Advent
Müssen wir unsere Weihnachtslichter ausschalten?

Der adventliche Lichterschmuck erhellt in den dunklen Tagen unsere Städte und Dörfer. Der Preis für die Umwelt ist allerdings beachtlich. Doch jeder kann ihn senken – ohne großen Verzicht. Hier ein paar Tipps.

Winterlicher Lichterschmuck Weihnachtliche Romantik hat ihren ökologischen Preis, aber jeder kann ihn senken (Uschi Dreiucker/Pixelio)

Kurz sind die Tage im Dezember. Zwischen Sonnenaufgang und -untergang liegen nur etwa acht Stunden. Und auch die sind oft recht trübe. Nur 39 Stunden beträgt die durchschnittliche Sonnenscheindauer im düsteren deutschen Dezember. Nur gut eine Stunde pro Tag. Dass viele Menschen während der Dunkeltage unter Depressionen leiden, ist folglich wenig erstaunlich. Da bringen die Lichterketten an Balkonen und Fassaden ein wenig Trost in die Finsternis. Ein Schuft, wer den ökologischen Finger hebt!

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Doch einfach wegwischen lässt sich die Öko-Kritik nicht. Immerhin brennen allein in Deutschland 19,5 Milliarden Lämpchen zur Verbreitung weihnachtlicher Gemütlichkeit. Viele davon leuchten täglich 14 Stunden und mehr. Der Stromverbrauch ist somit nicht unerheblich. Mit hochgerechnet 623 Millionen Kilowattstunden ist er vergleichbar mit dem Konsum einer Großstadt mit 208 000 Haushalten. Deutschlands Verbraucher geben für die adventliche Erhellung 196 Millionen Euro aus. Das ist das Ergebnis einer Studie von YouGov Deutschland im Auftrage des Stromanbieters Lichtblick.

Fast zehn Millionen Bäume

Schwerwiegender als die Kosten, die pro Bürger weniger als 2,50 Euro betragen, ist der Klimaeffekt. Stammt der Strom für die Lämpchen aus konventionellen Quellen, summiert sich die Belastung auf 193 000 Tonnen CO₂. Um den Effekt auszugleichen, müssten 9,6 Millionen Bäume angepflanzt werden und erst mal auswachsen.

Es weihnachtet Der Lichterglanz verbraucht während weniger Wochen ebenso viel Strom wie eine Großstadt in einem ganzen Jahr (Lichtblick)

In diesem Jahr werden deutsche Haushalte sogar 17 Prozent mehr Strom für die Lichterketten konsumieren. “Viele Menschen konnten im vergangenen Jahr die Weihnachtsfeiertage nicht wie gewohnt mit Familie und Freunden verbringen. Umso größer ist die Hoffnung, in diesem Jahr wieder mehr Weihnachts-Normalität zu haben – und damit nimmt auch das Bedürfnis zu, das eigene Zuhause gemütlich zu gestalten”, erklärt Lichtblick-Managerin Anja Fricke den Drang zur romantischen Beleuchtung.

Mehr als der Stromverbrauch für ein Jahr in Uganda

Mehr noch als die Deutschen schmücken die Amerikaner ihre Häuser und Gärten mit Weihnachtslicht. Allein der Leuchtschmuck der privaten US-Haushalte verbraucht rund 3,5 Millionen Kilowattstunden. Das ist mehr als der Jahresstromverbrauch von Uganda. Darin ist der Lichterzirkus auf den öffentlichen Straßen und in den Shopping Malls nicht eingerechnet.

Lichterglanz und gutes Gewissen schließen sich dennoch nicht aus. Hier die wichtigsten Tipps für Öko-Freaks, die nicht auf adventliche Leuchtketten verzichten wollen:

  • Wähle LED-Beleuchtung. LED-Lämpchen verbrauchen 80 bis 90 Prozent weniger Strom als die althergebrachten Glühlämpchen. Eine Stadt wie Wuppertal oder Bonn könnte dadurch allein so viel Strom einsparen wie etwa 600 Haushalte im Schnitt während eines ganzen Jahres verbrauchen. Anders als häufig behauptet, lohnt sich unter ökologischen Gesichtspunkten selbst der Austausch noch funktionierender Glühlämpchen-Ketten. Laut Öko-Institut Freiburg fällt der Energieverbrauch für die Herstellung der LEDs nur geringfügig ins Gewicht.
  • Kaufe Qualität. Eine Einladung zum Einsatz von Billiglämpchen ist mit dieser Empfehlung nicht verbunden. Viele Lichterketten halten nur eine Saison und müssen dann entsorgt werden. Nur ein kleiner Teil kommt ins Recycling. Die meisten Leuchtsysteme enthalten seltene Erden und kostbare Metalle wie Kupfer. Billiger Lichtschmuck enthält häufig auch illegale Schadstoffe.
  • Vermeide Lichtorgien. Weniger ist mehr. Häufig neutralisieren Lichterkettenfans die Energieersparnis der LEDs durch allzu üppigen Lichterschmuck. Die starke Nachtaufhellung stört darüber hinaus den Biorhythmus von Mensch und Tier. Sie regt den Stoffwechsel von Vögeln an. Diese finden dann im Winter nicht genügend Futter, um ihren Hunger zu stillen. Und: Zu viele Effekte nerven auch die Mitmenschen. Sie wirken aufdringlich und kitschig.
  • Verwende Zeitschaltuhren. Um drei Uhr nachts erfreut sich so gut wie kein Passant oder Nachbar deiner Beleuchtung. Auch Ketten, die tagsüber leuchten, weil ihre Betreiber das Ausschalten vergessen haben, tragen nicht zur Hebung der weihnachtlicher Stimmung bei. Mit Zeitschaltuhren kannst du die Leuchtdauer halbieren und brauchst nicht mehr an das Ein- und Ausschalten zu denken. Das spart nicht nur Energie und CO2, sondern vermindert auch Lichtverschmutzung.
  • Beziehe Öko-Strom. Der Verbrauch von Strom aus Wasser- und Windkraft schont das Klima.

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