Bauern, Banker und Berater – CO2-Senke als Geschäftsmodell

Carbon Farming soll künftig Bauern helfen, finanziell besser über die Runden zu kommen. Ganz vorn mit dabei ist das amerikanische Agrar-Startup Indigo.

Bauernhof Zusätzlich Kohle als Kohlenstoffsenke machen (Berggeist007/Pixelio)

Deutschlands Landwirtschaft hat das Potential, etwa ein Viertel aller CO2-Emissionen im Boden zu speichern. Bedingung dafür ist nach Meinung von Agraringenieuren allerdings ein ökologischer Landbau. Carbon Farming heißt das – vielleicht – weltrettende Geschäftsmodell, für das sich zunehmend Bauern, Banker und Berater interessieren. So haben sich jüngst der in Boston ansässige Agrarberater Indigo-Agriculture und der Ulmer Landwirtschaftsgroßhändler Beiselen zusammen getan, um Bauern bei ihrem Einstieg in das Business mit der Kohlenstoffsenke zu begleiten. Die ersten Projekte wollen die Partner schon in diesem Frühjahr mit Bauern in Thüringen und Sachsen-Anhalt starten. “Stellen Sie sich vor, zusätzlicher Gewinn fängt in Ihrem Boden an”, heißt es in der Broschüre für Interessenten.

Die Schwaben und die Amerikaner verlangen von den Bauern nichts weniger als Bio-Bauern zu werden mit Zwischenfruchtanbau, reduzierter Bodenbearbeitung, mit längerem und abwechslungsreicheren Fruchtfolgen, der Verminderung von künstlichem Dünger und zusätzlicher Beweidung. Anschließend messen die Partner regelmäßig die verschiedenen Werte zur CO2-Einsparung, die von akkreditierten Partnern bewertet wird. Zum Schluss zahlt Indigo entsprechend der Kohlenstoff-Einsparung Geld aus dem Gewinn des Verkaufs der CO2-Zertifikate an die Bauern.

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Finanzkonzerne wie Barclays oder JP Morgan kaufen inzwischen die Kohlenstoff-Zertifikate von Indigo. Aber auch Lebensmittelfirmen, Technologieunternehmen wie IBM oder Dienstleister wie Boston Consulting beteiligen sich. Bis 2022 will Indigo zweitausend Bauern in Europa für regenerative Landwirtschaft und das CO2-Geschäft gewinnen. In Deutschland und Schweden haben sich Großbäckereien und Roggenanbauer bereits 2020 in einem vorbereitenden 400 Hektar-Projekt unter Begleitung von Indigo zusammen geschlossen, um Bio-Anbau und Carbon-Geschäft zu verbinden.

Helfer und Datenkrake

Indigo gilt in der Finanzszene der Vereinigten Staaten als vielversprechendes Startup. Die Grundidee ist, Daten und Biotechniken für die Landwirtschaft zu nutzen und die Einführung dieser Techniken sowie die Vermarktung zu begleiten. Der US-Fernsehsender CNBS schätzte den Unternehmenswert von Indigo im vergangenen Jahr auf 3,5 Millionen Dollar und setzte den Agrarspezialisten vor zwei Jahren auf Platz 1 seines Rankings der disruptivsten Unternehmen. Indigo gilt aber auch als Datenkrake, weil das Unternehmen sowohl Anbau wie Vermarktung kontrolliert und somit auf jedem beteiligten Hof einen erheblichen Datenbestand hebt.

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