9-Euro-Ticket hat den Autoverkehr kaum vermindert

Zwar ist die Datenlage noch dünn, aber erste Untersuchungen zeigen: Das 9-Euro-Ticket dürfte die Erwartungen nicht erfüllt haben, dass dadurch der Autoverkehr vermindert wird. Eher fuhren die Leute einfach mehr Bahn.

Mal ‘nen Ausflug wagen: Viele Käufer des 9-Euro-Tickets fuhren nicht weniger Auto, sondern unternahmen einfach ein paar zusätzliche Trips mit dem Zug (Foto: Thomas / pixabay)

Noch bevor das 9-Euro-Ticket für die deutschlandweite Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs Ende August ausläuft, zeigen sich die ersten Folgen. Auch wenn die Auswertung, die von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) angkündigt wurde, noch gar nicht richtig angefangen hat, steht so gut wie fest: Die von den Grünen behauptete Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf Bus und Bahn dürfte kaum stattgefunden haben. So ergab die Auswertung von Bewegungsdaten Hunderter Teilnehmer im Großraum München, dass 35 Prozent der Probanden häufiger mit Bus und Bahn fuhren, jedoch nur drei Prozent ihr Auto weniger nutzten. Der Straßenverkehr ging im Juni, statt wie üblich zu steigen, lediglich um drei Prozent zurück.

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Lächerliche zwei bis drei Prozent weniger Autoverkehr

Den Grund dafür hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ermittelt. Nach seinen Erhebungen hätte rund ein Viertel der Fahrten mit Bus und Bahn ohne das 9-Euro-Ticket gar nicht stattgefunden. Das heißt, die Trips mit Bus und Bahn waren zusätzliche Fahrten und keine Ersatzfahrten, die sonst mit dem Auto gemacht worden wären. “Aus den bisherigen Untersuchungen lässt sich nur ein leichter Verlagerungseffekt von der Straße auf den Öffentlichen Verkehr von bestenfalls zwei bis drei Prozent erkennen”, so Christian Böttger, Bahnexperte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW).

Investitionen sind der Schlüssel

Eine Neuauflage des 9-Euro-Tickets brächte auf Basis dieser Erkenntnisse außer den großstädtischen Grünen-Wählern kaum etwas. “Wenn wir wirklich stabiles Wachstum wollen im Öffentlichen Verkehr, dann müssen wir vor allem die Kapazitäten entsprechend erweitern”, so HTW-Experte Böttger. “Was wir gesehen haben, ist, dass das System wirklich am Anschlag ist.” Nach Meinung des Wissenschaftlers braucht es dazu Investitionen von 150 Milliarden Euro, die aber bei der Ampel-Koalition nicht erkennbar seien. “Die Regierung ist weit, weit davon entfernt, diese Investitionen bereitzustellen.”

Mehr: Spiegel

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