Ladesäulen
Autolobby fordert mehr Tempo beim Aufstellen von Ladesäulen – staatlich forciert

Bringt die Nachfrage – sprich der Markt – ganz allein den Ausbau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge voran, oder muss die Bundesregierung dafür verpflichtende Vorgaben machen? Darüber streiten Energiewirtschaft und Autoindustrie heftig.

Ladesäule für Elektroautos
Solarstrom-Tankstelle Autolobby fordert 2000 neue öffentliche Ladesäulen jede Woche
Foto: Capri23auto auf Pixabay

Mit den galoppierenden Preisen für Benzin und Diesel und dank fetter Kaufprämien von bis zu 9000 Euro überrunden elektrisch angetriebene Mobile Verbrenner in Sachen Wirtschaftlichkeit zunehmend. Kein Wunder also, dass sich Käufer immer öfter für ein Steckermodell entscheiden. Dieses Jahres werden voraussichtlich 350 000 E-Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen – gegenüber gut 194 000 ein Jahr zuvor.

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Jede Woche 2000 neue Ladesäulen aufstellen

Vom Ziel der rot-grün-gelben Ampelregierung, dass 2030 rund 15 Millionen Stromer über hiesige Straßen flitzen, ist der Bestand zwar noch einiges entfernt. Doch das Interesse wächst spürbar. Der Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, geht es allerdings bei weitem nicht schnell genug. Im Gegenteil: Sie sieht das Hochlaufen sogar gefährdet. Ein zu dünnes Ladenetz schrecke Autofahrer ab. Sie fürchteten, mit leerer Batterie liegen zu bleiben.

Ausbautempo versiebenfachen

Als Schuldigen hat die Lobbyistin den zögerlichen Ausbau von Ladepunkten für die Stromer ausgemacht. Um die Käufer vom Umstieg zu überzeugen, müssen Müller zufolge jede Woche 2000 neue Stromtankstellen ans Netz gehen. Tatsächlich seien es aber nur 300. „Deutschland hängt beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für die E-Autos extrem hinterher”, moniert die Funktionärin und fordert die Regierung auf, das Tempo zu versiebenfachen.

Klassisches Henne-Ei-Problem

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Dachverbands der Energiewirtschaft (BDEW), widerspricht entschieden. Sie lehnt staatliche Einmischung ab und vertraut auf den Marktmechanismus. Die Stromanbieter würden von selbst in Ladesäulen investieren, sobald sich damit Geld verdienen lasse. Sie würden dort aufgestellt, wo tatsächlich Bedarf bestehe. Starre Zielvorgaben hingegen bürgen die Gefahr eines Überangebots und dass Stromzapfsäulen auch an Orten ohne Nachfrage entstünden.

“Nur der Wettbewerb sorgt für die besten Preise und den besten Service”, ist Andreae überzeugt. Der Konflikt zwischen den Verbänden spiegelt das klassische Henne-Ei-Problem wider: Was bedingt was?

Stromnetze am Rande des Zusammenbruchs

Die Zurückhaltung der Elektrizitätsbranche beruht auch darauf, dass die Stromnetze bisher nur ungenügend auf die schwer kalkulierbaren Belastungen durch die Elektromobilität ausgelegt sind. Verschärft wird das Problem durch den parallelen Anschluss vieler privat betriebener Ladestation. Entstehen in einer Straße mehrere davon und betanken die E-Auto-Besitzer ihre Fahrzeuge alle zur gleichen Uhrzeit, gerät die Spannung im Netz schnell ins Wackeln, berichtet der Energieversorger EnBW.

Bündel aus attraktiven und unattraktiven Standorten

Die unumgängliche Ertüchtigung der Stromnetze wird die Betreiber erst einmal zig-Millionen Euro kosten, soviel ist klar. Um Risiken und Gewinnmöglichkeiten fair zu verteilen, raten Experten wie Moritz Bergfeld, Verkehrsforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Bündel aus attraktiven und unattraktiven Ladestationen zu bilden. „Ein Betreiber, der sich auf einen attraktiven Standort bewirbt, muss dann auch unattraktive Standorte betreiben.” Seine Erwartung: Mit diesem Kniff ließen sich Löcher im Ladenetz vermeiden.

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