Dachgärten – grüne Oasen über der Stadt

Warum die Dächer der Ödnis überlassen? Wachsen Pflanzen und Bäume darauf, bringt das ein Stück Natur zurück in die Stadt. Die Vorteile solcher Dachgärten sind vielfältig: Sie verbessern das Stadtklima, binden CO2, streicheln die Seele und liefern Essbares.

Dekorative Dachgärten in London vor der Skyline der Stadt
Dekorative Dachgärten in London Grüner Augenschmaus statt Taubenkot Foto: Frank Nürnberger/Pixabay

Würden Ideen der Münchner Architekturstudentinnen Paulina Knodel und Julia Wieshuber Realität, würde ein Ausflug ins Kölner Römisch-Germanische Museum um ein ganz neues Erlebnis bereichert. Nach Studium der Altertümer könnte der Besucher auf die neu angelegten Dachgärten des weitläufigen Gebäudes hinaustreten. Von dort, umgeben von Blumen, Büschen und Vogelgezwitscher, den nahen Kölner Dom bewundern (siehe Computeranimation unten). Der Dachgarten als grüner Gegenpol gegen die feindliche Betonwüste ringsum – so die Ambition der Studentinnen.

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Dachgärten auf dem Römisch-Germanischem Museum neben dem Kölner Dom (Computergrafik)
Dachgärten auf dem Kölner Römisch-Germanischem Museum (Grafik) Gegenpol zur Betonwüste
Bild: Julia Wieshuber, Paulina Knodel

Der Gedanke, den global wuchernden Ökosystem-Zerstörer Stadt zumindest ein wenig wieder mit der Natur zu versöhnen, ist so neu nicht. Ein Vorreiter war der Wiener Maler, Philosoph und Öko-Aktivist Friedensreich Hundertwasser. In mehr als 40 Architekturprojekten weltweit bepflanzte er die Dächer mit Bäumen. Getreu seinem Motto: Ich gebe der Natur oben das zurück, was ich ihr unten wegnehme.

Dachgärten werden zum globalen Trend

Inzwischen hat sich der Gedanke zum Trend ausgewachsen. Weltweit investieren Planer und Stadtverantwortliche massiv in urbane Ökosysteme, um den bedrohlichen Auswirkungen der Klimakrise wie Hitzewellen, Starkregen und Luftverschmutzung gerade in den Metropolen etwas entgegen zu setzen. Besonders ambitioniert geht dabei Singapur vor: begrünt seine Hochhäuser, verbannt Straßen in Tunnel, auf denen wieder Bäume wachsen, legt Stadtfarmen und vertikale Gärten an.

Mehrere Nummern kleiner gehen derzeit noch Kölns Stadtplaner vor. Vor vier Jahren brachten sie ein Förderprogramm für Dachbegrünung auf den Weg. 503 Projekte wurden damit immerhin bereits realisiert, meist in Verbindung mit der Installation einer Solaranlage. Jetzt ist sogar ein Hochhaus-Komplex mit terrasierten Dachgärten in Planung.

Warm im Winter, kühl im Sommer

“Dachbegrünung ist ein wichtiger Baustein zur Anpassung an den Klimawandel” begründet die Stadt ihr auch finanzielles Engagement. “Grüne Dächer wirken wie ein Schwamm und eine Klimaanlage”, erläutern ihre Experten weiter. Soll heißen: Bei Sturzregen halten Erde und Pflanzen einen Teil des Wasser zurück. Es kann später langsam verdunsten statt die Kanalisation zu überfluten. Dabei kühlt es die Umgebung ab.

Dachgärten ale grüne Idylle gegen den Hitzestress in Frankfurt am Main
Skygarden vor der Wolkenkratzerkulisse in Frankfurt am Main Grüne Idylle gegen Hitzestress
Fotomontage: Kayo Färber, Jannes Scherzer

Das ist nicht alles. Architektur-Zeitschriften listen in ausführlichen Artikel viele weiterer Vorzüge auf: Lärmminderung, Staubbindung, Ersatzlebensraum für Tiere, Wärmedämmung im Winter, HItzeschutz im Sommer, Wohlfühloase für die Bewohner. Und nicht zu vergessen: Die grünen Dächer bieten Raum, eigene Nahrungsmittel anzubauen.

Selbstversorgung mit Obst und Gemüse vom Dachacker

Diese Nutzung gewinnt rund um den Globus Anhänger. Ein Hotspot ist New York City, wo die Selbstversorgung mit gesundem Obst und Gemüse auch eine starke soziale Komponente hat. Bei vielen Mitgliedern – sei es in Harlem oder East New York – reicht das Geld so gerade eben, um billiges Fast Food einzukaufen. Zudem stärken Projekte wie die 2009 als Erste gestartete Eagle Street Rooftop Farm die Nachbarschaftshilfe in den Stadtteilen. Und sie wecken Verständnis für ökologische Zusammenhänge und Nachhaltigkeit.

Unreglementierte Unregelmäßigkeit statt Monotonie

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, braucht nicht bei Null anzufangen. Immobilienbesitzer und Mieter können sich zum Beispiel auf der Seite der gemeinnützigen professionellen Industrievereinigung Green Roofs einen ersten gründlichen Überblick verschaffen und nützliche Tipps einholen.

“Architekturdoktor” Hundertwasser, wie er sich spöttisch selbst titulierte, hätte seine Freude am gestalterischen und gärtnerischen Treiben. Der Künstler verachtete Monotonie und Rastersysteme. Sein Gegenentwurf lautete: Organische Vielfalt und unreglementiert Unregelmäßigkeit in Harmonie mit der Natur.

Mehr: srf bba greenroofs

Dieter Dürand

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