Meide die Mittagshitze, heißt es immer wieder. Doch so richtig heiß wird es erst viel später- vor allem in den Städten. Mittags sind die Temperaturen eher zu ertragen.

Eigentlich logisch: Steht die Sonne im Zenith, ist es am wärmsten. Mittags an Sommertagen sei – so wird vielfach behauptet – der Aufenthalt im Freien besonders belastend. Stimmt nicht! Zwar ist auch die Mittagssonne an heißen Tagen der Gesundheit nicht zuträglich. Doch so richtig gesundheitsschädlich wird es erst in den Stunden danach.
Ein Grund dafür ist die Sommerzeit. Wegen der Vorverlegung des Tages knallt die Sonne nicht mittags senkrecht auf das Pflaster oder die Äcker, sondern erst anderthalb Stunden später. Aber auch dann ist die wärmste Tagezeit noch nicht erreicht. Denn damit es so richtig warm wird, müssen sich erst der Boden, die Häuser und Straßen der Stadt, aber auch Wälder oder Gewässer erwärmen. Dadurch steigen erst nach und nach die Temperaturen in der Luft. Dieser Prozess zieht sich nach dem Erreichen des Höchstandes der Sonne stundenlang hin. Erst ab 16 Uhr werden die höchsten Temperaturen erreicht.
Der Boden, vor allem aber Gebäude und Asphalt, speichern nun jede Menge Wärme. Die Energie entweicht nur langsam. Erst ab dem frühen Abend ab 18 Uhr fallen die Temperaturen wieder.
Mittags laden sich Asphalt und Häuser auf
In den Städten fallen sie allerdings deutlich später – und langsamer. Denn Asphalt und Bauten sind ideale Hitzespeicher. Sie geben die gespeicherte Wärme langsamer ab als beispielweise Oberflächen auf dem Land wie Wälder, Weiden oder Äcker.
Hinzu kommt: Pflanzen nehmen aus Boden und Luft Wasser auf und geben es in Form von Wasserdampf wieder ab. Diese Verdunstung braucht jedoch Wärmeenergie, die sie der Umgebung entzieht. Kurz: Vegetation bringt Kühle. Den versiegelten Flächen der Stadt fehlt dieser Kühlmechanismus. Die abendliche Abkühung der Städte startet folglich von einem höheren Temperaturniveau.
Auch an Kühlung durch den Luftaustausch mit der Umgebung mangelt es den Städten. Die hohen, dicht beieinander stehenden Gebäude machen es dem Wind schwer. Und die vielen Verbrennungsprozesse in Motoren und Öfen, aber auch die Abwärme von E-Antrieben in Autos, Fahrstühlen oder Kühlanlagen wirken wie eine zusätzliche Heizung. Überraschend: Die Körperwärme der vielen Menschen wirkt sich auf die Höhe der Temperatur in den Städten kaum aus.
Städte nächtens bis zu zehn Grad heißer
Städtische Wärmeinseln sind im Jahresdurchschnitt zwei bis drei Grad heißer als das Umland. Messungen in Berlin zeigten, dass die Unterschiede ausgerechnet im Sommer sehr hoch waren. Im Winter hielten sie sich dagegen in Grenzen. In Sommernächten kann der Unterschied bis zehn Grad betragen. Vielfach wird die abstrahlende Wärme nachts nur zwischen den Mauern hin und her reflektiert, anstatt nach oben zu entweichen. Auch die stärkere Luftverschmutzung verhindert die Abkühlung. Die Schadstoff- und Staubpartikel halten die Wärme in den Straßenschluchten.
Selbst in kleineren Städten kühlt sich die Luft zwei bis drei Stunden später als im Umland ab. In Großstädten kommt es oft erst kurz vor dem Morgengrauen zu einer Temperraturangleichung mit dem Umland. Berüchtigt sind die lauen Sommernächte in Paris, Rom oder Madrid, wenn sich die Abendwärme bis in die frühen Stunden hält.
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