Die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group hat eine Agenda 2026 erstellt, was in diesem Jahr zur erfolgreichen Fortsetzung der Energiewende passieren muss. Greenspotting stellt die elf entscheidenden Maßnahmen exklusiv vor. Zweiter wichtiger Punkt: Die Einhaltung und schnellere Umsetzung der Klimaziele.

Erster Punkt der Agenda 2026, die die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group erstellt hat, um die Energiewende in Deutschland voranzubringen, ist mehr Aufklärung – nämlich darüber, dass die erneuerbaren Energien die Stromversorgung nicht teurer sondern günstiger machen. Der zweite wichtige Punkt der Agenda 2026, über die Greenspotting exklusiv berichtet, ist die Forderung, die Klimaziele einzuhalten und schneller umzusetzen, um die Planungssicherheit für die Unternehmen und damit die Basis für Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Denn in der aktuellen politischen Debatte wird – zu Unrecht – zunehmend infrage gestellt, dass die Klimaziele realistisch und wirtschaftlich tragfähig sind.
Behauptet wird…
… der Umstieg auf erneuerbare Energien sei im vorgesehenen Zeitrahmen kaum praktikabel. Deshalb müssten die Klimaziele abgeschwächt oder verschoben werden – etwa das EU-Zulassungsverbot für neue Fahrzeuge mit fossilem Verbrennungsmotor ab 2035, das Ziel einer 90-prozentigen Emissionsminderung in der EU bis 2040 oder die Klimaneutralität Deutschlands bis 2045.
Tatsache ist jedoch…
Das Infragestellen bestehender Klimaziele untergräbt die Investitionssicherheit – gerade in einer Phase schwacher Konjunktur. Unternehmen brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen, um Investitionen in Milliardenhöhe zu tätigen. Wer Klimaziele relativiert, verzögert Investitionsentscheidungen und bremst den Umbau des Energiesystems. Das schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland.
Die Einhaltung der Klimaziele ist technisch und wirtschaftlich machbar. Mehr noch: Die notwendigen Kapazitäten für den Ausbau von Wind- und Solarenergie, für Batteriespeicher, Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen sind bereits vorhanden und können bei entsprechender Nachfrage zügig erweitert werden. Damit ist das Einhalten der Klimaziele nicht die Obergrenze, sondern die untere Grenze dessen, was heute realistisch ist.
Ein Blick auf die Ausschreibungen der Bundesnetzagentur für Windenergie an Land und Photovoltaik-Freiflächen bestätigt dies. Sie sind regelmäßig deutlich überzeichnet – und das innerhalb der geltenden Preisobergrenzen. Es stehen also erhebliche ungenutzte Investitionsmittel und Projektkapazitäten bereit, um den Ausbau erneuerbarer Energien schneller voranzubringen. Auch bei Photovoltaikanlagen auf Dächern sind derzeit keine relevanten Lieferengpässe erkennbar.
Mehr Tempo bei der Elektromobilität schafft Sicherheit – dies ist die wichtige Botschaft für den Verkehrssektor. In Norwegen liegt der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen inzwischen bei über 90 Prozent. Auch in Deutschland steigt der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge kontinuierlich, auch ohne zusätzliche Kaufprämien, wie sie jetzt für niedrigere Einkommen geplant sind. Die Produktionskapazitäten für mehr Elektrofahrzeuge sind vorhanden. Ein struktureller Engpass besteht nicht – im Gegenteil: International gibt es deutliche Überkapazitäten. Die Umstellung der Automobilhersteller auf Elektromobilität verläuft dabei weitgehend arbeitsplatzneutral. Je planbarer und zügiger sie erfolgt, desto besser sind Unternehmen auf den globalen Automobilmarkt der Zukunft vorbereitet und desto stabiler sind Beschäftigungsperspektiven.
Eine Verzögerung der Umstellung auf Elektrofahrzeuge dient hingegen vor allem kurzfristigen Gewinnerwartungen einzelner Akteure. Für Zulieferer von Verbrennungskomponenten gilt: Ein später Strukturwandel gefährdet mehr Arbeitsplätze als ein frühzeitiger verlässlicher Umstieg.
Das Aufschieben der Wärmewende erhöht Kosten. Auch im Wärmesektor sind die notwendigen Kapazitäten für einen beschleunigten Umstieg auf nicht-fossile Energiequellen grundsätzlich vorhanden. Nach einem temporären Rückgang im Jahr 2022 steigt der Absatz von Wärmepumpen wieder deutlich an. Branchenprognosen zufolge wird die Wärmepumpe 2025 die meistverkaufte Heizungsart in Deutschland sein. Eine Verzögerung der Wärmewende verteuert den Ausstieg aus fossilen Energieträgern erheblich. Wird die Heizungsumstellung auf die Zeit kurz vor 2045 verschoben, drohen Lieferengpässe, Preissteigerungen und ein unnötiger wirtschaftlicher Schock. Ein kontinuierlicher, frühzeitiger Ausbau ist dagegen kosteneffizienter und sozial besser steuerbar.
Fazit: Die globale Erwärmung hat die 1,5-Grad-Marke bereits zeitweise überschritten und droht dauerhaft gerissen zu werden. Das verbleibende globale CO2-Budget ist äußerst begrenzt. Um ein Überschreiten der 2-Grad-Grenze zu vermeiden, muss die Welt spätestens in den 2030er-Jahren klimaneutral werden. Daraus ergibt sich auch für Deutschland ein klarer Handlungsdruck. Angesichts der knappen Zeit und der vorhandenen Kapazitäten spricht vieles dafür, den Umbau des Energie-, Wärme- und Verkehrssystems schneller voranzubringen, als es die aktuellen Zielpfade vorsehen. Dies ist durchaus praktikabel und dient dem Erhalt von Arbeitsplätzen sowie dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Es ist zudem nach dem völkerrechtlich bindenden Pariser Klimavertrag notwendig und – angesichts des Schadens und Leidens, die eine weitere Erwärmung in der Welt verursacht – auch unsere Verantwortung als Mitglied der Weltgemeinschaft.
Geboten ist deshalb…
- …. die verabschiedete Klimaziele auf keinen Fall aufzuweichen sondern – im Gegenteil – sie schneller umzusetzen;
- ab sofort nicht mehr in fossile Heizungen, Autos und und Kraftwerke zu investieren, sondern den fälligen Austausch und Neubau für den Umstieg auf erneuerbare Energien zu nutzen.


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