Frankreichs führende Tageszeitung Le Monde hat zusammen mit einem Dutzend Wissenschaftler die Gefährdung durch Agrarpestizide kartiert. Ein Ergebnis: Jüngere Schulkinder sind besonders betroffen.

sind verstärkt Agrarpestiziden ausgesetzt (Erich Westendarp/pixelio.de)
Die Le-Monde-Redaktion und die Expertengruppe haben frankreichweit den Pestiziddruck im Umfeld jeder Schule erfasst. Das Resultat ist erschreckend. Mindestens 1,76 Millionen französischer Schüler sind innerhalb eines Radius von tausend Metern des Einsatzgebietes einer Gefährdung durch Agrarpestizide ausgesetzt. Etwa 15 Prozent der französischen Schüler oder Kindergartenkinder sind folglich betroffen. Die Experten waren dabei von der Annahme ausgegangen, dass die 314 Hektar Land in der Tausend-Meter-Zone um eine Schule oder einen Kindergarten mindestens einmal im Jahr mit der vollen Dosis an Pestiziden bedacht werden.
Alarmierend: Jede vierte Schule – Vorschulen einbegriffen – in Frankreich ist von dieser Belastung betroffen. Zwar sei nicht jedes Kind unmittelbar in Gefahr, betont Karine Princé, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Ökologie und Naturschutzwissenschaften des Nationalen Naturkundemuseums. Aber die Untersuchung zeige die Dringlichkeit der Reduzierung der Pestizidanwendung rund um Schulen und Kindergärten. Ein Blick auf die von Le Monde veröffentlichte Karte zeigt, dass nur in gering bewohnten Gebieten mit Wäldern, Gebirgen, Weidebetrieb oder in verdichteten Stadträumen die Belastung zu vernachlässigen ist.
Weinbau besonders giftig
Am stärksten ist die Konzentration in Weinbaugebieten. Dies bestätigte auch die sogenannte PestiRiv-Studie, die Ende vergangenen Sommer erschien (Greenspotting berichtete). Immerhin ist der Gifteinsatz im Weinbau bezogen auf die Fläche etwa siebenmal intensiver als auf anderen Anbauflächen. Allerdings sind die Anrainer von Obstbaubetrieben einem ähnlich hohen Pestiziddruck ausgesetzt. Aber auch Getreide- Rüben oder Knollenanbau belasten die Erziehungseinrichtungen. Landesweit ist der Anbau von Winterweizen mit 32 Prozent der Gesamtbelastung das größte Problem.
Vor- und Grundschulen stärker betroffen
Besonders betroffen sind die Kleinsten. Denn Vor- und Grundschulen gibt es häufig in Kleinstädten oder Dörfern. Schulen für die Sekundarstufe befinden sich hingegen eher in mittleren oder größeren Städten – weiter entfernt von landwirtschaftlichen Anbauzonen. Glück haben jedoch auch Landbewohner in Gegenden mit vorwiegender Weidewirtschaft. Oder die Nachbarn von ökologisch bewirtschafteten Flächen.
Mehr davon fordern Bürgerinitiativen wie die Générations Futures. Rund um Wohngebiete und Schulen sollen Grünzonen geschaffen werden, in denen ausschließlich Biolandbau stattfindet. Als vorübergende Maßnahme fordert die Initiative die Einrichtung von mindestens hundert Meter breiten pestizidfreien Abstandsstreifen. Tatsächlich wurde nur acht Prozent der Flächen im Umfeld von Schulen ökologisch bewirtschaftet – nicht mehr als im landesweiten Durchschnitt.
Auch deutsche Bauern sprühen Agrarpestizide
Dass die Belastung von Schulen und Kindergärten durch Petizide kein ausschließlich französisches Problem ist, zeigt ein Vorfall, der sich im vergangenen Jahr in Sachsen zutrug. In Dohna bei Dresden mussten Kinder und Erzieherinnen ärztlich behandelt werden, weil ein Bauer auf einem nahem Feld Pestizide versprüht hatte. Im Gegensatz zu unserem Nachbarland fehlt es in Deutschland allerdings an umfassenden flächendeckenden Untersuchungen wie die erwähnte PestiRiv-Studie.
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