Sie galten als ideale Brückentechnik für den Einstieg in die E-Mobilität. Doch nun beweist eine Studie, dass Steckerhybride eine Mogelpackung sind.

Plug-in-Hybridautos hatten bislang den Ruf spritsparend zu sein. Und sie galten als guter Kompromiss zwischen Verbrenner und Vollstromer. Zeitgenossen, die den großen Sprung direkt zum E-Auto nicht wagten, konnten sich dank der Steckerhybride gleichsam schrittweise der E-Mobilität nähern und so in Ansätzen davon profitieren. Doch eine jüngst erschienene Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe zeigt, dass es sich dabei um eine Wunschvorstellung handelt.
Denn Plug-in-Hybride verbrauchen in der alltäglichen Fahrpraxis deutlich mehr Kraftstoff als angegeben. Laut der Prospekte der Hersteller, aber auch den amtlichen WLTP-Angaben zufolge, verbrauchen Steckerhybride in der Regel ein bis zwei Liter Kraftstoff pro hundert Kilometer. Tatsächlich liegt jedoch der Verbrauch bei sechs Liter – etwa viermal so hoch wie bislang angenommen. Damit liegen Verbrauch und klimaschädliche Emissionen kaum niedriger als die eines herkömmlichen Verbrenners.
Alltags- statt Laborwerte
Die Fraunhofer-Forscher und ihre Partner hatten per Funk Daten von etwa einer Million unterschiedlicher Fahrzeuge der Baujahre 2021 bis 2023 während des gewöhnlichen Betriebs erhoben. Beim branchenüblichen WLTP-Test hingegen testen die Prüfer die Verbräuche nur auf dem Prüfstand. Der WlTP-Zyklus soll die typische Alltagsnutzung imitieren. Tatsächlich handelt es sich aber um idealisierte Laborbedingungen. So vernachlässigt der WLTP-Test die Tatsache, dass viele Plug-in-Hybrid-Fahrer ihr Fahrzeug selten oder nie per Stecker aufladen – schlicht, weil es ihnen zu lästig ist.
Steckerhybride sollten die Vorteile beider Welten, der Verbrennungsmotoren und der Elektromotoren, vereinen. Neben einem herkömmlichen Verbrennungsmotor verfügen die Fahrzeuge über einen Elektroantrieb mit einer kleinen Batterie, die – bei neueren Modellen – zwischen 50 Kilometer und hundert Kilometer elektrische Reichweite ermöglicht. Die viel beschworene Reichweitenangst des E-Fahrers ist Fahrern von Plug-in-Hybriden unbekannt. Denn bei leerer Batterie läuft das Fahrzeug auf Spritbasis. Ist die Batterie hingegen geladen, wählt eine Steuerung je nach Situation den passenden Antriebsmodi.
Steckerhybride – Spritschlucker selbst im E-Modus
Bislang gingen selbst viele Automobil-Experten davon aus, dass im E-Modus so gut wie kein Sprit verbraucht würde. Falsch! Die Untersuchungen zeigten, dass die Fahrzeuge selbst im sogenannten Entlademodus im Schnitt drei Liter Kraftstoff konsumierten. Einzelne Fahrzeuge – vor allem aus dem Hause Porsche – verbrauchten im elektrischen Modus bis zu sieben Liter Sprit. Im Verbrennungsmodus lag der Kraftstoffverbrauch naturgemäß deutlich höher. Die Forscher nehmen an, dass selbst im E-Modus der Verbrennungsmotor deutlich öfter anspringt als bisher vermutet.
Ein Grund: Bei kaltem Motor, höheren Geschwindigkeiten oder zum Heizen schaltet die Steuerung automatisch zum Verbrennungsmotor. Aber auch die Elektro-Muffeligkeit vieler Fahrer, die ihre Plug-in-Hybride selten oder nie per Stecker aufladen, treibt den Spritverbrauch nach oben. Insgesamt liegt der elektrische Fahranteil bei nur 25 Prozent.
Hinzu kommt ein Grundproblem der Hybridtechnik. Anders als Vollstormer oder reine Verbrenner schleppt ein Hybridfahrzeug immer zwei Systeme mit sich: Den Verbrennermotor und das dazugehörige massive Getriebe sowie den elektrischen Antriebsstrang mit der Batterie, die bis zu 150 Kilogramm wiegt.
Für die Autoindustrie sind die Ergebnisse der Fraunhofer-Studie eine Katastrophe. Denn die niedrigen WLTP-Verbrauchswerte der Steckerhybride dückten ihre Flottengrenzwerte beim CO2-Ausstoß nach unten. In der Vergangenheit mussten die Fahrzeugproduzenten immer wieder Strafen in Millionenhöhe zahlen, weil sie die EU-Flottengrenzwerte nicht einhalten konnten. Zuletzt drohten der Branche sogar Milliardenstrafen. Nach massiver Intervention der Branchenlobby haben die Kommission und das EU-Parlament eine Flexibilisierungsmaßnahme beschlossen. Die Autobauer können jetzt ihre Werte über drei Jahre mitteln. Damit sind die Strafzahlungen abgewendet oder gemildert.
Förderung von Mogelpackung stoppen
Doch seit Erscheinen der Fraunhofer-Untersuchung fordern Umwelt- und Verkehrsverbände die Förderung von Plug-in-Hybriden zu überdenken. So fordert der ökologisch orientierte VCD den Stopp der in Deutschland erst vor kurzem wieder eingeführten Kaufprämie für Steckerhybride. Statt dessen sollten gebrauchte E-Autos einbezogen werden, damit auch Familien mit wenig Geld vom Klimaschutz profitierten. Die deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht die politische Aufwertung von klimaschädlichen Plug-in-Hybriden als eine klima- und industriepolitische Sackgasse. „Sie verlängert künstlich die Ära des Verbrennungsmotors, gefährdet die Klimaziele und bindet Investitionen, die wir für echte Nullemissionsfahrzeuge brauchen“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Mehr: Tagesschau; Handelsblatt; The Guardian



Plugin Hybride können sinnvoll sein wenn es sich im serielle Hybride oder Rangeextender handelt.
Es ist antriebstechnisch ein E-Auto und der Verbrenner ist ein Generator mit hohem Wirkungsgrad.