Es ist einer der größten Trugschlüsse der Verkehrswende und Bluffs der Autokonzerne: Hybridfahrzeuge stoßen entgegen Herstellerangaben nicht weniger, sondern etwa so viel CO2 aus wie Benziner – zu Lasten des Klimas.

Die Prognosen zeigen nach oben: Nach 271,80 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr dürfte der Wert der verkauften Hybridautos weltweit auf 504,18 Milliarden Dollar im Jahr 2032 wachsen, im Schnitt um 7,1 Prozent pro Jahr. Für das Klima ist das jedoch eine schlechte Nachricht. Denn anders als von den Herstellern veröffentlicht, stoßen Autos sowohl mit Verbrennungs- als auch mit Elektromotor etwas gleich viel CO2 aus wie durchschnittliche Benziner. Nach Daten der Europäischen Umweltagentur pusten Plug-in-Hybride, die man per Stecker aufladen kann, in der Praxis nämlich 139 Gramm CO2 die Luft – und nicht 28 Gramm, wie die Hersteller dies angeben. Das Wert entspreche dem CO2-Ausstoß eines Mittelklasse-Benziners. Trotzdem dürfen die Hersteller die realitätsfremden Werte ihren Flotten zugute schreiben.
Plug-in-Hybride sind keine Niedrig-Emissionsfahrzeuge
Der hohe CO2-Ausstoß in der Realität ergibt sich daraus, dass die Besitzer von Plug-in-Hybriden in der Praxis im Schnitt so lange Strecken fahren, dass der Antrieb auf Benzin oder oder Diesel umschalten muss, was wiederum die C02-Vermeidung während der ersten elektrischen Kilometer zunichte macht. An die Öffentlichkeit gebracht wurde die traurige Wahrheit von dem Thinktank Transport & Environement (T&E), der sich als europäischer Dachverband nicht staatlicher Organisationen für nachhaltigen Verkehr einsetzt. Laut T&E wertete die Europäische Umweltagentur Daten von 127 000 Plug-In-Hybriden aus, die 2023 zugelassen worden waren. „Plug-In-Hybride werden als Niedrig-Emissionsfahrzeuge verkauft, aber wenn man sie im Realbetrieb mit Verbrennern vergleicht, sind sie sehr, sehr ähnlich“, so T&E-Direktor William Todts.
Konzerne fordern Ende der Realitätschecks bei Hybriden
Die Messergebnisse strafen die Hersteller nicht nur Lügen, sondern führen auch noch dazu, dass sie die vorgeschriebene Reduzierung des CO2-Ausstoßes ihrer Fahrzeugflotten mit Hilfe von Hybriden eigentlich nicht erreichen und somit zu Milliardenstrafzahlungen gezwungen sein werden. Und wie reagieren die Hersteller auf das drohende Ungemach? Der Vorsitzende des Auto-Lobbyverbandes ACEA, Mercedes-Chef Ola Källenius, und der Präsident des Zuliefererverbandes CLEPA, Schaeffler-Manager Matthias Zink fordern, den Realitätscheck bei den Hybridfahrzeugen zu unterlassen, weil dieser „unseren Wettbewerbern einen kontraproduktiven Vorteil verschaffen könnte“. Denn dann würden Hybride eher außerhalb Europas gebaut, wo man nicht so streng hinsehe.
Mehr: Spiegel

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