Batteriezellen – Europa hat den Einstieg in Produktion und Entwicklung verschlafen

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Europas Unternehmen verzichten auf Milliardengewinne und machen sich bei Batteriezellen abhängig von asiatischen Herstellern. Tröstlich: Ein Aufholen ist denkbar. Aber schwierig.

Antriebsakku aus Südkorea Europa hat bei der Produktionstiefe von Batteriezellen Nachholbedarf (Renault)
Antriebsakku aus Südkorea Europa hat bei der Produktionstiefe von Batteriezellen Nachholbedarf (Renault)

Vorerst hat sich die Abhängigkeit von asiatischen und vor allem chinesischen Herstellern vergrößert. Im vergangenen Jahr kamen 77 Prozent der Batteriezellen für E-Autos aus Asien. Ein Jahr davor waren es nur 70 Prozent. Traurig, aber wahr: Auch die in Europa hergestellten Batteriezellen stammen meist aus Werken, die zu asiatischen Konzernen gehören. Europa hält zwar einen globalen Marktanteil von 13 Prozent. Doch 98 Prozent der Batteriezell-Anlagen in Europa gehören zu asiatischen Gruppen.

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So gehört die Anlage im thüringischen Arnstadt dem chinesischen Batteriegiganten CATL. Das chinesische-japanische Joint Venture AESC betreibt eine große Gigafactory im englischen Sunderland. Der südkoreanische Technologie-Riese LG verfügt im polnischen Breslau über ein Werk. Der chinesische Konzern Gotion High-Tec fertigt Batteriezellen in Göttingen. Die Liste asiatischer Hersteller in Europa ist damit nicht zu Ende.

Einer jüngst erschienenen Studie des Consulters Deloitte zufolge verzichtet die europäische Automobilindustrie dadurch auf Gewinne in Milliardenhöhe. Allein bis zum Jahre 2030 summieren sich der Studie zufolge die verpassten Gewinne der Auto- und Batteriebauer auf 10,5 Milliarden Euro. Bezogen auf die gesamte Produktionskette mit Rohgütern, Komponenten, Fertigungsanlagen und Experten-Beschäftigung beträgt die entgangene Wertschöpfung 100 bis 150 Milliarden Euro. Antriebsbatterien sind nicht ein beliebiges Bauteil im E-Auto. Sie machen rund 40 Prozent der Gesamtkosten eines Fahrzeuges aus.

Batteriezellen – Einstieg vermasselt

Zwar gab es immer wieder in der Vergangenheit Versuche europäischer Unternehmen, in der Herstellung von Batteriezellen mitzumischen. Doch dazu hätten sie zweistellige Milliardensummen riskieren müssen. Gemeinschaftsfirmen waren meist zu klein und nicht hinreichend finanziert, um auf dem global organisierten Markt durchzuhalten. Fehlender finanzieller Atem war neben massiven Managementfehlern auch einer Gründe für die Pleite des schwedischen Batteriebauers Northvolt.

Wertschöpfung in der Batterieproduktion Europa vor allem schwach bei Vorprodukten und im Bau von Batteriezellen (Deloitte)
Wertschöpfung in der Batterieproduktion Europa vor allem schwach bei Vorprodukten und im Bau von Batteriezellen (Deloitte)

Besonders schwach sind die europäischen Unternehmen bei der Materialgewinnung und der Weiterverarbeitung der Rohstoffe. Dies sind aber die Segmente, in denen der Großteil der Wertschöpfung bei der Batterieproduktion anfällt. Allein die Materialgewinnung und -aufbereitung machen 50 bis 60 Prozent der Wertschöpfung aus. Auf die Zellproduktion entfallen 15 bis 30 Prozent. Folglich verzichten Europas Hersteller auf bis zu 90 Prozent der Wertschöpfung und der damit verbundenen Gewinne.

Verloren gibt Deloitte Europas Batterie-Industrie dennoch nicht. Es gelte, künftige Technologie-Sprünge in der Batterietechnik zu nutzen, um mit einer koordinierten Industriepolitik Marktführer zu entwickeln. Wichtig sei dabei, dass der Zugang zu Rohmaterialien gesichert werde. Dazu müsse auch das Batterie-Recycling ausgebaut werden. Hoffungen macht den Deloitte-Experten der Milliardenplan der EU-Kommission für saubere Industrie und die damit verbundene Batterie-Booster-Strategie.

Mehr: Deloitte; electrive

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