Sie kommen nachts und meist als Bande. Kabeldiebe verursachen für eine Beute von nur 50 Euro pro gestohlenem Ladekabel Schäden, die in den Tausende gehen.

In den meisten Fällen bleiben den geschädigten Betreiber Kosten in Höhe von rund 7000 Euro – pro Säule. In manchen Fällen steigen die Kosten pro gekapptem Kabel auf 16 000 Euro. Denn mit dem Ersatz der Kabel und der Reparatur der Säule ist es nicht getan. Für die Wiederinbetriebnahme ist eine Eichrechtsprüfung der Ladesäulen zwingend vorgeschrieben. Nach den Raubzügen auf Ladeparks mit mehr als einem Dutzend Säulen können sich die Schäden schnell auf über 100 000 Euro summieren. Zusätzlich kommen die Einnahmeausfälle bis zur Reparatur der Säulen.
Für die Betreiber handelt es sich längst nicht mehr um ein lokales Problem. So beklagte die VW-Ladetochter Electrify America im vergangenen Jahr den Diebstahl von 93 Ladekabeln im Bundesstaat Washington. In Deutschland gibt es – dem E-Fahrerportal electrive zufolge – eine Häufung des Kabelsklaus in der Pfalz, in Sachsen, Thüringen, dem Ruhrgebiet. Im Raum Bonn verschwanden fünf Kabel innerhalb von zwei Wochen. In Moers verschwanden in einer Nacht elf Kabel. Oft suchen die Kabeldiebe die gleichen Ladeparks mehrfach heim.
Saftige Strafen für Kabeldiebe
In einigen Fällen kappten die Bundmetallbanden die Kabel gleich nach der Reparatur – noch bevor die Säulen wieder freigegeben waren. Allein in Leipzig wurden innerhalb eines Monats 40 Kabel geklaut.
Dort war im vergangenen Jahr ein Gaunerpärchen besonders aktiv. Die beiden hatten unter anderem die Kabel eines Tesla-Ladeparks entwendet. Die Kabeldiebstähle hatten Empörung in der Stadt verursacht. Wütende E-Fahrer hatten nächtliche Kontrollfahrten organisiert. Gefasst wurden die Täter schließlich dank GPS-Verfolger, mit denen die Kabel häufig bestückt sind. Die Polizei fand in der Gartenlaube der Ganoven weiteres Diebesgut – und die Täter selbst.
In erster Instanz erging eine Haftstrafe von immerhin 20 Monaten. Denn für das Strafmaß ist nicht der vergleichweise geringe Ertrag der Täter entscheidend, sondern die Höhe des angerichteten Schadens. Da Kabeldiebe oft gewerblich und in Gruppen ihrem Geschäft nachgehen, wird ihre Tat in der Regel als „besonders schwerer Fall des Diebstahls“ und als „schwerer Bandendiebstahl“ gewertet. Im Falle der Leipziger Kabeldiebe ging das Gericht zusätzlich von „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ aus. Im Extremfall sind für Kabeldiebe Haftstrafen von zehnjähriger Dauer denkbar.
Betreiber schlagen zurück
Inzwischen rüsten die Ladestellenbetreiber auf. Tesla zum Beispiel testet Kabel, die beim Kappen eine blaue Farbe versprühen. Die Technik arbeitet ähnlich wie die der Banken, um Geldtranporter und Bankautomaten zu schützen. Die Farbe ist schwer zu entfernen. Täter sind damit – zumindest unmittelbar nach der Tat – markiert. Zusätzlich nutzt Tesla zunehmend Kabel, deren Kupferstränge eine Gravierung tragen. Hehler schrecken dann zurück. Andere bauen – wie im Leipziger Fall – GPS-Chips in die Kabel ein. Moderne, gekühlte Kabel enthalten so wenig Kupfer, dass sich der Diebstahl nicht lohnt. Andere Anlagen überprüfen dauernd den Widerstand in den Kabeln. Verändert er sich aufgrund einer Kappung, löst sich ein Alarm aus. Der amerikanische Betreiber Chargepoint setzt – zunächst auf dem Heimatmarkt – schnittfeste Kabel ein.
Diebe meiden helle Flächen
Begünstigt wird der Kabeldiebstahl auch dadurch, dass einige Betreiber ihre Ladesäulen in entlegenen Ecken von Parkplätzen oder Betriebsflächen plazieren. Häufig genügen hinreichende Beleuchtung oder der Hinweis auf Videoüberwachung, um Kriminelle abzuschrecken. So sind Aral Pulse und Shell Recharge so gut wie nicht vom Kabeldiebstahl betroffen. Wenig erstaunlich: Die beiden Anbieter betreiben ihre Säulen an gut einsehbaren, voll ausgeleuchteten Tankstellen mit Videoüberwachung.
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