EU-Kommissar Thierry Breton empfiehlt Autokonzernen, weiter Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu bauen

Nach viel Streit haben die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, von 2035 an keine Autos mehr zuzulassen, die das Klimagas CO2 ausstoßen. Doch keine drei Wochen später prescht EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton vor, um Eletroautos schlecht zu reden – und den Autokozernen den Weiterbau von Autos mit Verbrennungsmotor zu empfehlen.

EU-Kommissar gegen Elektroautos: Strom verfahren ist viel effizienter als E-Fuels damit herzustellen (Foto: Wolfgang Eckert / pixabay)

Für die Verfechter von Elektroautos wirkt der Satz wie ein Nackenschlag. „Ich empfehle europäischen Firmen, weiterhin Verbrennungsmotoren zu bauen“, so EU-Binnenkommissar Thierry Breton in einem Interview mit Brussels Playbook von der Webseite Politico. Der Satz des ehemaligen französischen Topmanagers und Wirtschaftsministers zielt auf eine Hintertür, die in den Beschluss der EU Ende Oktober eingebaut wurde, von 2035 an keine Autos mehr zuzulassen, die CO2 ausstoßen. Auf Drängen der FDP enthält dieser Beschluss, der auf ein Verbot der heutigen Benzin- und Dieselmotoren hinausläuft, nämlich eine “Überprüfung” der Entscheidung im Jahr 2026. Indem Breton schon jetzt für den Verbrennungsmotor Partei ergreift, stellt er sich bereits vier Jahre vor dem geplanten Check auf die Seite von Autobauern wie BMW und Porsche, die neben dem Elektro- ausdrücklich am Verbrennungsmotor festhalten.

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Wegbereiter für umstrittene E-Fuels

Hintergrund der Parteinahme des Franzosen ist die Hoffnung einiger Vertreter der Autoindustrie, mit Hilfe klimaneutral produzierter Treibstoffe am Verbrennungsmotor festhalten zu können. Zwar lehnt die Mehrheit der Experten diese sogenannten E-Fuels strikt ab, weil der Energieverlust bei der Herstellung durch Ökostrom horrend ist, jedenfalls viel höher als bei der direkten Verwendung des Stroms für den Antrieb von Elektroautos. Mit aus diesem Grund wollen zum Beispiel VW, Mercedes und andere Hersteller sogar schon vor 2035 in der EU keine Modelle mehr mit Verbrennungsmotor anbieten. Gleichwohl hatte Bundesfinanzminister und Porsche-Fahrer Christian Lindner (FDP) im Vorfeld des EU-Beschlusses mit Blick auf die Hintertür für E-Fuels den Schulterschluss mit Porsche-Chef Oliver Blume gesucht und ihn laut Handelsblatt per SMS gebeten: “Ich kann da durchaus argumentative Unterstützung gebrauchen.”

Abkopplung von China

Um schon jetzt die Hintertür für die Weiterproduktion von Autos mit Verbrennungsmotor gleich welchen Typs weit aufzustoßen, zieht Breton alle bekannten Register gegen Elektromobile: vom hohen Strombedarf über die erforderlichen Rohstoffe bis zum weiterhin klimaschädlichen Mix bei der Stromherstellung. Neu ist allerdings die geopolitische Karte, die der Franzose spielt. Denn gegen die Stromer spricht für ihn auch, dass die EU wegen Chinas Produktionsoffensive bei Elektroautos abhängiger vom Reich der Mitte werden könnte – und damit die Strategie der USA durchkreuzen würde, die Nato-Mitgliedsstaaten von China wirtschaftlich abzukoppeln.

Mehr: Focus

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