Zweiter Anlauf
Flixmobility bringt Wasserstoff-Busse an den Start

Für Fernbusse, die Hunderte Kilometer unterwegs sind, taugen Batterien nicht als Antriebstechnik. Der Münchner Fernbusanbieter Flixmobility setzt auf Wasserstoff und Brennstoffzellen, um seine Kunden emissionsfrei durchs Land zu kutschieren.

Wasserstoff statt Diesel tanken Klappt es diesmal mit dem Brennstoffzellenantrieb? Animation: Freudenberg

Im Stadtverkehr gehören Elektro-Busse vielerorts längst zum vertrauten Bild. In Rotterdam oder Köln kurven sie geräuschlos über die Straßen, laden ihre Akkus im Depot, an der Endhaltestelle oder wie jetzt probeweise in Tel Aviv kabellos über Induktionsschleifen auf. Mancherorts wie neuerdings im US-amerikanischen Cleveland am Eriesee zapfen sie den Strom auch aus Oberleitungen wie ein Zug.

Aus dem Auspuff tropft nur Wasser

Für die fast 800 Kilometer lange Fernroute beispielsweise von Kiel bis nach München ist der Batterieantrieb keine Option. Im Moment jedenfalls, findet Flixmobility-Chef Andre Schwämmlein. Zu gering die Reichweite, zu dünn das Ladenetz, zu lange die Ladezeiten.

Eine Brennstoffzelle in Kombination mit einem großen Wasserstofftank erzeugt hingegen auch über lange Strecken ausreichend elektrische Antriebsenergie. Getankt ist fix. Und wichtig fürs Klima: Außer Wasser tropft nichts aus dem Auspuff.

Teil einer grünen Mobilitätsrevolution

Selbst dieselbetriebene Fernbusse belasten schon heute die Luft laut Schwämmlein mit nur 26 Gramm Kohlendioxid (CO2) je Fahrgast und Kilometer. Rund neun Zehntel weniger als ein Flugpassagier verursacht. Mit Wasserstoff sinkt die Emission auf Null.

“Brennstoffzellen sind Teil der grünen Mobilitätsrevolution”, schwärmt der Manager. Schon 2024 hofft er, im zweiten Anlauf den ersten Fernbus, ausgerüstet mit dem Sauber-Aggregat, auf die Reise schicken zu können. Mal sehen, ob es dieses Mal klappt. 2019 hatte das Unternehmen zum ersten Mal einen Fernbus mit Wasserstoffantrieb angekündigt – für dieses Jahr.

Noch fehlt es an ausreichend Wasserstoff-Tankstellen

Die Entwicklung einer praxistauglichen Lösung sei doch wesentlich komplexer als erwartet, verlautet aus dem Umfeld der beiteiligten Unternehmen. Beteiligt an dem vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekt “Hyfleet” sind der Autozulieferer ZF Friedrichshafen und die Technologiegruppe Freudenberg FST aus Weinheim an der Bergstraße. Das mittelständische Familienunternehmen steuert die Brennstoffzelle bei. Die Ingenieure konzentrieren sich momentan darauf, das System auf eine Mindestbetriebsdauer von 35 000 Stunden zu optimieren.

Bewährt es sich in Reisebussen, könnten eines Tages auch schwere Lkw damit fahren. Eine weitere große Hürde ist allerdings noch zu nehmen. Bis dahin müssten die Fahrer zumindest entlang der Autobahnen ausreichend Wasserstoff-Tankstellen ansteuern können. Diese Infrastruktur fehlt bisher.

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