400 Euro als THG-Prämie? Kommt jetzt wieder der Geldregen für E-Autofahrer?

Die THG-Prämie kannte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: nach unten. Doch jetzt dreht sich der Trend. Kommen die Prämien wieder auf ihr altes Niveau?

 E-Auto beim Laden Steigt die Höhe der THG-Prämie wieder? (Andreas/pixabay)
 E-Auto beim Laden Steigt die Höhe der THG-Prämie wieder? (Andreas/pixabay)

E-Autofahrer haben in den vergangenen Jahren einiges durchgemacht. Fast zeitgleich mit dem Wegfall der Kaufprämie für Stromer bewegte sich die THG-Prämie in Richtung Null. Noch im Jahr 2022 gab es Rekordprämien von 400 Euro oder mehr. Nur zwei Jahre später sanken die Prämien auf 70 Euro bis 120 Euro.

Grund für den Preisverfall war neben der wachsenden Zahl von E-Autos vor allem die Änderungen im Strommix. Der hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Denn wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ersetzten die E-Werke das Russengas teilweise durch Kohle. Das Umweltbundesamt hat daher die CO2-Einsparungen von E-Autos niedriger angesetzt. Dazu kamen Effekte durch Fake-Biokraftstoffe aus China, die zeitweise den deutschen Markt überfluteten. Zusätzlich lieferten die Mineralölkonzerne verstärkt auch echte Biokraftstoffe. Denn für saubere Kraftstoffe gibt es THG-Quoten – ähnlich wie für E-Autos.

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Warum gibt es überhaupt THG-Prämien? Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) wurde von der Bundesregierung zwecks Klimaschutz‘ eingeführt. Sie verpflichtet Mineralölunternehmen, die CO₂-Emissionen im Verkehr jedes Jahr zu senken. Zurzeit liegt Minderungsquote bei elf Prozent. Bis Ende 2030 soll sie auf 25 Prozent steigen.

Treibhausgas-Minderungsquote Verdoppelung in den kommenden vier Jahren (Scharr)

TGH-Prämie wie vor drei Jahren?

Viele Konzerne können diese Quote nicht einhalten. Sie können jedoch von E-Autofahrern eingesparte CO₂-Emissionen einkaufen oder mehr Biokraftstoffe einsetzen, um Strafzahlungen zu entgehen. Die Höhe der THG-Prämie schwankt dauernd und ist abhängig von Faktoren wie dem Kraftstoffabsatz, dem Anteil sauberer Kraftstoffe, dem Strommix und der Anzahl der E-Autos.

Für das laufende Jahr mussten sich daher viele Stromerfahrer mit nur 50 Euro bis 100 Euro begnügen. Übel: Die höheren Beträge gibt es in der Regel nur bei mehrjähriger Bindung an einen THG-Anbieter oder bei riskanten Flex-Optionen.

Entwicklung der THG-Prämie Ist das Tal der Tränen bald durchschritten? (Verivox)

Doch nun können sich E-Autofahrer wieder auf mehr Geld freuen. Im kommenden Jahr könnte die THG-Prämie rein rechnerisch auf 400 Euro oder mehr steigen. Von dieser optimistischen Annahme gehen inzwischen etliche THG-Anbieter aus – zumindest für die Flex-Tarife. Doch selbst für jene, die den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorziehen und deshalb jetzt schon die Garantieauszahlung für 2026 beantragen, gibt es Prämien von 140 Euro.

Tatsächlich sind die Auszahlungen schon in den vergangenen Monaten angestiegen. Inzwischen liegt die Höhe der Prämien bei 200 Euro. Zwar hat sich der Trend in den vergangenen drei Wochen verlangsamt. Doch gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten die Kurve wieder nach oben bewegt.

THG-Prämie 2025 Steiler Anstieg seit Ende des Sommers (Einfach E-Auto)

Strengere Kontrollen

Es gibt gleich mehrere Gründe für den erwarteten Anstieg. Zum einen treibt die jährlich steigende Treibhausgas-Minderungsquote die Preise. Zusätzlich sprerren strengere Kontrollen gefälschte Biokraftstoffe vom Markt aus. Darüber hinaus verknappt seit zwei Jahren ein Palm- und Sojaölverbot für Biokraftstoffe das Angebot an nachhaltigen Kraftstoffen. Damit nicht genug: Biokraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen werden bislang dreifach auf die gesetzliche Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) angerechnet. Doch diese Mehrfachanrechnung wird voraussichtlich reduziert. Auch der sich stetig verbessernde Strommix treibt die THG-Preise nach oben.

Ob und wie stark sich diese Effekte auswirken, ist nicht sicher. Zum einen kann sich die Einführung neuer Gesetze verzögern. Zum andern wirken sich mehr Zulassungen von E-Autos immer negativ auf die Höhe der Prämien aus. Auch neue nachhaltige Kraftstoffe könnten die Prämienentwicklung dämpfen. Im Grunde ist die Entwicklung der THG-Prämie ähnlich ungewiss wie die Entwicklung der Kurse an der Börse. Es gibt zu viele unvorhersehbare Faktoren, die den Markt beeinflussen.

Beneidenswert billig

Ab 2027 könnte das Europäische Emissionshandelssystem 2 (EU-ETS 2) die Prämie zusätzlich unter Druck setzen. Mit dem neuen Emissionshandelssystem wird Heizen und Tanken mit fossilen Brennstoffen teurer. Wer Benzin, Diesel oder Gas verkauft, muss entsprechend der anfallenden CO2-Emissionen Berechtigungen kaufen. Wenn aber die Unternehmen ihre Verminderungsziele auch über den Kauf von ETS2-Zertifikaten erreichen, dürfte die Nachfrage nach THG-Zertifikaten sinken. Die Zertifikate konkurrieren dann auf dem Markt. Entsprechend könnte die Höhe der THG-Prämien sinken. Verbrenner-Kraftstoffe werden dann wegen der ETS2-Zertifikate allerdings so teuer, dass die Nutzer von Diesel- oder Benzinfahrzeugen neidisch auf die E-Autofahrer blicken werden – selbst dann, wenn die THG-Prämien gen Null rauschen sollten.

Mehr: THG-Quotenportal; Verivox; THG-Quote vergleichen

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