Dekarbonisierung des Flugverkehrs kostet 4,4 Billionen Euro – etwa so viel, wie Deutschland jedes Jahr wirtschaftlich leistet

Fliegen trägt kräftig zur Erderwärmung bei. Das zu verhindern, kostet die Branche bis 2050 rund 4,4 Billionen Euro, so eine Studie – so viel, wie Deutschland jedes Jahr wirtschaftlich leistet. Geht das?

Zwei Flugzeuge mit Kondensstreifen: Die Emissionen des Flugverkehrs tragen zu sechs Prozent zur Erderwärmung bei, die Dekarbonisierung kostet gigantische Summen (Foto: PIX1861 / pixabay)
Zwei Flugzeuge mit Kondensstreifen: Die Emissionen des Flugverkehrs tragen zu sechs Prozent zur Erderwärmung bei, die Dekarbonisierung kostet gigantische Summen (Foto: PIX1861 / pixabay)

Zu rund sechs Prozent trägt der weltweite Flugverkehr mit seinen Emissionen durch die Verbrennung des Treibstoffs Kerosin zu Erderwärmung bei. Dies zu vermeiden, wie von der Branche bis 2050 geplant, wird eine gigantische Summe kosten: schätzungsweise 4,4 Billionen Euro. Das ist so viel, wie Deutschland im Jahr wirtschaftlich leistet. Zu diesem Ergebnis kommt Allianz Trade, eine Tochter des Münchner Allianz-Konzerns, die für den Versicherungsriesen die Geschäftsrisiken bewertet. Die erstmals erhobene Zahl zeige, so Allianz-Trade-Luftfahrtexpertin Maria Latorre, welche „Herkulesaufgabe“ die Dekarbonisierung für die Branche sei. „Die Reduzierung des aktuell großen CO2-Fußabdrucks in der Luftfahrt erfordert ein umfassendes Maßnahmenpaket, das sowohl Technologie, Treibstoffe, Betrieb als auch Politik umfasst.“

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Trügerische Hoffnung auf klimaneutrale Treibstoffe

Der Kraftakt zum Schutz des Klimas erfordert vor allem, dass die Flugzeuge nachhaltige Treibstoffe, sogenannte Sustainable Air Fuels (SAF), anstelle von Kerosin einsetzen, dessen Verbrennung neben CO2 auch mit den Kondensstreifen und ausgestoßenen Stickoxiden zur Erderwärmung beiträgt. SAF sind klimaneutrale Treibstoffe, die zum Beispiel mit Solar- oder Windenergie erzeugt werden. Ein umfassender Einsatz der SAF würde die Klimaschädlichkeit des Flugverkehrs laut Allianz Trade etwa um 60 bis 90 Prozent reduzieren. Doch die Aussichten, das Ziel zu erreichen, sind äußerst bescheiden.

Trübe Aussichten für erfolgreiche Dekarbonisierung

Zum einen fehlt es extrem an Anlagen, die mit Hilfe grünen Stroms klimafreundlichen Treibstoff für Flugzeuge herstellen. Fluggesellschaften wie die Lufthansa haben zwar begonnen, SAFs beizumischen. Doch mangels Angebot hat der Bundestag den für das kommende Jahr geplanten verpflichtenden Anteil wieder abgeschafft. Zum andern schaffen es die Airlines nicht, schnell neuere und effizientere Maschinen anzuschaffen, weil die führenden Hersteller der Nachfrage nicht hinterher kommen. So habe das Durchschnittsalter der eingesetzten Maschinen den Rekordwert von 15 Jahren erreicht und die Wartezeiten für Neubestellungen seien inzwischen auf fast sechs Jahre gestiegen, so Allianz Trade. Und drittens droht der prognostizierte Anstieg des Flugverkehrs die mögliche Reduzierung der CO2-Emissionen zunichte zu machen. Anstelle der rund fünf Milliarden Flugreisen in diesem Jahr rechnet Allianz Trade 2050 mit 12,4 Milliarden Trips durch die Luft.

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