Großbritannien lässt Deutschlands Energiewende alt aussehen – mit Elektroautos als Stromspeicher und -lieferanten

Dank intelligenter Stromzähler macht Großbritannien Elektroautos zu Stromspeichern und -lieferanten – ein potenzieller Durchbruch für die Energie- und Verkehrswende. Deutschland liegt zehn Jahre zurück.

Deutscher Stromzähler Typ Steinzeit: Projekt in Großbritannien mit Elektroautos als Stromspeicher und -lieferant könnte Gamechanger der Energie- und Verkehrswende werden - hierzulande funktioniert das noch nicht
Deutscher Stromzähler Typ Steinzeit: Projekt in Großbritannien mit Elektroautos als Stromspeicher und -lieferant könnte Gamechanger der Energie- und Verkehrswende werden – hierzulande funktioniert das noch nicht

Die Idee ist frappierend. Man nehme einen Stromzähler, mit dem sich der Strombezug steuern lässt. Ist das Angebot groß und die Nachfrage klein, mithin der Preis der niedrig, kauft man Strom und speichert ihn in der Batterie des Elektroautos. Ist das Angebot knapp und die Nachfrage groß, mithin der Preis hoch, verkauft man den preiswert erworbenen Strom in der Autobatterie teuer. Das führt im Idealfall dazu, das Elektroautofahren so gut wie nichts kostet, gleichzeitig aber preiswerter grüner Strom dank überschüssigem Wind und Sonnenschein das Angebot bei Knappheit erhöht und damit Preissteigerungen abschwächt. Genau das geschieht jetzt in Großbritannien. Branchenexperten sehen darin einen potenziellen Gamechanger der Energie- und Verkehrswende.  

Moderne Strommess- und -steuerungstechnik erforderlich

Gestartet wird das Projekt von dem britischen Energieversorger Octopus Energy zusammen mit dem chinesischen Elektroautoriesen BYD. Die dafür erforderliche Technik heißt „Vehicle to Grid“ (V2G) oder „bidirektionales Laden“. Mit ihrer Hilfe können E-Autos nicht nur Strom aus dem Netz laden, sondern Strom auch wieder ins Netz abgeben. Nötig ist dazu ein intelligenter Stromzähler, ein sogenannter Smartmeter, der nicht nur die Stromentnahme und – zufuhr ermöglicht und misst, sondern diese auch in Abhängigkeit vom Strompreis steuert.

Deutschland zehn Jahre hinterher

In Frankreich gibt es seit dem vergangenen Jahr ein ähnliches Projekt des deutsch-schweizerischen Unternehmens Mobility House zusammen mit dem Autokonzern Renault. In Deutschland hat keiner der hiesigen Konzerne dies im Programm, auch weil es V2G hierzulande nicht gibt. Für die Umsetzung des kostenlosen Ladens sind in Deutschland noch die Voraussetzungen zu schaffen“, beklagte sich Mobility House bereits im vergangen Jahr. Im Klartext: Nach Großer Koalition und Ampel hinkt Europas größte Volkswirtschaft bei der Energiewende inzwischen locker zehn Jahre gegenüber den Projekten in Großbritannien und Frankreich hinterher.

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