Die zunehmenden Dürren durch den Klimawandel schüren die Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Viehhirten und christlichen Bauern in Nigeria.

Die klimabedingten Dürren in der Sahelzone verschärfen die religiösen Gegensätze zwischen Christen und Muslimen. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Untersuchung zeigt am Beispiel der Konflikte zwischen Viehhirten (meist nomadische Fulani) und sesshaften Bauern im Norden Nigerias, wie Dürren religiöse Spannungen in kriegerische Auseinandersetzungen münden. Der Studie zufolge müssen Trockenperioden allerdings nicht zwangsweise zu gewaltsamen Streitigkeiten führen. Gewalt ist nur in den Regionen zu erwarten, in denen muslimische Hirten auf eine mehrheitlich christliche Bevölkerung treffen.
Die Forscher haben dazu Daten aus rund 300 Gebieten in der Zeit von 1997 bis 2020 Nigerias ausgewertet. Das Auftreten von Dürrzeiten ermittelten sie mit einem standartisierten Index. Die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung bestimmten sie nach der Zahl der Kirchen und Moscheen in den jeweiligen Gegenden. Zusätzlich führten die Wissenschaftler eine Umfage im nigerianischen Bundesstaat Kaduna durch.
Klimawandel erhöht religiöse Spannungen
Der Studie zufolge erhöhen Dürren das Auftreten von Konflikten zwischen Nomaden und Bauern nur dann, wenn in einer Region Christen und Moslems bereits spannungsreich zusammen leben. In den Teilen des Landes, in denen muslimische Hirten einer überwiegend muslimisch sesshaften Bevölkerung gegenüberstehen, erhöht sich auch nach Dürren das Konfliktpotential nicht. In Gegenden mit gemischt religiöser Bevölkerung besteht allerdings bereits unabhängig vom Auftreten der Dürren ein erhebliches Konfliktpotential. Die Wechselwirkung von Dürren und religiösen Spannungen verstärkt dieses Potential jedoch erheblich.
Die Befragungen in Kaduna ergänzen diese Befunde. Befragte Christen sehen häufiger religiöse Ursachen in dem Konflikt um Weideflächen. Darüber hinaus misstrauen sie den muslimischen Fulani. Moslems machen hingegen häufiger Dürren und die Konkurrenz um die Ressourcen als Ursache aus. Die verschiedenen Sichtweisen tragen zur Eskalation bei.
Ökologische Bewirtschaftung
Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Grundzüge der Konflikte auch für weite Teile der Sahelzone außerhalb Nigerias gelten. Um die Streitigkeiten zu entschärfen, seien ein besseres Dürremanagement mit verbesserter Wasserverwendung und ökologischen Bewirtschaftungsmethoden, ein Frühwarnsystem für extreme Wetterereignisse, sowie alternative Einkommensquellen notwendig. Zudem sollten Programme zur Vertrauensbildung und Mediationen bei religiösen Streitigkeiten initiiert werden.
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