Heizenergie
Lüften gegen Putin: Bis zu 50 Prozent weniger Energie-Verbrauch ist möglich

Moderne Lüftung mit Wärmerückgewinnung kann die Erdgasrechnung massiv absenken. Denn durch das traditionelle Lüften mit offenem Fenster geht viel Heizungsenergie verloren.

Offenes Fenster Lüften wie bei Oma kostet reichlich Energie (Ilona Steinchen/Pixelio.de)

Rund 35 Prozent der Endenergie entfällt in Deutschland auf die Heizung von Wohnungen, Büros oder Werkstätten. Rund drei Viertel davon verbraucht die Raumheizung. Vor dem Hintergrund steigender Gaspreise und eines drohenden Einfuhrstopps von russischem Erdgas haben der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) und der Bundesverband der Deutschen Heizindustrie e.V. (BDH) nun in einem Positionspapier gefordert, die Wärmerückgewinnung durch moderne Raumlüftung als erneuerbare Energie anzuerkennen. Etwa ein Viertel der Heizenergie könne so eingespart werden. Bei besonders stark isolierten Häusern könnten die Verbräuche gar um 50 Prozent sinken.

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Lüftungswärme, die sich in Anlagen zur Wärmerückgewinnung selbst regeneriert, ist nach Ansicht der Verbände erneuerbare Energie. Künftig, so die Forderung der Heizungsbranche, solle bei jedem Neubau eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung als verbindlicher Standard festgelegt werden. In der Sanierung solle “eine attraktive Förderung dazu beitragen, dass diese zukunftsweisende Technologie ihren Einsatz in der Breite findet.” Das Lüftungsmanifest der Verbände erwähnt als positive Nebeneffekte die Verbesserung der Raumluft. Und Nullenergiehäuser seien ohne Wärmerückgewinnung ohnehin kaum möglich.

Lüftungsanlagen sparen CO2 ein

Nach der in dem Papier zitierten Leitstudie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) Aufbruch Klimaneutralität verfügen heute etwa 36 Prozent aller Neubauten über Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Der Absatz wächst allerdings seit Jahren um weniger als 4,5 Prozent. Die Dena-Studie geht von einem angestrebten Wachstum von 8,7 Prozent aus. Damit würden ab 2045 etwa 25 Terawattstunden Heizenergie pro Jahr eingespart.

Die Verbände gehen noch weiter. Sie fordern in ihrem Plan Green 45 ein Wachstum von 13,6 Prozent. Das würde – so die Autoren – eine Einsparung von 55,8 Terawattstunden pro Jahr erbringen und eine CO2-Reduktion von 11 Millionen Tonnen. Doch schon in den Jahren davor wäre die Verminderung nennenswert: Bereits 2030 würde der CO2-Ausstoß um bis zu drei Millionen Tonnen geringer ausfallen.

Über die möglichen Akzeptanzprobleme spricht die Studie allerdings nicht. Viele Menschen mögen zwar in Hotels oder Büros Lüftungsgeräusche hinnehmen und ebenso die Empfehlung, die Fenster geschlossen zu halten. Einer Umfrage des Deutschen Instituts für moderne Büroarbeit zufolge waren Betroffene nur mäßig zufrieden mit der Raumluft in klimatisierten Büros. Im familiären Umfeld fallen diese Einschränkungen jedoch stärker ins Gewicht. Da dürfte auch die Hinweise auf schimmel- und staubfreie Luft sowie die geringeren Heizkosten wenig ausrichten.

Mehr: FGK; BHD