Steckerautos
Audi-Chef: E-Antrieb wirkt wie ein Tempolimit

Der Automobil-Konzern ist berühmt-berüchtigt für seine PS-Protz-Modelle. Ausgerechnet dessen Chef Markus Duesmann sieht nun ein Tempolimit durch die Hintertür kommen: Begrenzte Akkukapazitäten und autonomes Fahren erzwingen es.

Audi-Vorstandsvorsitzender Markus Duesmann “Die Elektrifizierung wirkt wie ein natürliches Tempolimit”
Foto: AUDI AG

Im Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung hat FDP-Chef Christian Lindner ein staatlich verhängtes Tempolimit heraus verhandelt – Klimaschutz hin oder her. Freies Rasen für freie Bürger, so das Motto der Liberalen.

Dem hängt Audi-CEO Duesmann in der Tiefe seines Herzens zwar auch an, weil “diese Freiheit etwas Ikonisches für Deutschland hat”. Doch noch heiliger ist ihm der technologische Fortschritt. Und der, so räumt er im Interview mit dem Unternehmermagazin der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ein, lasse wenig Spielraum fürs durchgetretene Gaspedal.

Bei hohem Tempo verliert der Bordcomputer den Überblick

Nun siedelt Duesmann die Begrenzung nicht gleich offiziell bei Tempo 130 an, und schiebt als Begründung erst einmal den automatisierten Verkehr vor. “Je langsamer das Auto fährt, desto einfacher ist es für die Sensorik. Deshalb wird autonomes Fahren mit ziemlicher Sicherheit nicht in Geschwindigkeitsbereichen jenseits der 200 Kilometer pro Stunde stattfinden.” Im Klartext: Je schneller alle unterwegs sind, desto eher verlieren die Bordcomputer den Überblick.

Die Ladeanzeige rauscht Richtung Null

Doch dann weist der Audi-Chef auch darauf hin, dass sich die Batterien von Steckerautos bei Vollgas verdammt rasch leeren. “Und ja, auch die Elektrifizierung wirkt wie ein natürliches Tempolimit, weil die Reichweite vom Tempo abhängt.” Batterieforscher wissen: Bei Geschwindigkeiten von mehr als 120 km/h rauscht die Ladeanzeige geradezu Richtung Null.

Nach langem Zögern stimmt nun auch Duesmann in der Chor der “Die Zukunft fährt elektrisch” ein. Aktuell sind die Ingolstädter in den Verkaufscharts weit abgeschlagen. Eine Blamage für einen Konzern, der mit dem Slogan “Vorsprung durch Technik” für sich warb.

Raus aus den fossilen Energien

Jetzt also alle Kraft auf den E-Antrieb. Mitte dieses Jahrzehnts, also in vier Jahren, will der Autobauer seinen letzten verbesserten Verbrennungsmotor vorstellen. Danach, bekräftigt Duesmann, ist Schluss mit der klimaschädlichen Technologie, wird der Verbrenner zum Fossil.

Autobosse auf grünem Kurs

Sind Deutschlands Autobosse längst verkappte Grüne? Fast hat es den Anschein. Duesmann zufolge droht selbst bei einem vorzeitigen Kohleausstieg nicht der Weltuntergang. “Wir sollten die Phase, in der wir stark vom Kohlestrom abhängig sind, so kurz wie möglich halten”, empfiehlt er stattdessen mit großer Gelassenheit.

Zudem plädiert der Topmanager für einen knallharten Schlussstrich. “Die Gesellschaft sollte eine ganz klare Entscheidung treffen zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Denn nur so kommt Innovation in Gang – durch klare Richtungsentscheidungen.” Ampel-Koalitionäre: Hört die Signale!

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Von Dieter Dürand