Stromnetze
Laden von E-Autos lässt Stromspannung wackeln

Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW hat getestet, ob die Stromnetze reichen, wenn in einer Straße mehrere Besitzer ihre E-Autos gleichzeitig laden. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Test-Dorf Kusterdingen im Süden Baden-Württembergs: E-Autos erfordern Ertüchtigung der Stromnetze (Foto: Benjamin.nagel)

An der Straße stehen gut zwei Dutzend Häuser mit 60 Wohnungen. Sieben der Anwohner tauschten im Januar 2020 für 18 Monate ihren Pkw mit Benzin- oder Dieselmotor gegen ein Elektroauto ein, ein weiterer besaß bereits ein E-Auto. Für die Stromer wurden Ladestationen mit unterschiedlicher Leistung installiert, von 4,6 bis 22 Kilowatt. Desweiteren liefen in der Straße 13 Wärmestromanlagen und drei Photovoltaik-Anlagen. Die spannende Frage war: Würde der Strom in derm 850 Meter langen Leitungsnetz, an dem die Häuser hingen, ausreichen, wenn die E-Fahrzeuge aufgeladen werden? Oder bricht die Spannung zusammen?

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Massives Aufrüsten der Stromnetze erforderlich

Das Ergebnis des halbjährigen Versuchs in dem schwäbischen Dort Kusterdingen unweit der Universitätsstadt Tübingen wirft ein bezeichnendes Licht auf die Versäumnisse bei der Energiewende in Deutschland und der geplanten Elektrifizierung des Autoverkehrs. Denn ohne massives Aufrüsten, so die Erkenntnis des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW, der die E-Auto-Lade-Test-Chaussee in der süddeutschen Provinz einrichtete, sind die Stromnetze nicht auf massenhaftes Laden der Stromer ausgelegt.

Acht E-Autos brachten Netz an seine Grenzen

Die Palette der Ertüchtigung der Kusterdinger Teststrecke reichte von Transformatoren, die zur Aufrechterhaltung der Spannung elektronisch zu und abgeschaltet werden mussten, bis zu einer Riesenbatterie mit einer Kapazität von 66 Kilowattstunden, die für den Fall bereit stand, dass mehrere E-Autobesitzer gleichzeitig laden wollten. Dabei zeigte sich, dass ein deutlich größerer Stromspeicher notwendig war, denn selbst am Wochenende reichte die Batterie nicht aus. Zwar installierte EnBW zusätzlich in jedem Testhaushalt ein Home-Energy-Management-System (HEMS), das von einem bestimmten Spannungsabfall an die Ladeleistung ausgewählter Wallboxen drosselte. Hätten alle acht E-Autobesitzer ihre Fahrzeuge gleichzeitig aufgeladen, wäre das Netz nach den Worten von Projektleiter Patrick Vasile jedoch an seine Grenzen gestoßen.

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