Die gemachte Flut: Zersiedlung und Klimawandel begünstigten Ahr-Hochwasser

Neue Studien zur Ahr-Flut zeigen: Erst menschliche Eingriffe in die Landschaft machen Regenfälle zur Katastrophe. Einmalig war die Flut keinesfalls – allerdings ihre Auswirkungen.

Hochwasser Politische Entscheidungen machen Fluten zu Katastrophen (Lupo/Pixelio.de)

Das Ahr-Hochwasser im Juli vergangenen Jahres gehört zu den fünf schlimmsten Naturkatastrophen der letzten 50 Jahre in Europa. Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben. Weit über 10 000 Gebäude wurden beschädigt. Versorgungsnetze, Brücken, Bahnstrecken und Straßen wurden zum Teil oder gänzlich zerstört.

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Das Ausmaß des Hochwassers in der Eifel war auch für Fachleute überraschend. Eine Kombination mehrerer Faktoren bedingte diese Katastrophe. Jetzt hat eine Gruppe von Wissenschaftlern des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am renommierten Karlsruhe Institute of Technology (KIT) untersucht, wie Niederschläge, Verdunstungsprozesse sowie Gewässer- und Abflussverhalten das Hochwasser begünstigt haben.

Wohlstandmüll versperrt Abflussrinne

Den badischen Forschern fiel auf, dass sich zwar die geschätzte Wasserabflussmenge 2021 in einer ähnlichen Größenordnung wie bei den historischen Hochwasserereignissen 1804 und 1910 bewegte. Jedoch waren die Pegelstände 2021 gleich an mehreren Orten bedeutend höher. „Wir haben gesehen, dass sich die Art des Geschiebes – also Material, das durch ein Fließgewässer mittransportiert wird – erheblich verändert hat. Neben Abtragungen von Sedimenten und bereits vorhandenem Totholz hat der anthropogene, also vom Menschen verursachte Einfluss eine erhebliche Rolle gespielt“, sagt Susanna Mohr, Geschäftsführerin des CEDIM. Fahrzeuge, Wohnwagen, Mülltonnen oder Baumaterialien hätten sich an Brückenbereichen so gestaut, dass sie zusätzliche Engpässe herbeigeführt hätten. Dies habe die Auswirkungen des Hochwassers weiter verschärft.

Kluge Landschaftsplanung vermindert Flutfolgen

Um künftig auf Ereignisse wie diese vorbereitet zu sein, sei es wichtig, Landschaft, Infrastruktur und Bebauung sowie Flussverläufe und deren mögliche Sedimenttransporte frühzeitig in die Beurteilung der Gefährdung einzubeziehen. Die tatsächliche Summe der Niederschläge im Jahre 2021 sei zwar eine der höchsten der vergangenen 70 Jahre gewesen. Sie seien jedoch nur extrem, aber keinesfalls einzigartig gewesen.  So seien die Regenfälle, die zu den Hochwassern in Berlin und Brandenburg 1978 oder an der Elbe 2002 geführt hätten, sowohl hinsichtlich ihrer Niederschlagsintensität als auch ihrer Ausdehnung wie Dauer deutlich stärker gewesen.

Die sechs schwersten Niederschlagsereignisse in Deutschland von 1951 bis 2021.
Die Rangordnung erfolgt nach der Größe der betroffenen Fläche in Abhängigkeit
einer bestimmten Niederschlagsintensität (≥ 50-jährliche Ereignisse).
Das Niederschlagsereignis vom Juli 2021 rangiert auf dem fünften Platz.
(Datenquelle: DWD, HYRAS-DE, Bildquelle: Bernhard Mühr / CEDIM)

Der Klimawandel tut nach Meinung der Forscher ein Übriges, um die Hochwassergefährdung zu verstärken. Die Intensität der Regenfälle nimmt pro Grad Erwärmung um sieben Prozent zu. Bereits jetzt hat sich die Niederschlagsmenge im Vergleich zu den vorindustriellen Bedingungen um elf Prozent erhöht. Da die Erwärmung weiter fortschreitet, ist damit zu rechnen, dass sich solche Extremereignisse räumlich wie zeitlich ausdehnen und häufiger werden.

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