Der Ahr-Flut fiel die Hälfte der Fische zum Opfer

Die erste Zählung nach der Sommerflut 2021 lässt hoffen. Alle ursprünglichen Fischarten sind noch finden. Selbst der Lachs konnte sich erhalten. Doch einige Arten traf es besonders stark. So überlebte nur jede zehnte Äsche die Flut.

Äsche Bestände durch die Ahr-Flut zu 90 Prozent vernichtet (Christian Maier/CC)

Besonders betroffen war die Fischpopulation an der unteren Ahr. Im Mündungsgebiet nahe Sinzig konnten die Zähler nur 57 Fische auf 250 Meter Flussstrecke ausmachen. In flussaufwärts gelegenen vergleichbaren Abschnitten fanden Biologen hingegen tausend Fische. Die zuständige Fischerei-Behörde in Koblenz geht davon aus, dass über die gesamte Ahr etwa 50 Prozent des Fischbestands durch die Flut dezimiert wurde.

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Dies sind die Ergebnisse einer ersten Sichtung der Fischbestände an der Ahr und anderer Eifel-Gewässer. Wolfgang Treis, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz, gibt dennoch Entwarnung: “Erste Erkenntnisse geben Grund zum leichten Aufatmen.” So seien in Bad Bodendorf, also nahe dem meistbetroffenen Flussabschnitt, 55 Neunaugen gezählt worden. Neunaugen gelten in deutschen Gewässern als gefährdete Art. Die Behörde geht davon aus, dass die überlebenden Exemplare aller bisher vorkommenden 22 Fischarten im Prinzip für die Regenerierung der Bestände innerhalb weniger Jahre ausreichen würden.

Lachse sollen heimisch bleiben

Die SGD will diesen Prozess allerdings sichern und beschleunigen. So werden schon in wenigen Wochen junge Lachse in der Ahr ausgesetzt. Die Jungtiere sollen sich dort über mehrere Wochen -kurz vor Beginn ihrer Wanderung in den Atlantik – akklimatisieren, um nach wenigen Jahren zur Fortpflanzung zurückzukehren. Die Ahr bleibt damit nach Einschätzung der Behörde auch nach der verheerenden Flut “eine der am besten geeigneten Kinderstuben für die Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rhein-Einzugsgebiet”.

Zurzeit ermittelt die SGD die Ahr-Abschnitte, in denen die Aussetzung verschiedener Fischarten hilfreich wäre, um die Erholung der Bestände abzusichern. Dadurch soll die Angelfischerei bald in gewohnten Volumen möglich werden. Ob und wie viele Fische ausgesetzt werden können, hängt jedoch auch davon ab, ob die Jungtiere überhaupt genügend Futter, wie Larven oder Insekten, finden.

Ohne Uferwälder kaum Fische

Dazu müssen etliche Strecken am Flussufer erst wieder aufgeforstet werden. Darüber hinaus brauchen der Fluss und seine Fische die Randbepflanzung zur Beschattung im Sommer. Billig wird das nicht. Fachleute schätzen die Kosten für 200 Meter Neupflanzung auf 3000 Euro. Für die gesamte Ahr kommt wahrscheinlich ein Millionenbetrag zusammen.

Die Ahr gilt weltweit als hervorragendes Fliegenfischrevier. Der Angeltourismus, früher eine der Einnahmequellen der Ahrtal-Wirtschaft ist seit der Flut zusammengebrochen. Die Maßnahmen der Landesbehörde sollen auch dazu dienen, die Einnahmeausfälle möglichst gering zu halten.

Tödlich für Mensch und Tier

Das Hochwasser am 14. und 15. Juli 2021 hatte zwar kaum gesundheitsgefährdeten Bodenvergiftungen hinterlassen. Allerdings hat die Hochwasserwelle viele Kleinlebewesen im Flussbett und am Flussrand vernichtet. Die seinerzeitige rheinland-pfälzische Landesministerin für Klimaschutz, Anne Spiegel, verglich im Herbst die Wirkung der Flutwelle auf den Lebensraum der Fische mit einem “Sandstrahlgebläse“.

Die Flutkatastrophe zerstörte Dörfer und Kleinstädte. Sie machte tausende Menschen obdachlos. Mindestens 17 000 davon erlitten Vermögensverluste. Etliche unter ihnen verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Allein im Ahrtal kostete die Flut 134 Menschen das Leben. 766 Menschen wurden verletzt.

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