Dafür, dass Strom durch Leitungen zu ihnen fließt, müssen Verbraucher sogenannte Netzentgelte bezahlen. Um die Kunden zu entlasten, erwägt die Bundesregierung, den Stromerzeugern Netzentgelte aufzubürden. Doch das ist der falsche Weg und würde den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen, sagt die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group in ihrer Agenda 2026 zum Gelingen der Energiewende.

Verbraucher müssen in Deutschland nicht nur den eigentlichen Strom, sondern auch dessen Transport zu ihnen bezahlen. Dieser Leitungszoll heißt Netzentgelt und beläuft sich aktuell auf durchschnittlich 8,5 Cent pro Kilowattstunde. Ein Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4 000 Kilowattstunden muss im Schnitt rund 416 Euro an Netznutzungskosten bezahlen. Eigentlich müssten es viel mehr sein, doch die Bundesregierung schießt 6,5 Milliarden Euro hinzu, sodass die Verbraucher entlastet werden und das Netzentgelt 2026 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückeht.
Doch es gibt ein Problem: Deutschlands Stromnetz muss ausgebaut werden, um die Verteilung insbesondere des Windstroms aus dem Norden und den Anschluss weiterer Erneuerbarer Energien zu ermöglichen. Darüber ist ein Streit entbrannt, wer für die zusätzlichen Kosten aufkommen soll. Die Bundesregierung erwägt, die Stromerzeuger, darunter insbesondere die neuen grünen, mit Netzentgelten zu belasten. Die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group lehnt das ab, unter anderem weil dies den Ausbau der grünen Stromerzeugung bremsen würde.
Gesagt wird…
… Das Stromnetz in Deutschland muss ausgebaut werden. Das kostet Geld, also müssen die Netzentgelte steigen. Um die Stromverbraucher zu entlasten, sollen die Erzeuger für die Einspeisung von Strom bezahlen und mit diesen sogenannten Einspeise-Netzentgelten zur Deckung der Netzkosten beitragen. Durch unterschiedlich hohe Einspeise-Netzentgelte ließe sich zugleich der Zubau erneuerbarer Energien regional steuern und an der Leistungsfähigkeit des Stromnetzes ausrichten. Keine Rede davon ist, dass auch bestehende fossile Kraftwerke Einspeise-Netzentgelte bezahlen sollen.
Mehr bezahlen sollen zudem die sogenannten ProSumer, das sind Akteure, die sowohl Strom etwa mit ihrer Solaranlage Strom erzeugen als auch aus dem Netz beziehen. Sie bezahlen bei mangelndem Solar- und Windstrom ebenfalls Netzentgelte für den ihnen bezogenen Strom. Weil dieser Strombezug jedoch niedriger ist als bei den reinen Stromverbrauchern und sich das Netzentgelt somit nur an den eher wenigen Kilowattstunden Strom aus dem Netz orientiert, tragen die ProSumer also auch weniger zur Deckung der Netzkosten bei. Deshalb sollen sie durch Einspeise-Netzentgelte oder höhere Netz-Grundgebühren mehr zur Deckung der Netzkosten beitragen.
Was zutrifft…
Wenn Erzeuger Einspeise-Netzentgelte zahlen, bleiben sie nicht bei diesen, sondern werden letztlich auf den Strompreis umgelegt und somit vom Stromverbraucher getragen. Insofern entlasten Einspeise-Netzentgelte den Stromverbraucher, anders als behauptet, nicht.
- Einspeise-Netzentgelte würden zudem hohe Unsicherheit und Komplexität in Investitionsentscheidungen neuer potenzieller Einspeiser bringen und somit die Energiewende bremsen: Wer würde festlegen, welcher Anteil durch Erzeuger zu tragen wäre, und wie dieser Anteil auf einzelne Erzeuger umzulegen wäre? Der Klärungsprozess wäre langwierig und das Ergebnis sicher komplexer als der Status Quo.
- Dagegen lassen sich alle der genannten Steuerungsziele einfacher und wirksamer mit den in dieser Agenda 2026 bereits genannten Maßnahmen erzielen. Dazu zählt das Recht, an Anschlussstellen mehr Leistung anzuschließen, als diese auf dem Papier erlauben, die regionale Steuerung des Ausbau der erneuerbaren Energien, die Umstellung der Netzentgelte aller Stromkunden einschließlich der ProSumer auf die in Anspruch genommene Leistung anstelle des Verbrauchs.
- Die Netzentgelte auf Basis der Leistung bemessen sich je nach Höhe der in Anspruch genommenen Leistung. Die maximale in Anspruch genommene Leistung, auch Spitzenlast genannt, tritt meist im Winter auf; dann würde logischerweise auch das höchste Netzentgelt fällig, weil das Netz dann am meisten in Anspruch genommen wird. Das ist verursachergerecht. In Frühjahr, Sommer und Herbst hingegen wird viel Solarstrom erzeugt. Das heißt: Solarstrom wird vor allem außerhalb der Zeiten erzeugt, in denen am meisten Leistung aus dem Netz in Anspruch genommen wird. Deshalb fällt beim Verbrauch von Solarstrom auch weniger Netzentgelt an, wenn dieses nach der abgerufenen Leistung berechnet wird. Aus diesem Grund macht die Umstellung auf Netzentgelte auf Basis der abgerufenen Leistung anstelle des Verbrauchs die Nutzung von Solarstrom über das öffentliche Netz deutlich günstiger, denn die Netzentgelte von heute etwa 8,5 Cent pro Kilowattstunde auch auf Solarstrom entfallen dann großenteils. Durch die dann stark reduzierten Netzentgelte für den Solarstrom aus dem Netz sinkt zugleich der Wettbewerbsnachteil der Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen gegenüber den Solaranlagen auf dem Dach des Eigenheims, für deren selbst genutzten Strom ja keine Netzentgelte anfallen. Dies ist gut, weil auf diese Weise Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen ihre sehr günstigen Stromgestehungskosten von fünf Cent pro Kilowattstunde besser ausspielen können, was volkswirtschaftlich erwünscht ist. Die deutlich niedrigeren Netzentgelte für Solarstrom auf Basis der in Anspruch genommenen Leistung macht nebenbei auch die Teilung von Solarstrom vom eigenen Dach über das öffentliche Netz mit anderen Verbrauchern, das sogenannte Energy Sharing, deutlich günstiger.
Was geboten ist…
- Einspeise-Netzentgelte dürfen nicht eingeführt werden.
- Beschleunigte Umstellung aller Stromkunden auf dynamische Netzentgelte mit Hilfe intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Metern.


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