Erdwärme
Frankfurts heißer Untergrund bietet Chancen für Energiewende

Unter der Innenstadt der Bankmetropole geht es heiß her. Eine erste Testbohrung zeigte, dass schon in geringen Tiefen ein vielversprechendes Wärmepotential bereit steht.

Bohrung nach Erdwärme Unendliche Energiequelle (Matthias Ruhbaum/Pixelio)

Zwischen Main und Messe wurden in nur hundert Metern Tiefe Wassertemperaturen von bis 24 Grad gemessen. Anders als bei den Bohrungen im Umkreis von München, die Energiequellen in 3000 Meter Tiefe anzapfen oder im Oberrheingraben, wo die Bohrlöcher 5000 Meter tief sind, geht es in Frankfurt nur um oberflächennahe Geothermie. Erdbeben sind nicht zu befürchten. Bei Bohrungen in Straßburger Vororten war es im vergangenen Jahr Beben mit Stärken von bis zu 3,5 nach der Richterskala gegeben. Oberflächennahe Erdwärme ist jedoch anders als die tiefe Geothermie keine Risikotechnik. In Deutschland gibt es 350 000 Anlagen, oft in Besitz von Eigenheimbewohnern. Jedes Jahr kommen über 20 000 Anlagen dazu.

Geringere Tiefen, geringere Temperaturen. Statt 200 Grad wie im Oberrheingraben bietet das aus dem Frankfurter Untergrund geförderte Wasser im Durchschnitt nur Temperaturen von 18 Grad, wenn es an der Oberfläche ankommt. Bei der tiefen Geothermie geht es hingegen häufig um den Betrieb von Kraftwerken gekoppelt mit Fernwärmenetzen. Die Frankfurter denken bei der jüngsten Bohrung nur an die Beheizung eines Schwimmbades. Später könnte die Beheizung von Gebäuden dazu kommen. Selbst dafür muss das Wasser durch Wärmetauscher noch aufgeheizt werden. Dann allerdings könnte mit einem Energieeinsatz von nur einer Kilowattstunde Strom mehr als viereinhalb Kilowattstunden Energie gewonnen werden.

Stetige Wärme

Zur Zeit gibt es bereits 280 größere Erdwärme-Vorhaben in Frankfurt. In Hessen fördert die Landesregierung aktuell 17 Testbohrungen für Kommunen. Der Bund übernimmt dabei zwischen 35 und 45 Prozent der Kosten, allerdings nur im Erfolgsfall. Hessische Energiepolitiker und -manager interessieren sich für die Erdwärme, weil sie ständig und zuverlässig zur Verfügung steht. “Wir brauchen auch Energiequellen, die unabhängig von Sonne oder Wind stetig verfügbar sind, wenn die Energiewende gelingen soll”, sagte dazu der Geschäftsführer der LandesEnergieAgentur Hessen, Karsten McGovern, der Regionalausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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