Gleich um die Ecke, fast immer verfügbar – es gibt genügend Ladestationen für die gegenwärtigen Elektroautos

Kein Elektroauto zu kaufen, weil es zu wenig Ladestationen gibt, ist Quatsch. Neueste Zahlen zeigen, dass es in Deutschland genügend öffentlich zugängliche Stromtankstellen gibt, zumindest für die gegenwärtige Zahl der Stromer.

Reservierter Parkplatz zu Stromtanken für Elektroautos: Das Risiko, in Deutschland an eine besetzte Ladestation zu kommen, tendiert gegen null (Foto: AKrebs60 / pixabay)
Reservierter Parkplatz zu Stromtanken für Elektroautos: Das Risiko, in Deutschland an eine besetzte Ladestation zu kommen, tendiert gegen null (Foto: AKrebs60 / pixabay)

Eine Million Ladestationen für Elektroautos in Deutschland hatte sich die gescheiterte Ampel-Regierung bis 2030 vorgenommen. In Betrieb waren Anfang Mai dieses Jahres laut Bundesnetzagentur gerade mal 166 867 öffentlich zugängliche Stromzapfstellen. Doch das ist kein Grund, kein Elektroauto zu kaufen, weil man keine Ladestation findet. Eine Analyse des Lade-App-Anbieters Elvah in Berlin für die Automobilwoche zeigt, dass die in Deutschland vorhandenen öffentlich zugänglichen Ladestationen für die Zahl der Elektroautos hier zu Lande mehr als ausreichen. Die nächste Stromtankstelle liegt im Schnitt ganz in der Nähe. Und das Risiko, an eine besetzte Ladesäule zu kommen, tendiert gegen null. „Stand heute gibt es in Deutschland genug Ladeinfrastruktur. Bis auf wenige Ausnahmen müssen die Menschen nur selten warten“, so Elvah-Geschäftsführer Sören Ziems. Im ersten Quartal 2025 stellte die Tochter des Essener Energiekonzerns lediglich an 127 Ladestationen eine Auslastung von mehr als 50 Prozent im Tagesschnitt fest. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ladekunde ausgerechnet an eine dieser Ladestationen kam, lag bei 0,025 Prozent“, so Ziems.

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Im Schnitt alle 4,5 Kilometer eine Ladestation

Zwar sind dies nur Durchschnittszahlen und es gibt durchaus dünn besiedelte Regionen, in denen es ein ganzes Stück weit bis zur nächsten Ladesäule ist. Die längste von Elvah gemessene Distanz bundesweit lag bei 35 Kilometern. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der geringsten Ladesäulen-Dichte, liegt die Hälfte der Hochleistungssäulen jedoch bei maximal 4,5 Kilometer entfernt. „Es ist längst ein Mythos, dass es nicht genug Ladeinfrastruktur gibt. Es gibt zwar noch Lücken, aber niemand muss Angst haben, liegen zu bleiben“, so Jeroen van Tilburg, Chef des Ladeanbieters Ionity.

Bundesregierung auf Distanz zu einer Million Ladestationen

Entsprechend distanziert sich die neue schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) von dem Millionen-Ladestationen-Baby ihrer rot-grün-gelben Vorgängerin. „Zur Erfüllung der Ausbauziele ist es nicht ausreichend, lediglich die reine Anzahl von Ladepunkten zu zählen“, so eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums. Entscheidend sei, dass Ladeinfrastruktur flächendeckend verfügbar sei und zu den Bedürfnissen der Menschen passe. Wer laden wolle, müsse auch laden können. Das sei derzeit gegeben: „Insgesamt ist für den gegenwärtigen E-Pkw-Bestand der Bedarf an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur mehr als erfüllt.“

Für Elvah-Geschäftsführer Ziems ist die Einsicht überfällig: „Die Zahl von einer Million Ladepunkte war und ist eine reine Symbolzahl.“

Mehr: Focus

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