Gruselige Zeitenwende auch in der Finanzbranche: Wer sein Geld in Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS anlegt, auch in ökologische und nachhaltige, finanziert damit in Zukunft Panzer, Raketen und andere Tötungswerkzeuge.

Stefan Hoops, der Chef von DWS, der Fonds-Tochter der Deutschen Bank, redet erst gar nicht darum herum. Der von ihm beschlossene Schritt habe das Potenzial, „Hunderte von Milliarden“ Euro für Waffenhersteller freizusetzen. Gemeint ist mit dem Schritt die Entscheidung des Unternehmens, die Anlagerichtlinien so zu ändern, dass die Fonds von DWS das Geld der Anleger und Sparer künftig auch in Aktien der Rüstungsindustrie stecken dürfen. Das gilt sogar für Fonds, die nur in Aktien von Unternehmen investierten, die sich an die Einhaltung ökologischer und sozialer Standard hielten, kurz: ESG, und deshalb die Anlage der Gelder in der Rüstungsindustrie weitgehend ausschlossen. „Das hat sich jetzt geändert“, so Hoops.
Sogar Unternehmen, die mit Atomwaffen in Verbindung stehen
Konkret schafft DWS den Schwellenwert von zehn Prozent Rüstung am Gesamtumsatz ab, von dem an die Fonds kein Geld mehr in Aktien von Unternehmen investieren durften. Mehr noch, die Fonds dürfen nun sogar in Papiere von Unternehmen investieren, die mit Atomwaffen in Verbindung stehen, so DWS. Insgesamt gelangt das Geld der DWS-Kunden nun in weitere 34 Unternehmen weltweit, die bisher wegen ihrer Rüstungsproduktion ausgeschlossen waren.
Ruf bei nachhaltigen Anlegern endgültig ruiniert
Für die Kunden, die DWS ihr Geld im Vertrauen auf nachhaltige und friedfertige Anlagen anvertrauten, ändert sich möglicher- und makabrerweise gar nicht so viel. Denn nach einer Geldbuße von 19 Millionen Dollar, die die US-Börsenaufsicht SEC gegen DWS wegen Greenwashings 2023 verhängt hatte, sattelte die Staatsanwaltschaft Frankfurt kürzlich noch einmal eins drauf und verdonnerte die Nachhaltigkeitsheuchler vom Main aus gleichem Grund zu einer Geldbuße von 25 Millionen Euro. DWS reagiert darauf nach dem Motto „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s vollends ungeniert“ und erklärte zu dem neuerlichen Bußgeld in Deutschland: „Wir begrüßen es, dass die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen die DWS nunmehr abgeschlossen sind.“
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