erderwärmung von 2,7 Grad führen würde. Nach Einschätzung des schwedischen Klimaexperten Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, wäre damit die Welt für die Hälfte der Menschheit kaum noch bewohnbar.

Schon 2070, viele Jahre, bevor die Erde um 2,7 Grad wärmer geworden wäre, würden nach diesem Szenario 3,5 Milliarden Menschen in Gegenden leben, in denen die Temperaturen gesundheitsgefährdend wären. Es wäre kaum möglich, hinreichend Nahrungsmittel für die Menschheit zu erzeugen. “Man würde auf einem zerstörten Planeten leben”, sagt Rockström.

Mehr: Bote

— Achtzehn Länder steigen aus der Kohle aus

In Glasgow haben sich 18 Länder, darunter Polen, Chile und Vietnam, zu einem Kohleausstieg verpflichtet. Die Länder wollen schrittweise die Verbrennung und den Abbau von Kohle zurückfahren. Vor allem sollen keine Neuinvestitionen in dem Bereich vorgenommen werden.

Gestern wurde das Global Carbon Budget veröffentlicht, der zufolge der CO2-Ausstoß wieder steigt. Die Emissionen waren pandemiebedingt 2020 um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück gegangen. Doch im laufenden Jahr werden sie um 4,9 Prozent wieder zunehmen – trotz der noch 2021 nachwirkenden wirtschaftlichen Einschränkungen.

Braunkohleabbau in Hambach Kohleverbrennung treibt Klimagas-Konzentration in der Luft (Foto: www.ceus-design.de)

Am Global Carbon Budget wirkten in diesem Jahr 94 Forscher von 70 wissenschaftlichen Einrichtungen mit. Die Wissenschaftler tragen dazu Daten aus aller Welt zusammen, um die Quellen und Mengen des Treibhausgases nachzuweisen, ebenso wie die Senken, also Wälder oder Moore, und deren neutralisierende Wirkung.

Die stärkten Auswirkungen hatte die Nutzung von Kohle. Allein in diesem Sektor nahmen die Emissionen um 5,7 Prozent hinzu. Auch die Kohlenstoff-Emissionen durch Gasverbrennung nahmen wieder zu. Dagegen gingen die Ausstöße in der Stahl- und Zementerzeugung leicht zurück.

Die gute Nachricht: In 23 Ländern fieln die klimaschädlichen Emissionen in den Jahren zwischen 2000 und 2019 – trotz Wachstums. Jedoch liegen 17 dieser 23 Länder in Europa. Arme Länder sind unter den 17 Musterschülern nicht vertreten.

Mehr: NZZ

— Entwicklungsländer: “Wir haben am wenigsten zu dieser Klimakrise beigetragen”

Die Industrieländer haben – als die Hauptschuldigen der Klimakatastrophe – den Entwicklungsländern eine jährliche Hilfe von 100 Milliarden Dollar zugesagt. Damit sollen die schlimmsten Schäden in den ärmeren Regionen abgemildert werden. Allerdings wird das Geld zur Gänze erst ab 2023 fließen. Das Versprechen wurde bereits 2009 gegeben. Der Betrag sollte schon im vergangenen Jahr ausgezahlt werden. Doch zurzeit beläuft sich die Summe der jährlichen Unterstützung auf etwa 80 Milliarden Dollar. Umweltschutzgruppen und Vertreter von Entwicklungsländern kritisieren die verzögerte Zahlung. “Sie lassen die verletzlichsten Menschen auf diesem Planeten im Stich, nachdem sie zuvor Hilfe versprochen haben”, sagt der Klimawissenschaftler Saleemul Huq aus Bangladesch der Wiener Zeitung.

Ohnehin sind die hundert Milliarden Dollar pro Jahr bezogen auf die tatsächlichen Schäden nicht ausreichend. UNO-Experten gehen davon aus, dass die vom Klimawandel besonders betroffenen armen Länder bis 2030 rund 300 Milliarden Dollar pro Jahr als Ausgleich für Klimaschäden brauchen. Darin sind die ökonomischen Folgeschäden zum Beispiel durch Missernten nicht einmal enthalten. Der Hurrikan Maria von 2017 allein kostete die Karibikstaaten 70 Milliarden Dollar.

Bundesentwicklungsministerium De facto zahlte Deutschland 2020 über fünf Milliarden Euro (Quelle: BMZ)

Die Finanzzusagen der reichen Staaten an die Gruppe der ärmsten Länder seien keine Spende sondern eine Reinigungsgebühr, sagt Malawis Präsident Lazaraus McCarthy Chakwera. Tatsächlich sind die Pro-Kopf-Emissionen der Industrieländer oft um ein Vielfaches höher als die der Bewohner des armen Südens. So kommt ein US-Bürger im Schnitt auf 17,63 Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr und ein Deutscher immerhin noch auf 10,37 Tonnen. Ein Inder dagegen kommt nur auf 1,73 Tonnen und ein Bewohner von Guinea nur auf 0,24 Tonnen.

Indien verlangt nun deshalb eine Art Rabatt und will erst im Jahr 2070 klimaneutral werden. Die europäischen und nordamerikanischen Länder müssten den Löwenanteil der Kosten für die Klimakrise tragen, verlangen die Inder. Denn sie seien historisch die größten Emittenten und hätten ihre Industrialisierung zu Lasten der ganzen Welt vorangetrieben.

CO2-Ausstoß pro Kopf Entwicklungsländer zahlen drauf (Quelle: OWID/CC)

“Wir haben am wenigsten zu dieser Klimakrise beigetragen”, meint auch Sonam Phuntsho Wangdi, Sekretär der staatlichen Umweltkommission Bhutans und Sprecher der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder. Die 46 Länder dieser Gruppe mit etwa einer Milliarde Einwohner sind nur für ein Prozent der weltweiten Klimagas-Ausstöße verantwortlich. Sie sind aber ungleich härter vom Klimawandel betroffen als die Bewohner der Industriestaaten. “Wir sind abhängig von den Entscheidungen, die hier getroffen werden”, sagt Wangdi.

Mehr: ZDF

— Skeptische Reaktion auf Waldinitiative

Die Verpflichtung von über hundert Ländern die Entwaldung zu stoppen, stößt bei Fachleuten auf Zurückhaltung. Eine vergleichbare Ankündigung von Teilnehmern eines UN-Klimatreffens in New York im Jahre 2014 hatte versprochen, bis 2020 die Entwaldungsgeschwindigkeit zu halbieren und bis zum Jahre 2030 die Entwaldung gänzlich zu stoppen. Jedoch verschlingt der weltweite Raubbau noch immer pro Minute eine Waldfläche von der Größe von 27 Fußballfeldern.

Am Dienstag hatten die beteiligten Staaten (wieder einmal) angekündigt, die Zerstörung der Wälder zu stoppen. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson bezeichnete dennoch die neuerliche Übereinkunft als ein “wegweisendes Abkommen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Wälder der Erde”.

Die Initiativ-Länder, darunter die EU-Länder, Brasilien, Brasilien, Russland, Kanada, China, Indonesien oder die Demokratische Republik Kongo, stehen für 85 Prozent der globalen Waldflächen mit einer Ausdehnung von 34 Millionen Quadratkilometer. Die beteiligten Staaten wollen für den Kampf um den Wald bis 2025 über 19 Milliarden Dollar ausgeben. Die Wälder der Erde nehmen etwa ein Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen auf.

Futtermittel-Ernte in Brasilien Wälder weichen Soja-Feldern (Charles Echer/Pixabay)

Simon Lewis, Experte für Klima und Forstökologie am University College London, begrüßte in einer Sendung des BBC zwar grundsätzlich die Abmachung, wies aber darauf hin, dass das Abkommen von 2014 völlig wirkungslos geblieben sei. Wolle man die Wälder wirksam schützen, müsste man auch das Problem des wachsenden Fleischkonsums in Ländern wie Großbritannien oder den USA angehen. Denn oft würden die Wälder für Futtermittel-Anbauflächen oder Weiden geopfert.

Der ehemalige Vorsitzende der Rainforst Alliance, Nigel Sizer, sprach von einem “big deal”, warnte aber davor, dass das Ergebnis zum Zieljahr 2030 enttäuschend ausfallen könne. Vor allem laufe die Zeit davon: ” Wir stehen vor einem Klimanotstand und da ist es nicht schlüssig, uns weitere 10 Jahre zu geben, um dieses Problem anzugehen.” Doch habe man vermutlich nicht mehr erreichen können.

Mehr: BBC News

— Putin gibt den Waldschützer

Bereits gestern hatten eine Reihe von Ländern einen Vorstoß gegen Entwaldung präsentiert. Heute stieß der russische Präsident Wladimir Putin als Unterstützer hinzu. “Unser Land”, so Putin in einer Videobotschaft, “beherbergt 20 Prozent des weltweiten Waldes.” Wolle Russland bis 2060 klimaneutral werden, müsse es seine Wälder und deren Funktion als CO2-Senke schützen. Auch als Sauerstoff-Produzent seien die Wälder wichtig.

In den vergangenen Jahren hatten Brände großflächig Wälder verwüstet. Die russische Regierung will, so die Videobotschaft, diese Waldbrände bekämpfen, die Forstwirtschaft modernisieren und verstärkt illegale Abholzungen verfolgen.

Russlands Präsident Wladimir Putin: “Wir vergrößern die Gebiete für Wiederaufforstung (Quelle: RT News)

Russland ist fast zur Hälfte mit Wald bedeckt. Doch Korruption, schlechtes Forstmanagement und Raubbau sind zu einer Bedrohung für Russlands Wälder geworden. Bei den illegalen Abholzungen geht es weniger um gelegentliche Übertretungen von Einheimischen, die etwa Brenn- oder Bauholz für den eigenen Bedarf stehlen. Oft handelt es sich um großräumige Aktionen mit schwerem Gerät und ausländischen Arbeitertrupps, die nur deshalb möglich sind, weil bestechliche Ordnungshüter kassieren und wegschauen.

Vor allem im fernen Osten an der Amur-Grenze kommt es nach Berichten von Aktivisten des World Wide Fund For Nature (WWF) zu ungesetzlichen Rodungen. Häufig wird das Holz nach China verfrachtet. Die Beschaffung gefälschter Ausfuhrpapiere ist in Russland vergleichsweise einfach. Hinzu kommt, dass die Wälder nur unzureichend dokumentiert sind. Selbst in den Verwaltungen der einzelnen Republiken und Regionen wissen die Beamten häufig nicht, welche Terrains bewaldet sind oder nicht.

Verschlimmert hat sich die Lage seit dem Jahr 2006. Damals wurde ein Gesetz zum Schutze des Waldes erlassen. Tatsächlich ging darum, Geld zu sparen. Heute beschäftigt der Forstsektor daher deutlich weniger Menschen. Folglich gibt es auch weniger Schutz vor Waldfrevel.

Putins neue Botschaft, nach der Russland die Gebiete für Wiederaufforstungen vergrößere, steht im Widerspruch zu den Berichten der Naturschützer. Seine Ankündigungen in Glasgow wurden deshalb von vielen Mitgliedern der Waldinitiative, der sich schließlich über hundert Länder angeschlossen hatten, mit Skepsis aufgenommen. Am Nachmittag hatten die Staaten sich in einer umfassenden Erklärung verpflichtet, die Entwaldung zu stoppen.

Mehr: Deutsche Welle

— Baerbock: Verbindlichkeit ist jetzt gefragt

Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert in einem ZDF-Interview verbindliche Beschlüsse von der Klimakonferenz in Glasgow. Die bisherigen nationalen Programme reichten nicht für die Erreichung des 1,5-Grad-Klimaziels.

Es gebe zwar Appelle zum Ausstieg aus Kohle, aus dem Verbrennungsantrieb, zum Schutz der Wälder und zu einem großen Technologiesprung hin zur klimaneutralen Industrie. Doch das müsse jetzt “endlich gemacht werden und nicht nur versprochen werden.”

Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock Appelle reichen nicht, Verbindlichkeit ist gefragt (Stefan Kaminski/CC)

Die Grünen-Vorsitzende fordert eine “wirkliche Klimaaußenpolitik” der großen Industriestaaten. Sie begrüßt die von dem Klimaforscher Mojib Latif vorgeschlagene “Allianz der Willigen”. Wenn jetzt die Industriestaaten zusammen arbeiteten, könne man das Ruder noch herumreißen. Als Beispiel für eine gelungene Umweltrevolution nennt Baerbock die Stromversorgung, die in Deutschland zum größten Teil aus nachhaltigen Quellen stammt.

Mehr: ZDF

— Brasilien will Ausstoß von Treibgasen bis 2030 halbieren

“Wir stellen heute ein neues, ehrgeizigeres Klimaziel vor”, gab Umweltminister Joaquim Leite bekannt. Bislang hatte das südamerikanische Land als Klimaziel eine Senkung der Ausstöße von 43 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2005 definiert. Brasilien war in der Vergangenheit vielfach wegen der Abholzungen und Brandrodungen im Amazonas-Becken und im Feuchtgebiet Pantanal kritisiert worden.

In der Vergangenheit hatte sich vor allem die amtierende Administration unter Regierungschef Jair Bolsonaro gegenüber Kritikern taub gestellt. Im Wahlkampf hatte der ehemalige Fallschirmjäger, der seit Anfang 2019 als Staatspräsident das Land regiert, einen Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 nicht ausgeschlossen. Ebenso hatte er militärische Härte gegen Aktivisten für den Regenwaldschutz und internationale Regenwald-Initiativen angekündigt. In den betroffenen Regionen sollten Polizei und Militär im rechtfreien Raum operieren und Proteste mit Waffengewalt ersticken. Bolsonaro ist für seine rücksichtslose Politik gegenüber indigenen Völkern bekannt. Er setzte sich stets dafür ein, Bergbau-Aktivitäten in Schutzgebieten zu ermöglichen.

Tropischer Waldbrand Hat Brasilien ein Einsehen? (Ria Sopala/Pixabay)

Schon im ersten Jahr seiner Präsidentschaft lag die Zahl der Feuer und Brandrodungen in Brasilien um 78 Prozent höher als im Vorjahr. In Sommer 2020 hatte Bosonaro die Brandrodungen zwar für drei Monate verboten. Allerdings registrierte das Weltrauminstitut INPE Tage nach dem Verbot über tausend Brände im Regenwaldgebiet. In einer seiner wöchentlichen Facebook-Botschaften hatte Bolsonaro Umweltverbände als Krebsgeschwür bezeichnet. Noch im April dieses Jahres hatte er den Umweltetat um rund ein Viertel gekürzt.

Der Präsident besuchte heute statt der Klimakonferenz ein Dorf in der Nähe von Padua, aus dem sein Urgroßvater nach Brasilien ausgewandert war. Das Dorf hat ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen. Die Ankündigung des brasilianischen Umweltministers wurde in Glasgow von vielen Konferenzteilnehmern mit Kopfschütteln aufgenommen.

Mehr: Süddeutsche Zeitung

— US-Sicherheitsberater prangert Chinas “verblüffendes” Versagen beim Klimaschutz an

Der Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan hat in einem Gespräch mit Journalisten die Umweltpolitik der chinesischen Regierung als “verblüffendes” Versagen gekennzeichnet. Sullivan befand sich während des Gesprächs mit begleitenden Presseleuten auf der Anreise nach Glasgow an der Bord der Präsidentenmaschine Air Force One.

In der Klimapolitik gebe es bedeutende Ausreißer. “Einer dieser Ausreißer ist China, das auf der COP26 nicht auf Führungsebene vertreten sein wird”, sagte Sullivan. Er spielte damit auf die Abwesenheit von Xi Jinping in Glasgow an. Chinas Staatspräsident wird jedoch heute eine schriftliche Erklärung zur Klimakonferenz abgeben.

Mehr: ZDF

— 100 Milliarden Klimafond für ärmere Länder weiter in der Schwebe

Schon 2009 gaben die 20 reichsten Industrienationen (G20) ein großes Versprechen ab. Sie wollten den ärmeren Nationen des Südens von 2020 an mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar bei der Bewältigung der Klimakrise finanziell beispringen. Die Mittel sollen den Entwicklungsländern ermöglichen, ihre Infrastruktur an den Klimawandel anzupassen und sich saubere Technologien anzuschaffen.

Bis heute ist der Klimafond jedoch nicht aufgelegt. Und auch auf dem gegenwärtigen G20-Gipfel in Rom streiten die Krösusse der Welt über seine Ausgestaltung und wer wieviel einzahlt. Einigung nicht in Sicht.

Der britische konservative Abgeordnete Alok Sharma, der dem Klimagipfel (COP26) als Präsident leitet, hofft, dass der reiche Teil der Welt sein Versprechen einhält und der Fond spätestens 2023 bereit steht.

Eine feste Zusage für den Startpunkt wäre wichtig, darin sind sich Beobachter einig, damit die Entwicklungsländer eigene Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgase einleiten. Ein chinesischer Delegierte sieht darin sogar die “höchste Hürde”, um die Verhandlungen voran zu bringen.

Wie ungleich die Möglichkeiten verteilt sind, dem Klimawandel zu begegnen, macht eine kürzliche Ankündigung einiger der reichtsten Männer der Welt klar. Sie wollen von ihren Vermögen mal eben 90 Milliarden US-Dollar abzweigen, um die Welt auf den 1,5-Grad-Celsius-Pfad zu bringen. Darunter der australische Bergbauunternehmer Andrew Forrest und der indische Ölmagnat Mukesh Ambani.

Derweil warnen selbst konservative Wirtschaftsblätter wie der “Economist” vor den desaströsen Folgen einer ungebremsten Erderhitzung: bisher unvorstellbare Überflutungen, wochenlange extreme Hitzewelle, katastrophale Dürren sind einige davon. Hinzu kommen enorme ökonomische Verwerfungen.

Ein sehenswertes Video (siehe unten) veranschaulicht eindringlich das Schreckensszenario, das der Welt blüht, wenn es drei Grad Celsius heißer wird.

Apocalypse now Was passiert, wenn die Erderhitzung nicht gestoppt wird

Mehr: Bloomberg

— Russland und China verweigern Schutz der Antarktis

Die Gewässer um den Südpol sind mit ihrer außergewöhnlichen Artenvielfalt ein unverzichtbarer Kohlenstoffspeicher. Ihre massiven Eisschilde kühlen den Planeten. Doch auch beim 40. Anlauf konnten sich die Anrainer nicht auf ein Schutzabkommen für das einzigartige Ökosystem einigen. Russland und China, deren Fangflotten in den Gebieten riesige Mengen Krill und Seehecht fischen, verweigerten ihre Zustimmung.

Dabei wäre Handeln dringend angesagt. Denn jüngste Modelle von Klimawissenschaftlern zeigen: Schon jetzt ist die Gletscherschmelze in der Antarktis kaum mehr aufzuhalten – mit verheerenden Auswirkungen. In Folge des Auftauens könnten die Meeresspiegel bis zu drei Metern ansteigen. Küstenstädte wie New York, Dhaka und Rotterdamm würden überspült.

Bedrohte Kühlkammer Schmilzt das antarktische Eis, steigen die Meeresspiegel katastrophal an
Foto: 358611 auf Pixabay

Greenpeace-Meeresbiologin Sandra Schöttner kritisiert die Haltung Pekings und Moskaus hart: “Die Antarktis braucht dringend besseren Schutz, um der Erderwärmung etwas entgegen setzen zu können.”

Seit fünf Jahren ringen die Teilnehmer der Antarktis-Konferenz darum, rund um den Südpol das weltweit größte Meeresschutzgebiet einzurichten. Es würde sich über rund ein Prozent der globalen Wasseroberfläche erstrecken. Eine Lösung ist jetzt um mindestens ein Jahr aufgeschoben. Für Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC), sendet der Misserfolg ein verheerendes Signal aus: “Der Planet und die kostbaren marinen Lebensräume der Antarktis können sich kein weiteres Jahr der Untätigkeit leisten.”

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— Bidens amputierter Klimaschutz-Plan

Mit einem in dieser Dimension nie dagewesenen Ausgabenprogramm gegen die Erderwärmung wollte US-Präsident Joe Biden in Glasgow glänzen. Seine eigenen Demokraten machen ihm einen dicken Strich durch die Rechnung. Opponierende Senatoren und Abgeordnete zwangen Biden dazu, sein Klima- und Sozialpaket drastisch zu kürzen: um die Hälfte von 3,5 auf 1,75 Billionen US-Dollar. Durch den Kongress ist es dennoch immer noch nicht.

Allen Widerständen zum Trotz hält der Präsident an seiner Zusage fest, die Treibhausgas-Emissionen der USA bis zum Ende des Jahrzehnts gegenüber 2005 mindestens zu halbieren. Mit Steuererleichterungen in Höhe von 320 Milliarden Dollar will er Unternehmen und Privatleute belohnen, die beispielsweise in saubere Produktionsverfahren, Solaranlagen und den Kauf von Elektroautos und -bussen investieren. 110 Milliarden Dollar fließen direkt in die Förderung grüner Technologien und in schadstoffarme Lieferketten. Mit 105 Milliarden Dollar sollen sich Kommunen gegen Extremwetter wappnen und mehr Gebiete unter Naturschutz stellen können.

US-Präsident Biden Waffen gestreckt Foto: en.wikipedia.org

Komplett streichen musste Biden hingegen den Plan, den mächtigen Öl- und Gasproduzenten einen Preis für die Verschmutzung der Umwelt aufzuerlegen. Er scheiterte vor allem am Widerstand des demokratischen Senators Joe Manchin aus dem Kohle-Bundesstaat West Virginia. Auf dessen Stimme ist der Präsident angewiesen, um seine Initiative durchs Parlament zu bringen.

Bei Mitch Jones, Politik-Direktor der Denkfabrik Food and Water Watch, stößt das Einknicken auf Unverständnis. “Eine Klimaplan, der die Öl- und Gasindustrie ausklammert, ist nicht besonders bedeutsam.”

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— Brasilien will Abholzung stoppen

Vizepräsident Hamilton Mourão zufolge stoppt das Land die illegale Abholzung des Regenwalds früher als geplant. Statt 2030 soll das Treiben spätetens 2028 unterbunden werden. Es ist höchste Zeit für das Umdenken. Rodungen und Brände im Amazonasgebiet haben dazu geführt, dass die dortigen Regenwälder erstmals mehr Kohlendioxid (CO2) freisetzen als sie speichern. Satellitenaufnahmen zeigen, dass allein zwischen August 2019 und Juli 2020 mehr als 11 000 Quadratmeter, umgerechnet 4340 Fußballfelder Dschungel den Motorsägen und absichtlich gelegten Bränden zum Opfer fielen.

Brasilien wird trotz der abnehmenden Speicherfähigkeit seiner Regenwälder eine Schlüsselrolle zugeschrieben, die Erderwärmung zu bremsen. Auch in der Demokratischen Republik Kongo, wo eines der größten Waldgebiete der Erde liegt, fällen internationale Holzkonzerne hemmungslos wertvolle Tropenbäume. Jetzt rebellieren Einheimische gegen die rücksichtslose Zerstörung des Ökosystems – mit ersten Erfolgen.

Bedrohter Regenwald Stoppt Brasilien die illegale Abholzung? Foto: pixabay

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— Australiens hohles Versprechen

Bisher betreibt der australische Premierminister Scott Morrison eine kompromisslose Pro-Kohle-Politik und fand die Erderwärmung halb so schlimm. Jetzt kündigte er an, der fünfte Kontinent solle bis 2050 klimaneutral werden und keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Zugleich gab Morrison öffentlichkeitswirksam bekannt, bis 2030 umgerechnet fast 13 Milliarden Euro in emissionsarme Technologien wie grünen Stahl und Wasserstoff zu investieren.

Nicht nur die Opposition sieht in der Ankündigung das durchsichtige Manöver, die Mehrheit der Australier zu besänftigen. Die hat die Nase voll von verheerenden Buschfeuer, Extremtemperaturen, Dürren und Korallenbleichen. Sie fordert endlich Taten gegen den Klimawandel. Doch eine wirkliche Verschärfung bedeutet Morrisons Ansage erst einmal nicht. Denn am mittelfristigen Ziel, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken, änderte der Premier nichts. Und er will die Klimaneutralität auch nicht gesetzlich festschreiben.

In der Kritik Australiens Premier Scott Morrison Bild: AAP Image/Mick Tsikas

Jetzt musste Morrision bei einer Senatsanhörung sogar eingestehen, dass der Plan, der den Weg zur Dekarbonisierung beschreiben soll, nicht einmal fertig geschrieben ist. Oppositionsführer Anthony Albanese wirft dem Regierungschef die “Täuschung” des Parlaments und der Öffentlichkeit vor.

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— Das deutsche Dilemma

Die Voraussetzungen, um den Klimakollaps noch abzuwenden, könnten kaum schlechter sein. Um gerade noch halbwegs erträgliche 1,5-Grad-Celsius sollte die globale Durchschnittstemperatur höchstens steigen. Darauf verständigten sich die Staats- und Regierungschefs auf dem vergangenen Klimagipfel 2015 in Paris.

Das Ziel ist in weite Ferne gerückt. Nach Berechnungen des Analyseprojekts Climate Action Tracker (CAT) befindet sich kaum ein Land auf dem 1,5-Grad-Pfad.

Versiebenfachung der Bemühungen notwendig

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke. Das zeigt ein Bericht des UN-Umweltprogramms. Die Staaten müssten ihre Anstrengungen versiebenfachen, schreiben die Experten den Staatenlenkern ins Stammbuch.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt davor, den Gefahren von Extremwettern, Hungersnöten und Überschwemmungen weiter bestenfalls halbherzig entgegen zu wirken. “Wir sind auf dem Weg zu einem katastrophalen Anstieg der Erdtemperatur um 2,7 Grad Celsius.”

Enttäuschung über die Ampelkoalition

Deutschland geriert sich zwar gerne als Vorkämpfer für die Klimarettung. Doch ohne zusätzliche Maßnahmen bleibt es weit hinter seinen selbstgesteckten Klimazielen zurück, wie die geschäftsführende Umweltministerin Svenja Schulze einräumt. Bringt die neue Ampelkoalition die Wende?

Die Aktivisten von Fridays for Future sind skeptisch. Die im Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP skizzierten Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus, um auf den 1,5-Grad-Pfad einzuschwenken, schäumen sie. “Sie packen nicht an, was notwendig ist”, kritisiert Sprecherin Luisa Neubauer.

Weil bei der Klimapolitik noch vieles zwischen den Koalitionären in spe unklar ist, fällt die deutsche Delegation in Glasgow als Antreiber aus. Auch das ist ein Handicap.

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