Jammern war gestern. Die deutschen Autobauer holen auf. In der E-Mobilität führen sie europaweit im Absatz. Auch technisch brauchen sie sich nicht zu verstecken.

Geht doch! Jahrelang war zu hören, dass die deutschen Autobauer an der Mobilitätswende scheitern. Tatsächlich fehlte es so gut wie an allem: an Reichweite, Auswahl, kurzen Ladezeiten, an E-Autos für kleine Leute. Es fehlte an Stromern, die Emotionen auslösten, die Autofahrers Herz höher schlagen ließen. Und es fehlte an Erfolg. Lange gingen die Top-Positionen bei den Verkäufen an die Amerikaner, vertreten durch Tesla. Später zeigten die Chinesen, wie man witzige E-Autos für Kunden mit kleinen (und großen) Geldbeuteln baut.
Die IAA, die heute in München zu Ende geht, markiert einen Wendepunkt. Deutsche Hersteller haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und bauen E-Autos, die den Durchbruch für die Mobilitätswende bringen könnten.
Stromer auch für kleinere Geldbeutel
Beispiel Volkswagen: Der Wolfsburger Konzern scheint sich auf seinen Namen zu besinnen und stellt gleich fünf günstige E-Kleinwagen vor.
- Der ID. Polo kostet in der günstigsten Varianten weniger als 25 000 Euro. Das Modell bietet immerhin eine Reichweite von 450 Kilometer und genügend Platz. Im Kofferraum finden 440 Liter Platz. Mit umgeklappten Rückbank vergrößert sich Stauraum auf 1330 Liter. An Gleichstromsäulen dauert die Aufladung von zehn auf 80 Prozent nur 20 Minuten.
- Der ID. Cross ist mit einem Einstiegspreis von 28 000 Euro geringfügig teurer, bietet aber vor allem für die Passagiere auf der Rückbank mehr Beinfreiheit – und unter der Bughaube einen Frunk. Die Reichweite ist mit 420 Kilometer etwas knapper bemesen als beim kleineren Bruder.
- Zusätzlich stellten die Wolfsburger auf der IAA den Skoda Epiq mit 425 Kilometern Reichweite für einen Mindestpreis von 26 000 Euro und den
- Cupra Raval zum gleichen Preis mit einer zu erwartenden Reichweite von 450 Kilometern vor.
- Im Jahr 2027 soll schließlich der ID. Every1 als Nachfolger des VW Up dazu stoßen. Der Kleinstwagen wird um die 20 000 Euro kosten und wohl eine Reichweite von mindestens 250 Kilometern liefern.
Die fünf Modelle werden aus Kostengründen in Spanien und Portugal hergestellt. Bis Ende des Jahrzehnts sollen allein in Spanien jährlich mehrere Hundertausend E-KLeinwagen gebaut werden. In der spanischen Presse war sogar von 800 000 Autos die Rede.
BMW holt auf
Die Münchner gehören zwar im Jahr 2013 mit dem Kleinwagen i3 zu den E-Pionieren, waren dann aber aus dem Tritt geraten. Jetzt sieht es so aus, als ob die sogenannte Neue Klasse den Durchbruch bringen könnte. Als erster Vertreter wurde der iX3 auf der IAA vorgestellt. Er lässt E-Auto-Skeptikern wenig Argumente. Die Reichweite beträgt bis zu 805 Kilometer. Die Zeit für die Ladung von zehn auf 80 Prozent beträgt 21 Minuten. Im kommenden Jahr sollen Modelle mit kürzeren Ladezeiten auf den Markt kommen. Billig ist der iX3 mit Preisen ab 69 000 Euro nicht unbedingt. Aber im kommenden Jahr sollen günstigere Varianten auf den Markt kommen.
Und was macht Mercedes? Die Stuttgarter sind etwas später dran, machen aber Tempo. Das aktuelle E-Portfolio wird bis 2027 schrittweise abgelöst. Sämtliche E-Modelle werden erneuert. Nach dem CLA und dem GLC kommen im nächsten Jahr der EQA und der EQB und ab dem Jahr 2027 die elektrische C- und E-Klasse sowie die T-Klasse.
Zeit des Fremdelns vorbei
Die deutschen Autobauer vermittelten zwar über Jahre den Eindruck, von der E-Mobilität überrascht worden zu sein. Inzwischen scheinen sie Tritt gefasst zu haben – nicht erst seit der IAA 2025. Im Ranking der E-Neuzulassungen in Deutschland dominieren sie unangefochten. In diesem Jahr (bis einschließlich August) führt der ID.7. Im vergangenen Jahr war es noch Teslas Modell Y.
Auffallend: Die ersten sechs Plätze besetzen ausschließlich Marken aus dem VW-Konzern. Auf den Plätzen sieben und acht rangiert BMW mit dem iX1 und dem Mini Cooper Elecric. Danach folgen auf Platz neun und zehn mit dem Audi Q6 e-tron und dem Audi Q4 e-tron wieder Stromer aus der VW-Sphäre. Ausländische Konzerne tauchen auf den ersten zehn Plätzen nicht mehr auf.
Hängt das damit zusammen, dass deutsche E-Auto-Käufer besonders patriotisch sind? Wohl kaum. Denn auch in Europa rangieren die E-Modelle der VW- und BMW-Marken weit vorn. Im Europa-Ranking besetzen sie vier der ersten fünf Positionen. Tesla konnte sich im ersten Halbjahr 2025 zwar auf Platz zwei halten, verlor aber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 33 Prozent. Die Marke Volkswagen hingegen legte in der gleichen Zeit um 78 Prozent zu. Skoda legte sogar um 147 Prozent zu.
Ein Ende der deutschen Aufholjagd ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: In den kommenden zwei Jahren wird die deutsche E-Kleinwagen-Offensive den Markt aufmischen. Zusätzlich kommen bis 2027 die neuentwickelten Stromer von Mercedes und die Modelle der Neuen Klasse von BMW auf den Markt. Es gibt also Licht am Ende des Tunnels für die deutschen Autobauer. Viel Licht!
Mehr: Heise; Business Insider; Energyload


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