Mecklenburg-Vorpommern
Heimische Erdwärme soll russisches Gas ersetzen

In Schwerin kommt der Bau der Geothermie-Anlage in die Endphase. Bald schon liefert die Geothermie-Anlage 15 Prozent der Energie für die Fernwärme von Meckpomms Hauptstadt.

Horizontalbohrungen in Schwerin Die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern setzt auf heimische Erdwärme (Stadtwerke Schwerin)

Die Sole kommt aus einer Tiefe von 1340 Meter und hat eine Temperatur von 56 Grad Celsius. Damit sie die nötigen Wärmegrade für den Betrieb des Fernwärmenetzes erreicht, heizen sie vier Wärmepumpen auf bis zu 80 Grad hoch. In dieser Größenordnung ist die Kombination von Geothermie und Wärmepumpentechnik neu. “Das ist einmalig in Deutschland, wahrscheinlich sogar in Europa”, sagt René Tilsen von den Stadtwerken Schwerin. Schon im kommenden Jahr sollen tausende Schweriner Haushalte mit geothermischer Energie beheizt werden.

Heiß raus, kalt wieder rein

Die beiden Bohrlöcher, eines für die Förderung der heißen Sole, das andere für Rückspeisung der abgekühlten Sole in den Untergrund, befinden sich über tausend Meter entfernt. Es handelt sich dabei um einen Kreislauf: Die warme Sole wird durch die Förderbohrung aus der Tiefe hochgepumpt und nach Nutzung und der damit verbundenen Abkühlung wieder über die Injektionsbohrung zurück in die Tiefe gepresst.

Neu ist auch abgelenkte Verlauf der Injektionsbohrung. Das Ziel der Bohrung befindet sich 200 Meter vom Bohrloch entfernt. Denn der Abstand zwischen den beiden Bohrungen muss mindestens 1 100 Meter betragen. Jetzt verbinden die Schweriner Driller die beiden Bohrlöcher an der Oberfläche. In der 1.037 Meter langen Soleleitung an der Oberfläche fließt zukünftig die abgekühlte Sole von der Förderbohrung an der Geothermiezentrale am Standort HKW Lankow zur Injektionsbohrung am Sportpark Lankow. Dort wird sie wieder in ihre ursprüngliche Gesteinsschicht zurückgeführt.

Bohrwerk Frisst sich weit über tausend Meter in die Tiefe (Stadtwerke Schwerin)

Den größte Teil der neuen Soleleitung verlegen die Schweriner Tiefbauer in offener Bauweise. Um Straßensperrungen während der Bauarbeiten zu vermeiden, verwenden sie die Technik der sogenannten gelenkten Horizontalbohrung. In dem Bauabschnitt werden neben der Soleleitung auch weitere Medien wie Lichtwellenleiter und Niederspannungskabel für das Geothermie-Projekt verlegt. Die Verlegung der Medienleitungen bei den Horizontalbohrungen erfolgt in Schutzrohren. Das größte hat einen Durchmesser von 45,5 Zentimetern. Um die Soleleitung vor frühzeitigen Korrosionsschäden durch die sehr salzhaltige Sole zu schützen, kommt dabei ein spezieller Kunststoff zum Einsatz.

Geothermie ersetzt Putins Gas

Sicher ist: Dieses Projekt ist erst der Anfang. Theoretisch könnte bis zu 60 Prozent der Energie für die Fernwärme Schwerins aus der Erde kommen. Bis 2037 will Schwerin klimaneutral sein. Und es ist ein Baustein, um Mecklenburg-Vorpommern unabhängig von russischem Gas aus der Ostsee-Pipeline zu machen. Das Land hatte sich bis zuletzt für den Bau und die Inbetriebnahme der Gasleitung Nordstream 2 eingesetzt.

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