In Schweden landet Abfall so gut wie nie auf der Deponie. Was nach dem Recycling übrig bleibt, wird in Strom und Wärme umgewandelt.

Wohin mit dem Müll? Zwar soll die offiziell gemeldete Recycling-Quote in Deutschland zurzeit bei fast 70 Prozent liegen. Die Zahl sagt aber nichts darüber aus, ob der getrennte Material tatsächlich wieder zum gleichen Zweck wie das Ausgangsmaterial verwendet wird. Die tatsächliche Quote liegt laut Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bei rund 50 Prozent.
Also gelangt selbst im vorgeblichen Müll-Musterland Deutschland die Hälfte allen Abfalls nicht in die Wiederverwertung, sondern muss verbrannt oder deponiert werden. In der Bundesrepublik verblieben im Jahr 2022 immerhin 16,3 Prozent des Mülls in Deponien. Damit liegt Deutschland zwar unter dem EU-Durchschnitt von 22,4 Prozent (2023), liegt aber deutlich über dem wahren Müll-Musterland Schweden. Denn das Königreich in Europas Norden hat eine Deponiequote von nur einem Prozent.
So viel Energie wie Braunkohle
In Schweden werden – je nach Untersuchung – zwischen 52 und 59 Prozent des Abfalls verbrannt, der Rest, abgesehen von der minimalen Deponiequote, recycelt. Denn für das Ostseeland ist Müll ein wertvoller Energieträger. Ein Kilogramm Hausmüll liefert bis zu drei Kilowattstunden Energie. Müll enthält damit fast so viel Energie wie Braunkohle. Im Jahr 2022 produzierten schwedische Müllkraftwerke immerhin 18 Terawattstunden Wärme und drei Terawattstunden Strom. Sie deckten damit den Energiebedarf von 1,2 Millionen Haushalten, also einem Viertel aller schwedischen Haushalte.
Einer der größten Müll-zu-Energie-Anlagen Schwedens befindet sich in der Stadt Västerås, etwa hundert Kilometer westlich von Stockholm. Dank modernster Rauchgasreinigung gibt es so gut wie keine Luftverschmutzung. Der Grad der Energieausnutzung liegt mit fast 90 Prozent weit über dem der meisten Heizkraftwerke. Der Betreiber Mälarenergi erforscht zur Zeit, ob die Asche als möglicher Baustoff dienen kann. Darüber hinaus will das Kommunal-Unternehmen die Salze aus der Asche zu Rohstoffen für die chemische Industrie verarbeiten. Auch die Rückgewinnung des Kohlendioxids steht auf der Agenda des Betreibers.
Schweden importiert Müll
Inzwischen ist für schwedische Abfallbetriebe die Müllverbrennung ein lohnendes Geschäft geworden. Jährlich importieren sie 1,4 bis 1,6 Millionen Tonnen Restmüll aus anderen Ländern, um daraus Energie zu gewinnen. Da die Verbrennung in Schweden unter höchsten Umweltstandards abläuft, trägt der Müllimport dazu bei, die Belastungen in den Herkunftsländern zu vermindern. Denn dort würde der Abfall zum großen Teil auf Deponien verrotten und Methan freisetzen.

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